Shamrock

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2.3.2020. Irlands Beiname „grüne Insel“ verweist darauf, dass Pflanzen, Gras, große Felder für das Weidevieh das Bild des Landes bestimmen. Im Norden Großbritanniens kennt man den roten Schottenrock. In Irland ist er grün. Der Shamrock, der frische Klee, ist ein Nationalsymbol der Insel. Meist tritt er in dreiblättriger Form auf. Vier Blätter gelten weltweit als Glückssymbol.

Kürzlich sah ich einen kleinen Kerzenleuchter mit diesem Zeichen. Oben waren drei rote Kerzen. Wenn sie angezündet sind, verstärken sie die Sognalfarbe des Wachses durch natürliches Licht. Unten lagen drei rote Rosen, auch bekannt als Zeichen der Liebe, Und in der Mitte waren gleich sechs vierblättrige Kleeblätter. Zwei mal Drei ist Sechs, in der Zahlenmystik ist das ein Hexagramm, ein Sechseck. Hier gab es jedoch keine Ecken, sondern die Blätter waren kreisförmig angeordnet. Der Kreis ist eine vollkommene geometrische Form. Er hat keine Kanten, keinen Anfang und kein Ende, ist also auch ein Zeichen der Unendlichkeit. Die Pflanzen, die Kerzen und die Rosen ergaben insgesamt ein Frühlingssymbol: Die Jahreszeit des Blühens, des stärker werdenden Lichts und der biologischen Fortpflanzung, die bei Pflanzen und allen anderen Lebewesen nach ähnlichen Regeln verläuft. Sie sind der Grundstein für alles Leben, für die Fortentwicklung, die Reife und die Ernte im Herbst.

Der Besitzer erklärte, das Gebilde stamme aus Süamerika. Etwas ungewöhnlich, aber die Iren haben eine jahrtausendealten Ruf als Forscher und Entdecker. Von den britischen Inseln stammt auch das fünftausend Jahre alte Tatzenkreuz der Kelten.Die vier einzelnen Teile enden nicht in Spitzen, sondern in einer Verbreiterung, die an eine Tierpfote erinnert. Dieses Tatzenkreis wurde im Mittelalter als Erkennungszeichen des Templerordens verwendet. Die Ritter trugen es auf der Brust ihres weißen Gewandes in blutroter Farbe. Sie pilgerten nach Jerusalem, aber nicht für einen kämpferischen Kreuzzug, sondern um unter dem Tempel verschollene Gegenstände aus alttestamentarischer Zeit zu finden. Ihr Ziel war also nicht der Krieg, sondern die Erweiterung ihres Wissens um sehr alte Geheimnisse. Das vierblättrige Kleeblatt, die Kerzen an dem vorhin erwähnten kleinen Leuchter hatten eine ähnliche Bedeutung: Die Annäherung an die höchste Stufe der Erkenntnis. Die Erleuchtung. In den alten Geschichten um Parsifal und die Gralsritter geht es um das Gleiche. Ein Tempel im heiligen Gralswald, der für Altagsmenschen nicht erreichbar ist, sondern nur für Wissende auf einer hohen Stufe der Wahrnehmung.

Die bisherigen Beispiele sollen wieder einmal die Kraft alter Bilder und Zeichen verdeutlichen, wenn sie im richtigen Zusammenhang zusammengestellt werden. Neben dem Leuchter war noch eine kleine Skulptur: Ein Fischmensch. Ein Mann mit schwarzem Vollbart, der unterhalb der Körpermitte einen großen Fischkörper trug. Im Meer sind alle Lebewesen vor Millionen Jahren entstanden, bis hin zum Menschen. Diese Figur war also ein Zeichen der Fortentwicklung in der gesamten Natur, der Evolution, die eine Vielfalt der Arten und Geschöpfe erschaffen hat, wie sie vor den gründlichen Forschungen von Charles Darwin niemand verstehen konnte. Zwischen dem Fischmenschen und dem Kerzenleuchter standen außerdem zwei zylinderförmige Gewürzstreuer für Pfeffer und Salz, die bekanntesten Mittel zu Verbesserung eines einfachen Geschmacks. Schwarz und Weiß. Das ist das Dualitätsprinzip. Die Doppelfunktion jeder Erscheinung. Sommer und Winter. Tag und Nacht. Krieg und Frieden. Aus diesen Gegensätzen entstehen Spannungen, die außer Kontrolle geraten können, aber auch die Voraussetzung sind für jede Fortentwicklung. Für alle Fortschritte in der Technik, aber auch in der Natur. Falken sind schnell und schlau. Ihr Jagdrevier dient zum Beutefang. Deshalb wurden sie vor tausend Jahren auch als Schmuckstück jeder fürstlichen und königlichen Jagd eingesetzt.

Doch viel früher, vor zweitausend Jahren schrieb der chinesische General Sun Tsu, der für seinen Kaiser viele Schlachten gewonnen hat: „Das Ziel des Kriegs ist nicht der Sieg, sondern der Frieden.“ Das klingt ganz einfach, ist aber keineswegs ein fester Teil unserer Gegenwart. Einer hat es mal versucht: „Glasnost“ (Transparenz) und „Perestroika“ (Fortschritt) erklärte Michail Gorbatschow vor dreißig Jahren zu seinen Leitlinien. Es gibt bekannte Ursachen dafür, dass danach viele Entwicklungen einen ganz anderen Verlauf nahmen. Aber als Ziel, als Leitlinie gilt das immer noch.

(Der Text wird in Kürze weiterbearbeitet.)

Die bekannteste Musikgruppe aus Irland sind die Dubliners. Hier singt der unvergessene Luke Kelly, „The town I loved so well“:

https://www.youtube.com/watch?v=55OBEs98Pj4