Nicht weit vom Herzogstand

11.7.2020. Nahe dem Hochgebirge der Alpen, nicht weit vom Herzogstand, liegt das Kloster Benediktbeuern. Dort fand man 1803 die sechshundert Jahre alte Liedersammlung der Carmina Burana. Sie handeln vom Alltagsleben im Mittelalter. Der Komponist Carl Orff hat einige vertont, und der Regisseur Jean-Pierre Ponnelle hat daraus einen kraftvollen Film gemacht.

Hier kann man das in voller Länge erleben 63 Minuten) :

https://www.youtube.com/watch?v=Gj-tBVq61as

Worte und Bilder richten sich weniger an den Verstand als an die Lebenlust auf dem Lande. Verschneite Landschaften und die folgenden Jahreszeiten sind der Rahmen für Tänze, Spielereien im Dorfteich und im dichten Laubdach einer blühenden Linde. Mit stummen Gesten kommentieren das lebhafte Treiben ein pechschwarzer Teufel und ein schneeweißer Engel. Beladene Heuwagen rattern vorbei. Ein Narrenschiff fährt auf einem schwarzen Fluss. Ein Minnesänger erobert ein Burgfräulein.

Die optische Überfülle kennt keine Ruhe oder Langeweile. Aber die Bilder haben eine zweite Sprachebene. Die Natur blüht im Gleichklang mit den Menschen. Sie spiegeln sich gegenseitig. Der frostige Winter, der blühene Hochsommer beeinflussen das Verhalten der Personen, die gemeinsam als Chormassen unterwegs sind. Oder am Anfang und Ende als Leser eine dicke Chronik öffnen und schließen, in der die guten und bösen Taten ihrer Vorfahren verzeichnet sind. „Wir stehen auf den Schultern von Riesen, die vor uns waren.“ (Einstein). Das Lied vom „Narrenschiff“ handelt von Hochmut und Größenwahn.

Die Bildersprache der Symbolik entstand als Vorläuferin der ersten frühen Textaufzeichnungen und erzeugt auch heute noch starke Wirkungen, wenn sie nicht für alberne Videospielereien zum Zeitvertreib missbraucht wird.

Die ägyptische Hochkultur der Pharaonen verwendete eigeneZeichen, Hieroglyphen, die jahrhundertelang kein Mensch entziffern konnte. Erst der Stein von Rosette brachte einen gleichlautenden, inhaltlich identischen Text in drei Sprachen, von denen zwei bereits bekannt waren. Die dritte Tafel zeigte Hieroglyphen, die danach in aufwändiger Feinarbeit entschlüsselt und übersetzt wurden.

Rätselmaschinen wurden oft in Kriegen verwendet. Die geheimen Nachrichten der deutschen Heeresleitung wurden aber imZweiten Weltkrieg von den britischen Gegnern entiffzert, die deshalb Alles mitlesen und auswerten konnten. Die Maschine nannte man „Enigma“. Der englische Komponist Edward Elgar schuf danach seine „Enigma-Variationen“. In dm Werk versteckt und wiederholt sich eine Melodie, die eigentlich gar nicht erkennbar ist.

Ein besonders eindringlicher Teil davon heißt „Nimrod“. Das war ein altorientalischer König. Hier kann man das hören:

https://www.youtube.com/watch?v=dFZ75vKe3YY