Patmos und das Ende aller Zeiten

8.7.2020. Auf der griechischen Insel Patmos entstand etwa im Jahr Siebzig nach Christus die „Offenbarung des Johannes“, das letzte Buch des Neuen Testaments. Es ist eine detaillierte Beschreibung des endgültigen Weltuntergangs, der Apokalypse. Es endet mit dem Jüngsten Gericht, dem Absturz der Sünder in die ewige Verdammnis. Danach aber werden die Gerechten an der Seite Gottes im Paradies sitzen, bis an das Ende aller Tage.

Der Text dieser alten Prophezeiung ist voll starker Bilder, die sich einer oberflächlichen Deutung entziehen, danach auch rätselhaft bleiben, obwohl seit zweitausend Jahren viele Denker und Fachgelehrte es versucht haben, die übermächtige Bilderspache zu entziffern.

Hier kann man sich ausführlich dazu informieren:

https://de.wikipedia.org/wiki/Offenbarung_des_Johannes

Aus der Überfülle der Zeichen hier nur ein paar Beispiele:

Das Buch mit den sieben Siegeln. Die sieben Posaunen. Das Tier mit dem Namen 666 . Die Schalen des Zorns.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Numerologie. Heilige Zahlen, deren magische Kraft immer noch wirkt, während andere Begriffe durch Missbrauch und Wiederholungen längst ihren Sinn verloren haben.

Der Autor des Textes ist nicht eindeutig geklärt. Vierzig Jahre nach dem Tod von Christus könnte es sein Lieblingsjünger Johannes gewesen sein. Im Beginn seines Berichts schreibt er:

„Ich hörte hinter mir eine große Stimme wie eine Posaune, die sprach: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte. Und ich drehte mich um nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte sah ich sieben goldene Leuchter.“

Die Ziffer Sieben taucht dann immer wieder auf. Sie steht für Vollkommenheit. Es ist die Zahl der vollendeten Schöpfungstage, aber auch der schallenden Posaunen vor dem Weltuntergang. Die Anzahl der verschlossenen Siegel für das letzte Buch und die Anzahl der Köpfe eines übermächtigen Drachen, der 42 Monate ( Sieben mal Sechs) die untergehende Welt beherrscht. Dann erhalten sieben Engel jeweils eine goldene Schale vom Zorn Gottes über den Zustand der Welt, um damit die letzten Katastrophen auszuführen. Am Ende folgt das Weltgericht.

Liest man als Jugendlicher diese drastischen Untergangsvisionen zum ersten Mal, hinterlassen sie einen verstörenden, bedrohlichen Nachhall, auch weil die drastische Sprache keinen Platz für Zweifel lässt. Andere Quellen ersparen dem Leser auch nichts. Aber im späteren Vergleich erkennt man Gemeinsamkeiten im Denken von Kontinenten, die nie einen persönlichen Kontakt miteinander hatten. Furchterregende Drachentiere gab es nicht nur in zweitausend Jahre alten nordeuropäischen Sagen, sondern auch im damals noch unbekannten chinesischen Kaiserreich.

Prophezeihungen findet man in allen Weltreligionen. In der altgermanischen Edda vernichten sich im „Ragnarök“ die Menschen und die Götter gegenseitig in einer blutigen Schlacht. Ganz anders ist es im Buddhismus. Dort muss der Mensch durch viele Wiedergeburten sein bisheriges Leben immer wieder gedanklich reinigen (Meditation) und neu durchleben, bis zur Auflösung im Nichts (Nirwana) und der Vereinigung mit dem Kosmos.

Zum Thema passt die vollständigeAufnahme der Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach, dirigiert vom unvergessenen Karl Richter:

https://www.youtube.com/watch?v=Ehbar90jHz8

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