Kloster Andechs

14.2.2015. Schon von weit her ragt der Zwiebelturm der Klosterkirche herüber, auf Bergeshöhen im verschneiten Ammerland, heute unter einer frostigen, gleißenden Februarsonne.

In der Kirche prunkt goldener Barock. In einem stillen Seitenraum ist die einfache Grabplatte von Carl Orff, der im nahen Dießen lebte und die Texte der mittelalterlichen Carmina Burana vertonte, die man Jahrhunderte später im Voralpenland fand, in den Gewölben des Klosters Benediktbeuern.

Für die Pilger zum alten Wallfahrtsort Andechs, der auch auf urwüchsigen, stillen Waldwanderwegen zu erreichen ist, gibt es einen kleinen Klosterladen, mit beschaulichen Büchern, CDs mit kirchlicher und ländlicher Musik. Kerzen mit religiösen Bildmotiven von Heiligen wie dem Drachentöter Sankt Georg. Weihrauchgefäße, deren Duft auch in der Wohnung für sakrale Atmosphäre sorgt.

An der Ladenkasse hat die Mitarbeiterin einen Kleinbetrag für Briefmarken vergessen. Statt ihn separat einfach in bar zu verbuchen, tippt sie sämtliche Positionen der ausgewählten Andenken noch einmal ein.

„Wenn das Pater Anselm sehen würde.“ Anselm Bilgri hat viele Jahre als Cellerar das Kloster wirtschaftlich geleitet und für zusätzliche Einnahmen gesorgt. Doch als der alte Abt Odilo Lechner in den Ruhestand ging, wählten die Mönche nicht den verdienten Bilgri zu seinem Nachfolger, sondern den jungen Johannes Eckert. Interne Streitigkeiten folgten, teilweise sogar vor einem weltlichen Gericht. Am Ende zog der gute Pater Anselm von dannen und arbeitete ab 2003 als Wirtschaftsberater in München, immer im Einklang mit seiner geistlichen Herkunft.

Im voll besetzten Bräustüberl stehen Besucher Schlange an der Selbstbedienungstheke und füllen jeden der langen Holztische. Der benachbarte Klostergasthof ist nicht so voll. Auch hier gibt es kräftige bayerische Kost. Schinkenspeck. Schweinsbraten.

Viele Jahre ist es her seit dem letzten Besuch. Beim Wiedersehen beleben sich die Bilder neu. Meditation ist Konzentration. Das Abstreifen aller Ablenkungen.

Die Rückschau verknüpft starke Bilder der Vergangenheit mit Erfahrungen der Gegenwart, vertieft sie und gleicht aus.

Dazu findet am einige Gedanken auch hier:

„Nach dem Schlaf“

http://luft.mind-panorama.de/nach-dem-schlaf/

Andechs, im Vergleich zum anschwellenden Alltagstempo, der rasenden Informationsflut, ruht hoch über dem Land still in spirituellen, vergeistigten Dimensionen. Der Gedanke der Ewigkeit ist stark  zu spüren, der alle alltälichen Aufgeregtheiten verkleinert, unabhängig vom unruhigen Menschenstrom, der für ein oder zwei Stunden raschen Verweilen die schmalen Gassen des Klosterbergs durchströmt und dann wieder zu neuen Eindrücken und anderer Abwechslung verschwindet.

Direkt am Anlegesteg des Ammersees ist ein lichtdurchflutetes italienisches Café mit geräumigem Wintergarten und ausladenden Panoramafenstern. Die silberne Wintersonne glitzert auf der ruhigen weiten Wasserfläche. Im Winter fahren keine Schiffe. An der Uferpromenade ziehen dicke Mäntel vorbei.

Durch weiß leuchtende Hügel geht es zurück in die Großstadt, in das Labyrinth der vollen Straßen, die Tag und Nacht keine Ruhe kennen.

In der Stille der ländlichen Umgebung am Ammersee stören keine Hochhäuser. Dafür gibt es viele Dörfer, deren Wohnungen von alten Bauernhöfen hierher verpflanzt zu scheinen, mit dunklen Holzfassaden, Erkern und Blumenbalkons.

Nachklänge des Tags durchfluten die Gedanken. Die Klarheit der Winterluft erweitert den Horizont über das Sichtbare hinaus, steigert die Erinnerung an frühere Orte und Ozeane der Wahrnehmungen, mit dunklen Untiefen und hellen Inseln, Palmen am Strand und vorbeiziehenden weißen Schiffen, die von Kontinent zu Kontinent treiben, im Sturm oder unter einem goldfunkelnden Sternenhimmel.

Hier findet man andere Hinweise auf

„Verzauberte Orte“

http://luft.mind-panorama.de/verzauberte-orte/