Lokalderby

25.11.2019. Gestern war Lokalderby. Die Fußballer vom FC Bayern in signalroten Trikots („FC Hollywood“) gegen die weißblauen, also patriotischen Löwen vom TSV 1860, in deren Stadion an der Grünwalder Straße. Draußen ein großes Polizeiaufgebot, sogar die sportlichen Einsatztruppen vom Unterstützungskommando (USK) waren da, die sonst für schwierige Fälle reserviert sind. Das Ganze verlief deshalb völlig ruhig und friedlich und sollte von weit her angereiste Schlägertruppen abschrecken, die jahrzehntelang den Sport in ein schiefes Licht gerückt haben. Im Stadion gilt schon seit vielen Jahren ein Alkoholverbot. Viele laufen zwar vorher mit geöffneten Bierflaschen durch die Straßen, halten sich aber zurück, weil sie sonst erst gar nicht zur Veranstaltung reingelassen werden. Hier gab es keine übertriebene Sicherheit wie in anderen Fällen, sondern Alles diente für zwei Stunden dem ungestörten Interesse an Sport.

Weil es noch früh am Nachmittag war, bestand auch noch der Bedarf, unter anderen Menschen zu sein, und die hatten sich in den umliegenden Lokalen versammelt. Früher musste man dann mit lautstarkem Lärm rechnen und sich an Epiktet erinnnern, der schrieb, „Wenn du zum Strand gehst, weißt du vorher, dass die Menschen dort laut sind. Gehst du trotzdem hin, dann beschwere dich nicht.“ Und da gab es die zweite Überraschung. Der Fernseher übertrug zwar direkt aus dem benachbarten Stadion, aber der Ton war abgeschaltet. Die eingeblendeten Schriften und Hinweise auf den aktuellen Spielstand reichten völlig aus. Die blonde Schiedrichterin war energisch und dirigierte mit klaren, knappen Handbewegungen. Man konnte sich denken, was passiert wäre, wenn sie auch nur ein einziges falsches Wort gehört hätte. Aber Alle waren nur mit ihrer eigenen Arbeit beschäftigt.

Die Lokalbesucher sagten nur gelegentlich etwas, hatten ein Bierglas in der Hand und konzentriierten sich voll auf den Sport. Da habe ich zu einem Bekannten, der kurz grüßte, gesagt, „Ich rede gern mit dir, aber nicht solange das Spiel läuft.“ Denn das wäre nur Wichtigtuerei gewesen.

Später wurde klar, dass hier einfach nur ein paar wichtige Regeln beachtet wurden, die – in angepasster Form – auch für spanungsgeladene Situationen in anderen Bereichen gelten: In Firmen, Großveranstaltungen und im privaten Umgang. Und natürlich in den politischen Krisengebieten der ganzen Welt. Spannungen wird es immer geben. Das Dualitätsprinzip verhindert, dass es nicht nur den Tag gibt, sondern auch die Nacht. Das Wachsen, Blühen und Vergehen ist das Schicksal jedes einzelnen Lebewesens, und das geht nicht ohne Spannungen. Aber All das kann gedämpft werden, so dass die Lage und der Gesamtzustand insgesamt verbessert werden. Die Methode an sich ist einfach, aber ihre Umsetzung kann sehr zeitaufwändig sein und auf viele Widerstände stoßen.

Das Fachwort heißt „De-Eskalation“ (Abbau von Spannungen). Es gehört zum Wortschatz der Polizei bei großen Menschenansammlungen. Aber auch bei Kriegen und politischen Krisen. Die Regeln sind immer dieselben: Konflikte miteinander vergleichen. Die Ursachen erforschen. Vorbeugende Maßnahmen treffen. Und nur im Ernstfall eingreifen.

Viele Dummheiten werden ausgelöst, weil Menschen Streit suchen und innerlich hoch geladen sind. Wenn die äußeren Umstände dazu passen, bricht ein Vulkan aus. Aber Alles hat Gründe, die man richtig erkennen und bewerten muss. Leider sind oft auch Experten dazu nicht in der Lage, wie man aus den täglichen Schlagzeilen der Presse leicht erkennen kann. Die Gründe dafür liegen in einer lückenhaften Ausbildung, einseitigen Informationen und Vorurteilen. Das notwendige Wissen dafür kann sich Jeder sellbst aneignen. Warum das nicht geschieht, ist hier schon oft erklärt worden. Hinter solchen Hinweisen steckt keine Arroganz oder Besserwisserei, sondern das Ziel, Verbesserungen zu erreichen und zu realisieren, durch diejenigen, deren berufliche Aufgabe es ist. Sie werden oft abgelenkt von Nebensachen oder bürokratischem Müll. Aber das ist nur eine veränderbare Einschätzung. Und nicht der Endzustand.