Orientalische Abenteuer

8.8.2019. Kürzlich saß ich mit einem Bekannten im Wirtshaus. Da kam von einem anderen Tisch ein silberhaariger Herr im grauen Anzug. Er setzte sich in unsere Nähe. Vor sich aufgeschlagen hatte er die Süddeutsche Zeitung, die man eigentlich nicht kauft, um schnell mal darin herumzublättern. Das tat er auch nicht. Er öffnete die Zeitung ganz langsam und starrte auf die Überschriften. Dann blätterte er genau so weiter im Zeitlupentempo, ohne einen der Texte zu lesen. Neben ihm lag ein Taschenbuch mit dem Titel „1001 Nacht“. Das ist die bekannte arabische Märchensammlung. Auch in diesem Buch blätterte er nur herum. Dabei bemerkte ich, dass seine Ohren sich in einem langsamen Tempo immer mehr vergrößerten, bis die weit offenen Ohrmuscheln drei Mal so groß waren wie bei jedem anderen Menschen. Ihn interessierte also nur das Gespräch mit meinem Bekannten. Warum ? Das kann Jeder selbst testen. Einfach ein Wort etwas lauter aussprechen, das Neugierde weckt, zum Beispiel „Alle Deutschen sind zu dick.“ Für diesen fast immer funktionierenden Reaktionstest eignet sich auch jeder andere Begriff, der für Aufsehen sorgt, ohne dass etwas dahintersteckt.

König Silberhaar mit den riesigen Ohren hatte also vor sich auf der Tischplatte ein auffälliges, dekoratives Buch mit der berühmten Märchensammlung aus “ 1001 Nacht“. Diese Geschichten sind allseits bekannt, also als Nachricht nichts Besonderes, aber in ungekürzter Form sind sdiese Erzählungen jede Aufmerksamkeit wert. Die Meisten kennen das nur als Kinderbuch. Aber das Original umfasst viele dicke Bände, und es spiegelt ein breites, farbiges Panorama der arabischen Gedankenwelt, auch der Bereiche, die nicht jugendfrei sind.

In der orientalischen Malerei gibt es nur wenige Bilder mit Menschen oder Landschaften. Ganz verboten sind Abbildungen des Propheten Mohammed. Die zahlreichen Wandmalereien auf alten Palästen bestehen vor allem aus kunstvollenn Schriftzeichen, oft auf dem Untergrund kostbarer Edelsteine.

Diese schriftliche Sprache findet man überall im Orient, in einer gewaltigen Vielfalt aus Zeichen und Wörtern, die sich zu Texten aufbauen, wie man sie in ihrem phantastischen Reichtum auf der ganzen Welt nicht oft sieht.

Die Texte sind einerseits sehr realistisch und spiegeln alle Bereiche des damaligen Alltagslebens und seiner Herrscher. Andererseits überschreiten sie ständig die Grenzen der Wirklichkeit. Denn es gibt keine Dämonen, die aus Zauberlampen aufsteigen und ihrem Besitzer jeden Wunsch erfüllen. Auch das Motiv des Fliegenden Teppichs entstand zu einer Zeit, als es noch keine Flugzeuge gab, als Wunschvorstellung, so frei reisen zu können wie die Zugvögel.

Faszinierend ist dabei immer der elegante, unmerkliche, aber ständige Übergang zwischen Traum und Wirklichkeit. Träume spiegeln nach den Erkenntnissen der Psychoanalyse die aktuellen Probleme im menschlichen Innenleben. Die Enttäuschungen, die schweren traumatischen Verletzungen und die ersehnten, nicht erfüllten Lebensziele. Beide Bereiche, die Aufgaben des Tages und die Abenteuer im Traum, nicht durcheinander zu bringen, ist eigentliche eine Selbstverständlichkeit. Aber in der großen Kunst, zum Beispiel in den musikalischen Wunderwerken Richard Wagners, vermischen sich die Wirklichkeit und die Phantasie zu Rätseln, die man auflösen kann, um daraus neue Ideen zu verwirklichen, deren Wert vorher nur in Ansätzen erkennbar war. Das gilt auch für die orientalischen Abenteuergeschichten und jedes Thema, dessen gründliche Erforschung noch offen ist.

Im Lauf der Zeit haben viele Länder die Verbindung zu ihren Ursprüngen verloren oder müssen die alten Zeichen noch neu entdecken. Der heutige Orient, ausgehend von Marokko im Westen, umfasst ganz Nordafrika und berührt im Osten den Irak, der einst eine Fundgrube war für farbige, magische Persönlichkeiten wie den legendären Kalifen Harun al Rashid und dessen Hauptstadt Bagdad. „Ex Oriente Lux“. Aus dem Osten kommt das Licht. Auch die Morgenröte, das Zeichen eines neu beginnenden Tags.

Dieser neue Tag wird auch für die arabischen Staaten kommen. Seit vielen Jahren herrschen dort Spannungen. Kriege, unterschiedliche Glaubensformen, und insgesamt sind es viele vetrocknete Wasserbrunnen, aus denen man gemeinsam trinken könnte.

Wie das geht, soll das wichtigste Thema in diesem Artikel sein. Mit 21 Jahren war ich lange befreundet mit einem gleichaltrigen Araber. Die Politik spielte dabei kaum eine Rolle, aber es gab viele Erfahrungen, wie Menschen aus unterschiedlichen Kontinenten und Lebensverhältnissen gut miteinander umgehen können, ohne ihre Eigenarten zu vergessen. Es geht dabei nicht um private Belanglosigkeiten, sondern um die Regeln für ein System, das auch auf andere Bereiche anwendbar ist.

Im Privaten beginnt und endet natürlich Alles. Wenn ein Mensch als Fabrikarbeiter tagsüber ständig schwere körperliche Arbeiten auführt, kann man nicht erwarten, dass abends noch Shakespeares Dramen im Original gelesen werden oder Beethoevns neun Sinfonien auswendig mitgesungen werden. Dann ist zwar der sprichwörtliche Titel des Buchs „1001 Nacht“ bekannt, aber nicht unbedingt der Inhalt. Deshalb habe ich seinerzeit eine gekürzte Ausgabe des Originaltextes in London bestellt, die auch aufmerksam gelesen wurde, aber keinerlei Nachhall fand. Man muss auch nicht über Alles diskutieren und das im arroganten Tonfall zerreden.

Regel Nr. 1 lautet also: Jeden so lassen, wie er ist, so lange keine Gesetze gebrochen werden. Private Überwachungen sind da nutzlos oder entfesseln vermeidbare Spannungen. Heute befindet sich auf jedem Smartphone eine Funktion, mit der man jederzeit feststellen kann, wo man sich selbst gerade befindet. Das ist nützlich als Notruf in bei einsamen Gebirgswanderungen oder zur Orientierung in einer unbekannten Stadt. Jeder kann aber auch ein Zusatzprogramm als App laden, das bei einer Eingabe einer ganz anderen Telefonnummer den Standort des fremden Besitzers zeigt. Das ist nur mit dessen Einverständnis erlaubt, wird aber trotzdem gemacht. Mit weiteren Funktionen speichern solche Programme alle Standorte, die Jemand im Lauf des Tags besucht. Wenn er dabei feste Gewohnheiten hat, lässt sich ein verbotenes Bewegungsprofil erstellen, das schon im Voraus darüber informiert, welches Ziel ein Opfer hat, wenn es in eine bestimmte Straßenbahn einsteigt. Mit dem Auto sind die Täter meistens sogar schneller und können ein als Überraschung inszeniertes „Begrüßungskomitee“ herbeizaubern, das in grotesken Verkleidungen und einstudiertem Verhalten für Provokationen oder Streit sorgt. In der Filmstadt München scheinen junge Nachwuchsschaspieler, aber auch geldknappe Rentner, Frühpensionäre oder Arbeitslose einen Spaß an enem derartigen verbotenen Zeitvertreib zu haben, aber man erkennt sie recht schnell, wenn sie sich wiederholen. Und kann, ganz bequem und unauffällig, eine Fotosammlung dieser kranken Figuren aufbauen.

Regel Nr. 1 kann man auch so formulieren: Keine Spannungen anheizen, sondern abbauen. Das gilt überall, vor Allem für Staaten. Nachbarn müssen miteinander auskommen. Für schwere Krisen gibt es Ursachen, die man erkennen und bekämpfen kann. Die meisten arabischen Staaten haben einen Weg gefunden, den auch die Bevölkerung akzeptiert. Wo das nicht geschieht, verschlimmert sich die Situation, bis hin zu einem Bürgerkrieg. Ein junger Türke sagte mir kürzlich, wenn die Unruhe in seinem Land sich nicht von selbst auflöst, wird es viele Flüchtlinge geben. Und die meisten gehen dann nach Deutschland, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel seit Jahren mit weit ausgebreiteten Armen die Ärmsten der Armen in „ihr Land“ lockt und herbeiruft.

Doch sie ist mit unserem Grundgesetz nicht aufgewachsen und hat auch nicht verstanden, dass in unserer Verfassung zwar „politisch Verfolgte“ einen Anspruch auf Asyl haben, aber nicht alle Wirtschaftsflüchtlinge, auch nicht die Verlierer in einem Bürgerkrieg. Wenn die ganze Welt die bayrischen Grenzen stürmt, ist selbst ein vergleichsweise reiches Land damit überfordert. Und die notwendigen Risensummen an Geld fehlen für soziale Zwecke, Arbeitslose, Rentner und Menschen mit geringem Gesamteinkommen. Also wird ein jahrzehntelang stabiles Fundament einfach durchlöchert und ins Schleudern gebracht. Die Kanzlerin, Jahrgang 1954, war beim Fall der Berliner Mauer 35 Jahre alt, kein unwissendes Kind mehr und angesehene Abteilungsleiterin in der östlichen Freien Deutschen Jugend ( FDJ ), in der auch die ersten Staatslenker Walter Ulbricht und Erich Honecker den Weg zur Spitzenkarriere schafften. Bis 1990 wurde zwar auf DDR-Republikflüchtlinge scharf geschossen. Aber wenn man sich jetzt immer noch, immer wieder, für die Zuwanderung von Flüchtlingen aus anderen, weit entfernten Kontinenten einsetzt, kann man nur ein guter Mensch sein !

Solche schweren politischen Fehler sind die Ursache für Spannungen und Kriege auf der ganzen Welt. Wenn man die arabischen Staaten miteinander vergleicht, kommt man zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Die konkreten jährlichen Einnahmen des Staats für jeden einzelnen Bewohner sind nachprüfbare Kennzahlen, die man miteinander vergleichen kann. Ebenso die Gesamtummen aller Löhne und Gehälter, die prozentuale Verteilung des Reichtuns an Einzelne. Und alles Andere auch, was die ökonomischne Statistiken laufend veröffentlichen. Wenn zwischen einzelnen Staaten ( pro Kopf ) auffällige Unterschiede erkennbar sind, wird es Zeit, dass Experten eingreifen und wirksam für Entspannung sorgen.

Das macht dann auch den Rest des Lebens einfacher. Und dafür gibt es eine Universalsprache, deren Klänge auf der ganzen Welt verstanden werden. Eine der bekanntesten arabischen Sängerinnen ist Fairouz, geboren am 20.11.1934 im libanesischen Beirut. Auf YouTube kann man viele ihrer verfilmten Auftritte miterleben. Zum Beispiel hier, bei einem eindruckvollen Konzert 1979 im Pariser „Olympia“

https://www.youtube.com/watch?v=ib3xsdg0Gl0&list=RDib3xsdg0Gl0&start_radio=1

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