Parallelwelten – Franz Kafka und Somerset Maugham

14.2.2016. Wenn aufmerksame Mitleser vorschlagen, ein konkretes Thema zu bearbeiten, ist das erfreulich, weil sie nachdenken und eigene Ideen haben. Gestern hörte ich den Wunsch, über Franz Kafka und Somerset Maugham zu schreiben. Was haben denn die miteinander zu tun? Eine ganze Menge.

Der Schriftsteller William Somerset Maugham (1874 – 1964) war im Ersten Weltkrieg ein Agent des britischen Geheimdienstes MI6. Seine klaren, nüchternen Roman enthalten auf den ersten Blick nichts Geheimnisvolles. Aber das täuscht.  Er beschreibt auch bei den privaten Schicksalen Strukturen, Querverbindungen und Motive, die viel über seine Berufsausbildung erkennen lassen.

Franz Kafka (1883 – 1924) war Jurist. Er hat in seinem Hauptwerk „Der Prozess“ seine Alltagseindrücke gesteigert und die Undurchsichtigkeit einer Justizmaschinerie thematisiert, die einen Unschuldigen ohne konkrete Anklage durchleuchtet und verfolgt. Jeder Verdächtige muss jedoch wie ein Unschuldiger behandelt werden, bis er in einem öffentlichen Prozess rechtskräftig verurteilt wird.

Somerset Maugham beschreibt in klaren Worten die realistische Dimension der Furcht. Franz Kafkas Sprache ist zwar genauso deutlich, aber der Wortschatz durchdringt einen ganzen philosophischen Kosmos der Angst, der mit Alltagspolitik nichts mehr zu tun hat, sondern ein Urelement des menschlichen Lebens ist. Angst ist ein natürlicher Reflex in gefährlichen Situationen und alarmiert Abwehr-Reflexe.  Aber wenn das zu längeren Depressionen, Panik-Attacken und Schlafstörungen führt, handelt es sich um eine psychische Erkrankung. Medikamente und psychologische Beratung bleiben dann wirkungslos, wenn die Ursachen nicht erkannt werden.  Das jedoch wird immer einfacher.

Grund ist das Ende der Geheimnisse. Die Privatsphäre ist ein Bereich, der nicht von Neugier berührt werden darf, dürch Schnüffler, Stalker oder Verleumder. Doch in sozialen Netzwerken wie Facebook geben Viele ihre persönlichsten Eigenarten einer anonymen Leserschaft bekannt. Aber das ist längst nicht Alles. Auch Verbrecher haben Geheimnisse und glauben, dass niemand sie entdeckt. Tatsächlich geht das immer schneller. Datenspuren im Internet lassen sich vollautomatisch auswerten, wenn Filter oder Suchmaschinen im Einsatz sind. Exklusiv für Spezialisten ist diese Technik schon lange nicht mehr. Jeder kann sie anwenden, und die Medien werden immer mehr verdeckte Regelverstöße enthüllen. Ein gewaltiger Fortschritt der menschlichen Entwicklung.

Ein berühmtes Lied der Sechziger Jahre ist „The Boxer“. Es handelt von einer Entdeckungsreise durch Amerika und dem Willen, stark zu sein.

„When I left my home and my family
I was no more than a boy
In the company of strangers
In the quiet of the railway station.“

Simon and Garfunkel singen „The Boxer“ :

https://www.youtube.com/watch?v=MYPJOCxSUFc

Das folgende Bild hat das gleiche Thema. Vor 15 Jahren habe ich es auf einem Trödelmarkt gefunden. Es spiegelt genau die Stimmung des Blicks zu den weißen Wolken, die langsam weiter ziehen, zu Orten, die für einen jungen Menschen noch nicht erreichbar sind, die er aber noch finden und erforschen will.

Wolkenblick

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