Oktoberfest

17.9.2016. Wettersturz. Kühl und verregnet begann heute das Oktoberfest. Wer spontan kommt, findet kaum einen Sitzplatz. Reservierungen von Firmen und Vereinen in drei zeitlich begrenzen Schichten füllen die riesigen Festzelte. Schade für Alle, die von weit her angereist sind. Aber die Gemütlichkeit hat sich schon längst aus dem Staub gemacht. Die offenen Karussels ohne Regendach locken keine Massen an. Und in den Bierzelten steigt der Alkoholpegel zur Discomusik immer schneller, bis am späten Nachmittag auf den Tischen getanzt wird, in der schwankenden Hand der volle Maßkrug, der auch als Wurfgeschoss geeignet ist. Geklaut werden können die großen Glaskrüge kaum noch, wel ein langer Sicherheitszaun die Theresienwiese abriegelt und das Mitbringen von Rucksäcken verboten ist.

Viele ältere Münchner gehen da gar nicht mehr hin, weil das gemeinsame Bier mit eng befristeter Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr gemütich ist, die Trachtenkapellen immer weniger bayerische Traditionsmusik spielen und das Menschengedränge aus allen Kontinenten sich Jahr für Jahr steigert. Demnächst wird man wohl Eintrittskarten verteilen müssen, so wie bei jeder anderen Großveranstaltung, den Fußballspielen und den Rock-Konzerten..

Dafür ist plötzlich viel viel mehr Platz in der Innenstadt. Das Hofbräuhaus hat drei große Etagen, mit der feuchten Bierschwemme ganz unten und dem Festsaal ganz oben. Dazu die vielen kleinen Arbeiterlokale („Boazn“), die es auch am Viktualienmarkt gibt.

Die Zeiten ändern sich. Das ist offensichtlich. Der Informationsaustausch wird schneller, in allen Bereichen. Und selbst „Lichtgestalt“ Franz Beckenbauer muss sich, nicht nur in der Lokalpresse, böse Bemerkungen gefallen lassen, zum Beispiel hier:

http://www.sueddeutsche.de/thema/Franz_Beckenbauer

Zeitung lesen kann jeder selbst. War früher Alles besser? Nein, nur weniger bekannt.

Live-Webcams senden seit Jahren in alle Welt aktuelle Filmbilder aus sämtlichen Ecken und Winkeln des Oktoberfests . Selbst anreisen muss also niemand mehr oder bekommt schon vorher einen Eindruck von dem, was ihn erwartet.

Vor sechzig Jahren gab es das noch nicht, aber die alten Kameras zeigen das, was heute nur noch Erinnerung ist:

https://www.youtube.com/watch?v=7JAB7Audvq0

.