Orientalische Teppiche

6.7.2016.  Das Paradies über den Wolken existiert nicht. Vor ein paar Wochen sagte das ausgerechnet ein Romantiker.  Doch die Zeit hatte sich beschleunigt. Fünf Stunden im Gespräch rasten vorbei wie zehn Minuten. Das war das Paradies. Da waren wir uns einig.  Also hat Albert Einstein eine Dimension nicht erkannt: Er beschrieb in seiner Relativitätstheorie mit hoch komplizierten logischen Formeln, dass die Zeit abhängig ist von Masse und physikalischer Geschwindigkeit. Doch die persönliche Wahrnehmung hat er übersehen. Geht man über einen großen, langweiligen Parkplatz mit uniformen Schuhschachtel-Gebäuden, scheint das endlos lange zu dauern. Wandert man durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Flüssen, alten Fachwerkhäusern, ist das ganz schnell vorbei.

Das Paradies existiert also in der Realität, manchmal nur selten, ist auch nicht von Dauer, ein rascher Atemhauch.

In den orientalischen Erzählungen aus 1001 Nacht gibt es Fliegende Teppiche, die in der Realität undenkbar sind, ganz ausgeschlossen. Doch in den alten Büchern segeln sie dahin, hoch über steilen Bergesgipfeln, dem Zug der weißen Wolken ganz nahe, mit Blick von hoch oben auf steile Bergesgipfel, Städte, Flüsse, Wüsten. Tropenwald..

Zur Zeit ist die Münchner Innenstadt überfüllt von Touristen. Noch nie  vorher waren so viele Chinesen da, aus einem anderen politischen System. Sie werden nach der Rückkehr ihre Eindrücke berichten, und das zerstört die stärksten Mauern.

Setzt man sich draußen in der Sommerhitze an einen Tisch, bleibt man in dem hellen Licht nicht lang allein. Nichts Besonderes, wenn nicht ein Zufallstreffen alle Formen sprengt. Diesmal war es ein Athlet, mit großen Muskeln an den Oberarmen. Er grüßte, sagte: „Ich kenne dich.“ „Von woher?“ „Du bist öfter hier.“ Na ja. Man kann nicht ständig unterwegs auf allen Kontinenten sein. Er wollte reden.  Und das wurde sehr direkt. Wenn ein Mensch Gedanken austauscht, gibt er Auskunft über sich. Das Folgende ist in diesem Text verschlüsselt, aber doch in jeder Einzelheit der Wahrheit ganz nahe. Das war ein Straßenbahnfahrer, aus einem Grenzort in der Türkei. Und als Sportler ein Kickboxer, der blitzschnell seine Gegner niederschlagen kann. Ich sage, „Mit dir sollte man wohl besser nicht streiten.“ „Ach wo. Das ist nur mein Hobby. Der Sport.“ Er war hellwach, verstand rasch Alles. Dann haben wir unsere Kräfte gemessen, ganz anders, nur duch Worte. Fangfragen. Psychotests. Das hat er nicht immer bemerkt, doch gespürt. Ein Instinkt, der auf indirekte Signale reagiert. Feindselig war das überhaupt nicht. Und bei der Frage, „Habe ich dich beleidigt?“, folgte ein breites, starkes Lachen, „Warum denn?“ Dann haben wir noch lange diskutiert, auch über Politik in der Türkei. Und warum man solch ein Land verlässt.

Die Zeit ist keine feste Dimension. Dummheit verlangsamt alle notwendigen Änderungen. Erkenntnis beschleunigt sie. Einbahnstraßen und Sackgassen blockieren sie.

Außer dem Informationsgewitter, das pausenlos durch das weltweite Netz donnert und grollt, gibt es für die meisten Menschen noch das „normale Leben“. Dort gibt es auch Krieg, aber Möglichkeiten, ihn zu beenden, gewaltfrei, ohne Rachegedanken. Wer dazu nicht bereit ist, für den ziehen schwarze Wolken auf.

„Sag, welch wunderbare Träume halten meinen Sinn umfangen,
Träume, als ob Frühlingssonne aus dem Schnee die Blüten küsst,
Dass sie wachsen, daß sie blühen, träumend spenden ihren Duft,“

Im Jahr 1944, als die gnadenlosen Schlachten des Weltkriegs noch monatelang ganz Europa in Trümmer schlugen, sang Tiana Lemnitz: „Träume“

https://www.youtube.com/watch?v=mrKxbDFgkXg

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