Neunmalklug

14.7.2016. Neunmalklug – das sind die Siebengescheiten, die alles besser wissen. Was für eine Anmaßung! Die Welt kann von einem Einzelnen gar nicht mehr enträtselt und verbessert werden.

Vor ein paar Tagen im Kulturzentrum Gasteig. Jemand setzt sich dazu sich dazu und will auch ein Gespräch. Der Wissenschaftsredakteur einer kleinen Kulturzeitung. Sein Thema: Die Physik.

Das habe ich nie studiert. Aber es gibt sehr viele Querverbindungen zu anderen Forschungen. Das hat er nicht so recht verstanden. Dass Albert Einstein die Fundamente legte für die heutige Computertechnik, war ihm rätselhaft. Das macht doch nichts, aber als Experte hatte er sich damit disqualifiziert. Und so ging es weiter. Alles, was über seinen erlernten Schreibtischrand hinausging, war ihm ganz neu und ungewöhnlich. In einem Alter von fünfundzwanzig Jahren. Das bedeutet keine Dummheit, sondern fehlende Erfahrungen. Immerhin drei Stunden lang. Er stellte Fragen, für deren Antwort der begrenzte Abend viel zu kurz war. Das nannte er „ausweichend“ und „unbefriedigend“, brach plötzlich das Gespräch ab und verschwand.

Das war kein Einzelfall. Gegenüber vom Kulturbunker Gasteig gibt es die schmale Außenterrasse einer kleinen Pizzeria. Dort ist es normalerweise mittags  still und ruhig. Doch um 13.00 Uhr stürmten junge Leute herein, lärmend, lachend, gutaussehend, zwanzig Personen. Zwei Burschen am Nebentisch. Ich sage, „Wo kommt ihr denn her?“ „Von der Fachschule für Wirtschaft gegenüber.“ „Ist das eine bayerische oder chinesische Wirtschaft?“ Beide lachen. Sie haben den Witz verstanden. „Wie wird denn euer Unterricht gestaltet?“ „Es sind immer Doppelstunden. Zuerst redet der Lehrer, eine Stunde lang. Dann müssen wir aufschreiben, was wir davon verstanden haben.“ Das ist der alte Frontalunterricht, mit den Monologen neunmalkluger Pädagogen. Unglaublich im Zeitalter des Internets. Da kann Jeder selbst recherchieren, gründlich studieren und dann die offenen Fragen mit den „Lehrern“ klären, wenn sie es denn können.

Wie viel Zeit und Geld wird da verschwendet! Das ganze System ist falsch. Ich sage zu den Beiden, „Welches Fach ist euer Schwergewicht?“. „Raten Sie mal!“ „Die Freizeitkunde.“ Beide lachen wieder. Allerdings: Die Freizeit wird immer wichtiger, die Rentner zahlenmäßig immer mehr. Die jungen Leute wollen auch genießen. Da lässt sich sehr viel Geld verdienen. Wenn man es kann! Zum Abschluss sage ich noch, „Euch Beide habe  ich schon im Fernsehen gesehen.“ Das stimmt nicht, war nur ein Test, und sie wurden neugierig, „In welcher Sendung denn?“ „Beim Sender RTL. „Deutschland sucht den Superstar.“ „Das Dschungelcamp.“ Auch den Scherz haben die beiden Nachwuchs-Wirtschafts-Kandidaten sofort verstanden.

Das Thema Ökonomie ist gar nicht langweilig, besteht nicht nur aus trockenen, abstrakten Zahlenreihen. Das Hauptprinzip ist: „Mit dem geringst möglichen Aufwand den größt möglichen Erfolg zu erzielen.“ Das heißt, nach nur ein flüchtig ausgetauschten Gesprächsfetzen: Nicht alle  Wirtschaftsschulen arbeiten nach diesem Prinzip. Vielleicht.  Und auch Andere nicht. Ein Lebensthema, doch kein Grund zum Krieg. Die besten Früchte reifen langsam.

So  nähert man sich der Vollkommenheit, die unerreichbar bleibt, als ganz altes, frühes Ziel  jedoch immer die  wechselnde  Weltgeschichte belebt hat. Die Gegenkräfte bremsen das, verlieren aber am Ende. Heute sind Informationen zugänglich im weltweiten Netz, die jeder selbst auswerten und weitergeben kann. Das geschieht

Zarah Leander sang  1942: „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen.“ Hier kann man das sehen und hören:

https://www.youtube.com/watch?v=xp6l59mZojM

.