München ist frei und tolerant – die Bücherschau

20.11.2015. Gestern war ich zufällig im Kulturzentrum Gasteig.  Dort fand die Bücherschau statt, eine Veranstaltung, vergleichbar mit der Frankfurter Buchmessse. Eine angenehme Atosphäre. Gedämpfte Stimmen. Gesenkte Blicke, die sich auf  gedruckte Texte konzentrierten. Es gab  sogar Urfassungen von Klavierfassungen; zu einem vertretbaren Preis. Dort kam ich mit einem jungen Ausstellungsmitarbeiter ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er Musikwissenschaftler war, und dann bekam er die Web-Adresse meiner vier Blogs.

Dann ergab sich ein Gespräch mit einem professionellen Orchestermusiker, der Violine spielt. Dann war da noch ein  Mitarbeiter der „Tatort München“-Redaktion, der sehr aufmerksam zuhörte. Ein italienisches Ehepaar aus der oberen Ebene der römischen Gesellschaft. Und um 18.00 Uhr fand ein „Gespräch mit Salman Rushdie“ statt, das vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet wurde. Rushdie wurde bekanntermaßen wegen seines Buchs „Die satanischen Verse“ vom damaligen Ajatollah Khomeini  zum Tode verurteilt. Er sprach auch über die kürzlichen Anschläge von Paris, die an sieben Standorten gleichzeitig stattfanden.

Ich habe die Ankündigung dieses Gespräch nur im Vorbeigehen gesehen. Aber meine vorher unbekannte Sitznachbarin erklärte, es sei bereits seit Tagen im Internet und in öffentlichen Medien angekündigt worden. Eine halbe Stunde vor Beginn war noch die Hälfte der etwa dreißig Sitzplätze frei, und ich habe mich einfach auf einen freien Platz gesetzt, ohne vorherige Rucksack-Kontrolle oder körperliche Durchsuchung mit Detektoren, wie es an jedem Flughafen – zu Recht – zum normalen Alltag gehört. Auch im Publikum waren viele Personen mit Einkaufstüten und Handtaschen. Eine Dame wollte sich frech auf einen Sitzplatz drängen, den wir für einen kurz abwesenden Herrn reserviert hatten. Es gelang aber, sie von ihrem egoistischen Plan abzubringen. Sie baute sich dann direkt neben mir auf, und um sie zu ärgern, habe ich mehrmals ihre große Handtasche gemustert. Da schnauzte sie los, „Was ist denn mit meiner Handtasche?“ „Ich wüsste gern mal, was darin ist.“ „Kümmern Sie sich um Ihren Rucksack!“

Dann tauchte die Redakteurin des Bayrischen Fernsehens auf, die das Gespräch mit Salman Rushdie führte. Ich ging zu ihr hin und sagte, „Die öffentliche Vorankündigung dieser Veranstaltung ist ein schwerer Fehler. Wenn das die falschen Leute gelesen haben, dann rufen sie nicht vorher an, sondern sind bereits hier im Raum. Sie antwortete, „Dann gehen Sie doch nach Hause, wenn Sie Angst haben.“ „Gerade deshalb bin ich hier, weil ich erwartet hatte, dass alle Anwesenden und ihr Gepäck vorher genau kontrolliert werden.  Das ist nicht so. Deshalb müssen Sie jetzt diesen Termin absagen und verschieben.“ Sie war dann schon im Gespräch mit anderen Leuten und hat nicht mehr reagiert.

Dann ging ich zum  anwesenden Chef der Security und sagte ihm das Gleiche. Er sagte nur, „Wir sind ja da.“ „Aber das reicht nicht. Es fanden vorher keine Kontrollen statt.“

Dann begann das Gespräch, und sie sagte (es wurde aufgezeichjnet), „Jetzt sind wir feuerfest sicher.“

Tatsächlich hatte sich am Eingang eine Brandschutztür gesenkt, wie im Theater  der „Eiserne Vorhang“.

Ich sagte zu meiner Sitznachbarin, „Wenn die gefährlichen Leute schon hier unter den Zuschauern sind, dann bringen sie etwas Schlimmeres mit als einen Brandsatz.“ Sie antwortete, „Heute wird doch alles überwacht und kontrolliert. Das verstehe ich auch nicht.“

Zum Grundsätzlichen noch: In Zukunft muss mit Weitblick ein Vergleich zwischen Freiheit und Sicherheit stattfinden. Das heißt: Die Totalüberwachung und Vorratsdatenspeichung mit der Gießkanne bringt gar nichts. Denn alle gesammelten Daten können auch von unbefugten Experten genutzt werden, um Firmen, Behörden oder unliebsame, aber rechtschaffene Privatpersonen auszuspionieren und ihnen zu schaden.

Richtig ist die Totalüberwachung im öffentlichen Verkehr, weil gerade spätabends fahrende U-Bahnen immer wieder von alkoholisierten oder gewalttätigen Straftätern heimgesucht werden.

Aber so viel Freiheit wie möglich muss bleiben! Das heißt: Es müssen Computerprogramme geschaffen werden, die folgende Elemente auswerten: Spurenauswertung (Forensik),.Kryptologie (Entschlüsselung von verdächtigen Anzeichen, die an sich nicht auffällig sind. Prognostik (statistische Vorausberechnung möglicher Verbrechen) und auch die Symbolistik. Die mittelalterliche Überlieferung des „Alten vom Berge“ ist auch ein Schlüssel für die letzten Anschläge. Wegen ihrer Wichtigkeite verweise ich noch einmal auf meinen Artikel vom 8.12.2012:

„Der Alte vom Berge“

http://mind-panorama.de/website-spiegelnde-seen/der-alte-vom-berge.html

All diese Themen sind sehr interessant, und ich freue mich, wenn man mir Fragen stellt. Das ist in erstaunlich vielen Gesprächen der letzten Tage geschehen. Wie immer garantiere ich Informantenschutz. Außerdem bin ich bereit, dass bei heiklen Themen vorher ein Experte den Text liest und ihn dann freigibt oder nicht. Einen dramatischen Enthüllungsjournalismus aus unklaren Quelllen  wie Günter Wallraff habe ich nicht nötig, kann aber auch solche Rätsel analysieren, die selbst „Aktenzeichen XY“ noch nicht geknackt. Sicherlich nicht alle Rätsel, denn dazu brauchte man ein Gehirn wie ein Kleiderschrank, aber einen Versuch ist es immer wert.

Mit einem besonderen Dank an meine „zufälligen“ Gesprächspartner, gestern auf der Bücherschau, war’s das für heute.

.