Leere Schubladen

31.7.2020. Was man früher in Schubladen verpackte, landet heute in Dateien. Die sind schnell, sortieren sich selbst und sorgen bei den Informationen für Querverbindungen, die durch Filter schnell für ein umfangreicheres Ergebnis sorgen, ohne deshalb unübersichtlich zu sein. Das einzige Problem dabei ist die Wichtigkeit. Wenn man eine Riesenmenge speichert, ist eine gute Nutzung nicht mehr möglich. Deshalb hängt die Qualität eines jeden Programms von seinen Auswertungsmöglichkeiten ab, deren Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit.

Dann kann man tatsächlich Wunder vollbringen, die vor dreißig Jahren noch gar nicht möglich waren. Und das Potenzial, die Schatzsuche, ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Die bisherigen Formen der Schule und Ausbildung sind dabei kein Motor. Allein die neunjährige Schuldauer an Gymnasien bremst. In anderen Bereichen sind das sogar Vollgnbremsungen. Dabei sind die Schüler lernbereit, anpassungsfähig und begeisterungsfähig.

Am Horizont ist bereits erkennbar, welche Möglichkeiten der systematischen Untersuchung, Fehlerbeseitigung und realistischer Reformen nur auf ihre Entdeckung warten. In Ansätzen wird Vieles schon gemacht,aber der Acker ist groß, auf dem geerntet werden kann.

Als Konkurrenz gibt es zwar viele andere Abwechslungsmöglichkeiten. Das Freizeitangebot. Neue Formen der Unterhaltungselektronik. Die Grenzen der Möglichkeiten sieht man aber weltweit schon seit Anfang April. Die Alternativen sind noch begrenzt. Aber Zeit zum Nachdenken gibt es genug. Die Ablenkung durch schrille und auffällige Abwechslung lähmt nur und macht unbeweglicher, viel mehr als früher.

Eine Urlaubsreise ans Mittelmeer bedeutete früher: Tausende Strandkörbe, exakt im gleichen Abstand und Badevorschriften mit Zeiten, die genau zu beachten waren. Sich Land und Leute genauer anzuschauen, blieb oft nur eine Randerscheinung.

Was für ein Versäumnis ! Die spannendsten Erlebnisse kann man ganz spontan haben. Wenn man nicht hochnäsig durch die Gegend läuft. Was man zusätzlich lernt, ist keine Pflichtaufgabe, sondern eigener Antrieb.

Reiseführer, Bücher unterstützen das. Oder Urlaubsprospekte. Aber die hochgradige Kulturstadt Florenz hat nicht nur Museen und eine unbeschädigte Altstadt zu bieten, sondern auch Bewohner, die gern reden. Am zentralen Piazza della Repubblica steht im Erdgeschoss der Luxushotels ein gepflegtes Bierlokal neben dem anderen. Dort sitzen am Straßenrand auch junge Leute, die sich nichts Teures leisten können. Meist treten sie in Gruppen auf und freuen sich, wenn sie einem Fremden erklären könnne, was der „Parco delle Cascine“ Alles zu bieten hat. Das ist ein fünfhundert Jahre alter großer Park, der von der Stadtmitte aus am nördlichen Flussufer des Arno verläuft. Dort habe ich ein Konzert des Liedermachers Lucio Dalla erlebt. Wegen der gewaltigen Menge an Zuhörern konnt man ihn aber nur als winzigen Leuchtpunkt in fünfhundert Metern Entffernung sehen.

Sein Kollege Lucio Battisti hat „Un’Avventura“ geschrieben. Er philosophiert darin, dass nicht Alles im Leben ein Abenteuer ist. Es gibt auch Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Hier kann man das hören:

https://www.youtube.com/watch?v=tn8htol2Iec

Aus Ideen und ihrer Verbindung mit der Wirklichkeit kann ganz Neues entstehen. Hector Berlioz hat die „Symphonie Phantastique“ als Huldigung an die vielseitigen Formen der Phantasie komponiert:

https://www.youtube.com/watch?v=Wuexd74-3H0

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Florenz 1982, vor 38 Jahren.

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