Sheherazade im Hamam

24.6.2019. Ein Hamam ist ein orientalisches Dampfbad, wo die Anwendung traditioneller Prozeduren immer noch zum Programm gehört. Eine Erinnerung an die Welt aus 1001 Nacht, deren phantasievolle Geschichten in gekürzter Form immer noch als Kinderbuch missverstanden werden. …

Im strengen Orient sind die Häuser für Frauen und Männer natürlich getrennt. In der Gesellschaft dominieren sowieso die maskulinen Elemente. In Europa sieht das anders aus. In München gibt es zum Beispiel die größte Herrensauna von ganz Deutschland. In den meisten Etablissements der weltweiten Badekultur sind die Mitarbeiterinnen allerdings weiblich. Wenn sich die anstrengende Aufgabe des Geldverdienens verbindet mit farbigen Bild-Impressionen aus 1.001 Nacht, dann sieht man nicht nur Bauchtänzerinnen, sondern auch Sheherazade, die für ihre Kunst, täglich neue Märchen zu erzählen, vor zweitausend Jahren schließlich Ehefrau des König Schahryjahr wurde.

Letztlich ist Alles eine Sache der Phantasie. Der logische Verstand wäre auch in seinen klügsten Formen nur ein trockenes Fragment, wenn die Träume nicht den Horizont erweitern.

Als Jugendlicher wird man besonders stark beeinflusst. Wenn dicke weiße Sommerwolken am Himmel entlangziehen, dann möchte man auch gern auf einem Fliegenden Teppich über die Länder fliegen, Sindbads sieben Abenteuerreisen miterleben, in exotischen Gärten die seltenen Pflanzen bestaunen.

All das wird später verdrängt vom realen Umgang mit den persönlichen Schicksalen. In Jordanien habe ich im Oktober 1978 in einem beliebten Zentralcafé der Hauptstadt Amman zum ersten Mal eine Wasserpfeife geraucht. Vom Zuschauen begreift man da gar nichts. Denn die Wirkung entsteht nicht durch das heiße Wasser, sondern durch den Dampf, der durch eine Schale mit Kräutern in den Mundschlauch zieht. Die Kräuter entfalten eine berauschende Wirkung. Also sollte man vorher fragen, was drinnen ist.

Berühmt ist Arabien schon seit der Zeit der Kalifen durch Gerüche, Farben, Gewänder, Bauten und viele überlieferte Traditionen, die im Zug der weltweiten Modernisierung und Anpassung oft in den Hintergrund getreten sind.

Die aktuellen Schlagzeilen beherrschen Krisen und Kriege Marokko im Westen gilt als friedlich. Der Irak im Osten hat mit seinen ungelösten Problemen dazu geführt, dass man diese Menschen immer stärker in Deutschland findet. Oft als Friseure, Bäcker, Ladenbesitzer. Sie sind freundlich, wenn man sie im richtigen Tonfall anspricht, aber zur Zeit möchten die meisten nicht in ihre Heimat zurück. Warum eigentlich nicht? Man erfährt es, wenn man mit ihnen redet. Meistens sind es politische Missstände. Sie verbinden sich mit der Missachtung ökonomischer Gesetze.

Darüber aufzuklären, ist Sinn dieser Kommentare, die deshalb auch so geschrieben werden, dass der Gebrauch von Fremdwörtern möglichst gering ist und Jeder Lödungen finden kann, die zu seiner persönlichen Situation passen.

In den Ländern, die heute von Armut geprägt sind, ist das Innenleben der Menschen nicht viel anders als in den reichen Staaten. Wenn es eines Tages zu einem Aufschwung kommt, wird man sich auch erinnern und einen Teil der Zeit wieder beleben, als Sheherazades Märchen nicht nur ihren Herrn verzauberten, sondern danach auch die ganze Welt.

Dem Moskauer Komponisten Nikolai Rimsky-Korssakow gelang ein farbenprächtiges Klangbild zum Thema „Sheherazade“. Im Jahr 1969 dirigierte Jewgenij Swetlanow das Staatliche Sinfonieorchester der UdSSR:

https://www.youtube.com/watch?v=jR_Q7NbLzyU