Scharfe Bilder

14.7.2020. Die ersten Fotos konnte man nur mit einem hohen Zeitaufwand herstellen. Dann aber hielten sie Personen und Orte mit zuverlässiger Klarheit fest. Sie unterbrachen den Ablauf der Zeit und waren für Vergleiche schnell greifbar.

Noch vor dreißig Jahren gab es sehr teure Spitzenkameras mit vielen ausgefallenen Funktionen. Die Qualität wächst immer noch, aber die Preise sind steil abgestürzt. Die Geräte werden außerdem immer kleiner und unauffälliger. Jedes Smartphone reicht zur weltweiten Verbreitung von schnellen Schnappschüssen in guter Qualität.

Doch das ist nur die technische Seite. Die anschließende Betrachtung von dokumentarischen Abbildungen gilt immer noch der weitergehenden Außenwelt, den Orten, Städten und Landschaften der erkennbaren labyrinthischen Realität, deren Zusammenhänge oft gar nicht mit einem schnellen Blick erkennbar sind, der sich auf gewohnte Perspektiven beschränkt. Selbst wenn Elektronenmiskrope in Bereiche eindringen, die für das menschliche Auge gar nicht mehr sichtbar sind, ist der Rest der Welt weiterhin selbst aktiv und löst eigene Folgen und Veränderungen aus.

Die äußerste Genauigkeit von modernen Objektiven lässt nicht die Fehler und Lücken in der persönlichen Wahrnehmung verschwinden. Jeder Betrachter hat eigene Grenzen in der Erfahrung oder dem Verstehen von Dingen außerhalb oder sogar innerhalb seines Körpers. Der griechische Philosoph Epiktet schrieb, „Dir gehört nur das, was du selbst bist.“

Wird etwas nicht richtig betrachtet, kann es nur falsch beurteilt werden. Diese Binsenweisheit ist zwar allgemein bekannt, wird aber selbst in Gerichtsprozessen oder bei wichtigen Zukunfts-Entscheidungen in Großkonzernen nicht ernst genommen. Die Folgen für Gewinne, Gehälter und die Stabilität der Zukunft sind oft früh voraussehbar, werden aber oft nicht enstgenommen, aufgrund zementierter Gewohnheiten oder bremsender, erstarrter Führungspersönlichkeiten.

Selbst eine glasklare, die Details hoch auflösende Gesichtsaufnahme kann nicht verraten, welche Gedanken sich hinter der Mimik bewegen, dem Spiel der sichtbaren Gesichtsmuskeln. Täuschungsmanöver fallen zwar auf, wenn sie oft und zu auffällig in die Trickkiste des Schmierentheaters greifen. Aber auch eine unbewegliche Maske wird dann verständlich, wenn sie ergänzt wird von Sprache, Wortwahl, Betonung und Inhalt von Gedanken.

Scharfe Blicke sind dann unerwünscht, wenn sie als Belästigung ankommen. Aufdringliches Anstarren wirkt abschreckend. Es gehört zu den Methoden des Stalking, des unverschämten Nachstellens und Kontrollierens, die in Deutschland seit Jahren verboten und strafbar sind.

Im kriminellen Einsatz ist dabei oft auch eine kostenlose Software, die beim Eintippen einer fremden Handy-Nr. den aktuellen Standort des ahnungslosen Mobiltelefon-Benutzers ganz genau anzeigt und seinen Aufenthalt. Mit ein wenig zeitlicher Ausdauer lassen sich sogar dessen Alltagsgewohnheiten ausspionieren. Im Stammlokal macht sich dann als Überraschung ein unerwünschtes und grinsendes Begrüßungs-Komitee breit.

Oder einzelne Spurensucher folgen ihrer Neugier. Das dürfen nicht einmal private Sicherheitsfirmen. Behörden brauchen eine richterliche Genehmigung, deren Begründung und Zulässigkeit durch neutrale Instanzen noch stärker überprüft werden muss. Die bereits existierenden gesetzlichen Strafen und technischen Methoden gegen Stalking kann jeder im Internet nachlesen. Schadenersatz, Entschädigungen können sehr teuer werden, auch die offene Berichterstattung der Presse ist dabei sehr deutlich. Anscheinend haben Viele noch gar nicht mitgekriegt, dass die Gerichte bereits drastische Denkzettel verteilen, die auch bezahlt werden müssen.

„Bright Eyes“ sind etwas ganz Anderes. Art Garfunkel erklärt das hier:

https://www.youtube.com/watch?v=a502RejLz8s