Kurt Felix und die versteckte Kamera

22.8.2019. Das ist schon fünfzig Jahre her. Aber damals war die Fernsehsendung mit der Versteckten Kamera, von Kurt Felix und Paola moderiert, eine orginelle Unterhaltung. Die Scherze waren immer geschmackvoll. Die Opfer wurden nach ein paar Minuten aufgeklärt, und eine spätere Sendung war nur dann möglich, wenn die Gefilmten nachweisbar zugestimmt hatten. An dieser Rechtslage hat sich gar nichts geändert. Natürlich war ohne Zustimmung auch keine sonstige Verwertung erlaubt, bei beruflichen Lehrfilmen, Firmenveranstaltungen oder privaten Partys.

Was sich geändert hat, ist die Qualität. Das Niveau ist langsam immer mehr abgestürzt. Die Späße waren oft dumm. Und eine Tageszeitung kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass das ganze Format längst totgeritten ist. Letzten Samstag durften es die Zuschauer trotzdem noch einmal erleben. Ich habe das noch nicht einmal für ein paar Augenblicke getestet.

Grund ist auch hier die unüberschaubare Konkurrenz durch andere Sender und vor allem das Internet. Dort kursieren sogar Privataufnahmen, die heimlich aufgenommen wurden und streng verboten sind. Man kann die Autoren einerseits technisch zurückverfolgen, aber auch die Situation und die Methoden lassen Rückschlüsse zu. Mit Smartphones kann Jeder so etwas machen und dabei das Gerät so vor das eigene Gesicht halten, dass Jeder denkt, hier schreibe Jemand gerade SMS, während er in Wirklichkeit, durch das Kamera-Objektiv auf der Rückseite, ahnunslose andere Leute ohne ihr Wissen fotografiert oder filmt.

In der Filmstadt München haben besonders viele junge Leute daran Spass. Man kann unauffälluig zurückfotografieren, als Andenken oder sich ihre Gesichter merken, denn die Mehrzahl taucht, professionell von ungeschickten Masken- und Kostümbildnern verkleidet, immer wieder auf. Dabei hat das Fernsehen selbst längst schlechte Karten. Die Filme, die nach wenigen Tagen lautlos wieder aus den Kinos verschwinden, werden trotzdem immer weiter neu produziert. Die große Mehrzahl der ganzen Branche ist personell total überbesetzt und landet schließlich beim Arbeitsamt. Eigentlich müssten alle Nachwuchsstudenten ausnahmslos bei der Münchner Filmhochschule schon vor dem Studienbeginn auf die Zukunftsrisiken hineweisen werden, außerdem auf die juristischen Gefahren: Schadensersatz, Schmerzensgeld für die Opfer, dazu hohe Geld- oder Gefängnisstrafen für die Täter. Beschlagnahme der Tatwerkzeuge und einen Eintrag in das Polizeiregister für Vorbestrafte. Danach findet Mancher keinen Arbeitsplatz mehr, an dem Vertrauen die Voraussetzung ist.

Die Zeiten haben sich geändert, nicht erst, seitdem Jeder mit seinem persönlichen Mobiltelefon eigene Filme in gestochen scharfer HD-Qualität herstellen kann. Ich selbst benutze eine ganz kleine Markenkamera für nur knapp 75 Euro, und die Ergebnisse sind hervorragend, wie mir vor ein paar Wochen ein Profi bestätigte.

Was nun? Die Freude am Anschauen von Kinofilmen, nach dem Kauf von Eintrittskarten, wird laufend immer geringer. Doch es gibt ja ganz andere Möglichkeiten. Vernachlässigte Erlebnisbereiche. Wanderungen. Reisen. Lesen. Lernen. Gespräche. Austausch mit anderen Persönlichkeiten und die Realisierung neuer Ideen.

Die Technik jedoch rast immer weiter und schafft ständig neuen, überflüssigen Zeitvertreib zum Wegwerfen, zur destruktiven Flucht aus der Realität.

Vor ein paar Tagen hörte man vom neuesten Schrei der hochtechnisierten Belästiguungs- und Gedudel-Fanatiker.

Das Hologramm, bekannt als dreidimensionale Darstellung von Abbildungen, ist jetzt im Einsatz bei vorgetäuschten Dokumentarfilmen. Man kann also Filme mit längst verstorbenen Hollywood-Stars als Hologramm realistisch einbauen, in ganz andere Filme. Ein ganz neu produzierter Kassenknüller kann also durch Auftritte von Toten begeistern, die täuschend echt wirken und mit ihren Gesichtern und der individuellen Körpersprache wieder lachend oder wütend aus dem Grab auferstanden sind.

Eine dummes Unterhaltungsprogramm wird dadurch nicht besser Aber ganz andere Verwertungsmöglichkeiten sind jetzt denkbar: Fälschung von Straftaten, die man Unschuldigen in die Schuhe schieben will. Manipulation von Beweisdokumenten, die nichts als Lügen sind. Zusammentreffen von Personen an Schauplätzen, die sie in Wirklichkeit nie gesehen haben. Selbst mittelmäßige Forensiker (wissenschaftliche Spurenauswerter) können raffiniert getäuscht werden, und bestechliche Richter gab es schon immer. Mit diesen Kenntnissen kann man erst einmal keinem Dokument mehr vertrauen. Welche Zusammenhänge für die Wahrheitsfindung jetzt immer wichtiger werden, ist Thema eines eigenen Artikels, der demnächst für die notwendigen Informationen sorgt.