Planet der Affen

22.7.2012. Vor fünfzig Jahren entstand die Serie der aufwändigen Kinofilme mit dem Titel „Planet der Affen“. Damals eine Sensation, denn die Affen hatten die totale Herrschaft über den Planeten Erde übernommen. Ihre runzligen Gesichter waren von Maskenbildnern äußerst sorgfältig gestaltet. Man wusste seinerzeit überhaupt noch nichts von Computertricks, und mitwirkende Stars wie Roddy McDowell waren in den Masken gar nicht zu erkennen. Dazu sagte seine Filmgefährtin Kim Hunter: „Die Zuschauer sollten nicht die Schauspieler sehen, sondern ihre Leistung.“ Mittlerweile gibt es alle Teile als DVD-Cassette, plus einer langen Dokumentation zur Entstehung des Meisterwerks.

Die ersten Kopien entsprechen den Originalen, aber man hat sie damals nicht technisch überarbeitet. Die Dialoge sind in zwei Teilen manchmal nur mühsam zu verstehen. Die Filmmusik ist zu laut. Mit heutigen Filtern lassen sich Bild und Ton vollautomatisch anpassen. Aber das ist bestimmt längst geschehen.

Die Technik wäre nur eine formale Spielerei, wenn diese Filme keine wichtige inhaltliche Aussage und gute Texte hätten. Der erste Teil zeigt, erst ganz am Ende, mit einem zertrümmerten Überrest der New Yorker Freiheitsstatue, dass die Helden zwar mit einem Raumschiff die unzerstörte Erde verlassen haben, aber keineswegs auf einem fernen Wüstenplaneten angekommen sind, sondern unbemerkt auf ihrem eigenen Planeten geblieben waren, wenn auch in der Zukunft, durch eine Zeitmaschine. Im zweiten Teil des Fünfteilers tauchen in einer Felsenhöhle sogar die letzten überlebenden Menschen auf, die eine Atombombe mit religiösem Eifer verehren, um sich gegen den bevorstehenden Angriff der Affen zu wehren. Sie zahlen dafür unbeirrt den Preis, dass am Ende Alles vernichtet ist.

Einen bekannten Verkleidungskünstler habe ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal erlebt. Sein Name ist hier unwichtig. Grundsätzlich habe ich kein Interesse daran, einzelne Personen bloß zu stellen oder lächerlich zu machen, wenn sie nicht sowieso ständig in der Öffentlichkeit auftauchen wie unsere Spitzenpolitiker. Dazu gehört er nicht.

Ich saß zeitunglesend im Bistro des Mathäser-Filmzentrums und entdeckte ihn plötzlich, als er drei Tische weiter in meine Blickrichtung schaute. Ungewöhnlicherweise trug er diesmal keine Maske, also war ein Erinnerungsfoto fällig. Unter dem Tisch habe ich diskret einen kleinen Fotoapparat aus dem Rucksack geholt, ihn eingeschaltet und auch das Teleobjektiv. Der unerwartete Stargast schaute dabei aus Langeweile zu, bis ich blitzschnell das Objektiv in seine Richtung drehte und abdrückte. Er ist ja sonst die Ruhe selbst und kann seine Gesprächspartner im Fernsehen mit versteinerter Miene unbeweglich ausfragen. Diesmal jedoch sprang er aufgeregt auf und beschwerte sich beim Kellner. Dem sagte ich, „Von den Gästen kenne ich Niemand. Ich wollte nur einmal das schöne Lokal in der Erinnerung festhalten.“ Da sprang der Wundermann auf und verzog sich in einen abgelegeneren Teil. In dessen Nähe war der Ausgang. Dort musste er vorbei. Er blätterte unruhig in der Süddeutschen Zeitung, las aber nichts Längeres. Als er zum Ausgang eilte, trank ich dort gerade „zufällig“ an einem Stehtisch ein Mineralwasser. Er holte tief Luft und war dann weg. So hat ihn noch keiner seiner vielen Bewunderer erlebt.

In meiner Jugend habe ich seine klaren, deutlichen Dokumentarbücher bewundert. Später ist ihm wohl nicht mehr so viel eingefallen, denn er ließ andere Mitarbeiter seine Informationen beschaffen und nutzte auch ganz andere Quellen.

Vor ein paar Wochen habe ich ihn zum letzten Mal gesehen. Mitten an einem belebten Platz steuerte er direkt auf mich zu. Das fiel auf. Ich sah aber nur einen älteren Herrn mit schlohweißer Altersperücke, dazu passend dicke Augenbrauen und einen zu großen Schnäuzer, alles angeklebt, aus stark abgenutzten Materialien. Als er ganz nahe war, grüßte er. Ich sagte, „Kennen wir uns?“ „Nein. Aber Sie haben gerade so freundlich gelächelt.“ „Nein. Ich habe gerade besonders böse geschaut.“ „Das stimmt nicht.“ Mit diesen Worten eilte er auf die andere Straßenseite und war weg. Aber es war Zeit genug, seine rückwärtige Hälfte anzuschauen. An den Beinen hat er ein unverwechselbares köperliches Merkmal, das er nicht verkleiden kann.

Das Alles würde ich ihm gern einmal persönlich sagen. Vielleicht sitzt er mal wieder plötzlich „zufällig“ an einem Nebentisch. Ich habe Nichts gegen ihn und verspreche ein entspanntest Gespräch, ohne Stress und mit völliger Diskretion.

Die Studienplätze an der Münchner Filmhochschule sind mehrfach überbesetzt. Auch die Bavaria Filmleute hatten früher viel mehr Aufträge. Die Nachfrage nach Kinofilmen ist insgesamt kleiner geworden. Das wird auch in Zukunft so weitergehen. Die meisten Studenten wollen davon aber nichts wissen, auch wenn sie jahrelang mit einem geringen Einkommen leben müssen, ohne langfristige Zukunftsperspektive. Arbeitslose Schauspieler nehmen längst gern auch kleine Statistenrollen an, für ein paar Euro pro Drehtag. Manchmal spielen sie auch mit bei den vielen „Versteckten Kameras“. Das Material darf aber nur verwendet werden, wenn das Opfer nachweisbar, am besten schriftlich zustimmt.

Immer wieder aufgefallen ist mir dabei ein etwa dreißigjähriger Mann, den ich mittlerweile als aufdringlichen „Verkleidungs-Idioten“ immer besser kennengelernt habe. Er spielt Alles, sehr gern uralte Frauen, betrunkene Penner und das ganze Panorama des Schmierentheaters. Nach der ersten Wiederholung erkannt man ihn unter jeder Maske, in jedem Kostüm wieder. Zum Beispiel hat er immer eine Tasche dabei, in der er endlos herumwühlt und herumkramt, bis er schließlich ein halb volles Trinkgefäß herausholt und daraus in kleinen Schlückchen nippt – eine Rotweinflasche, einen medizinischen Gesundheitstrank oder einen Fruchtsaft. Wenn man ihn anspricht, „Bist du schon wieder da?“, dann kann er sehr hässlich fluchen und fährt dabei gern noch ungefragt ein paar Stationen im Stadtbus mit.

Die Großstädte sind lebendig durch eigenwillige Originale. Darüber könnte man stundenlang reden. Die meisten sind angenehm. Aber die Minderheit der Belästiger mischt sich aufdringlich dort ein, wo sie unerwünscht sind. Sie müssen auch jederzeit damit rechnen, dass ihr Treiben sich herumspricht. Das sogenannte „Stalking“, das Nachspionieren und unerwünschte Eindringen in persönliche Lebensbereiche, ist seit Jahren streng verboten, deutlich im Strafgsetzbuch nachzulesen und kann richtig teuer werden.

Aber der jetzige Hochsommer hat viele Farben, auch sehr erfreuliche. Und der Rest des Lebens sowieso. Das ist der Hauptgedanke für alle Artikel dieser Webseite.