Signale aus großen Entfernungen

16.5.2019. Signale empfängt Jeder. Wenn es sich dabei um Alltäglichkeiten handelt, braucht man hier nicht darüber zu reden.

Die Gesichtsmuskulatur ist wie ein Sender. Man versteht ihre Zeichen, wenn man sie lesen kann. Ein Stirnrunzeln, lächelnde Mundwinkel und aufgerissene Augen sind sofort verständlich. Schauspieler nutzen das für ihre Filmauftritte. Wer dabei übertreibt, wird schnell unglaubwürdig, weil die Zuschauer wissen, wie so etwas in ihrem täglichen Leben aussieht, vor allem, wenn dann noch Schreien und Brüllen die Wirkung verstärken sollen. Das ist langweilig und reizt zum sofortigen Umschalten des Programms. Allein im Gesicht gibt es so viele bewegliche Muskeln, dass sie feinste Veränderungen ausführen können, wenn die Emotionen, der Verstand sie auslösen und auch echt sind. Darüber lässt sich ein ganzes Handbuch erstellen, und Viele davon gibt es bereits. Vollständig ist Keines, denn sonst wäre es einem dicken Lexikon oder einer Weltkarte vergleichbar, die auch im realen Leben sehr nützlich sein können, um Falschbewertungen zu vermeiden. Eine Wissenschaft für sich.

Die Technik geht da noch weiter. Mit einem Elektronenmiskrop lassen sich kleinste biologische Phänomene erkennen, die für das menschliche Auge gar nicht mehr wahrnehmbar sind. Und Weltraumteleskope, jahrelang war das „Hubble“, können im Universum Sterne sogar fotografieren, auch wenn sie Millionen Lichtjahre entfernt sind.

Ganz allgemein: Signale und die richtigen Empfänger vermitteln Informationen und erzeugen gewaltige Datenmengen, die erst heute in umfassbaren Geschwindigkeiten analysiert und ausgewertet werden können.

19.5.19. Am heutigen Sonntag gehen Viele zur Kirche. Vor dreißig Jahren bin ich dort ausgetreten, denke aber, dass in den Weltreligionen aller Kontinene eine Energie vorhanden ist, die stärker wirkt als viele andere Kräfte. Ein Grundbedüfnis wie die Emotionen. Wenn man eine Antenne dafür hat.

Der Titel dieses Artikels weist auf dieses Thema hin. Wir können Signale aus großen Entfernungen empfangen, die im gesamten Universum aktiv sind, auch in uns selbst.

Die Sonne – Aton – wurde vom ägyptischen Pharao Echn-aton als einziger Gott anerkannt. Sie sorgte dafür, dass sein staubtrockenes Staatsgebiet während der Überschwemmungszeit des Nils sich in ein fruchtbares Ackerland verwandelte, das pflanzliche Nahrung für alle Bewohner erzeugte.

Wer ist der Verursacher all dieser Veränderungen? Dafür gibt es auf der ganzen Welt viele Namen. Gut gefällt mir das Wort „Allvater“, ähnlich dem Computerbegriff Avatar. Computer senden Informationen aus großen Entfernungen. Aber sie ersetzen nicht annähernd das, was man bei einer Sinfonie von Anton Bruckner empfinden kann. Sie strahlt eine körperlose Energie aus, die kein Algorhytmus, keine Rechenformel, wiedergeben kann. Das ist die Macht der Transzendenz, die alle nüchterne Realität überschreitet. Die Kraft der Meditation, bei der die Konzentration auf einen einzigen Punkt sogar in einer überfüllten U-Bahn möglich ist, weil sie alle Störelemente dämpft oder für die Wahrnehmung sogar abschaltet.

Man muss deshalb nicht unbedingt in eine Kirche gehen, um die Kraft der Unio Mystica zu erleben, der inneren Vereinigung mit Gott. Auch ich gehe heute nicht in eine große Kirche wie den Münchner Dom. Zum ersten Mal seit Jahren gilt es, einen Raum wieder zu erleben, dessen angemessene Gestaltung die Urkräfte verstärkt, durch Säulen, Kreuzbögen und farbige Glasenster. Die riesigen Kathedralen des Mittelalters hatten ihre Altäre übrigens immer im Osten, wo die Sonne aufgeht, die stärkste Energie unseres Planeten.

20.5.2019. Wie geplant, bin ich gestern nach dem Schreiben des letzten Absatzes in eine Kirche gegangen. Ohne konkreten Plan. Der Stadtbus hielt,und draußen war ein unauffälliger kleiner Bau. Die Gemeinde verließ gerade den Innenraum. Ich ging einfach hinein. Es war die Bogenhausener Kirche „Heilig Blut“. Ein junger Messdiener schloss hinter mir den Haupteingang ab, und sofort fiel mir ein Zitat von Franz Kafka ein: „Diese Tür war nur für dich bestimmt. Und jetzt wird sie geschlossen.“ (Kafka, Parabel „Vor dem Gesetz“).

Drinnen waren die Wände schlicht weiß. Die Symbole der Glasfenster hatten zurückhaltende Farben. In einem aufgeschlagenen Gebetbuch las man den Schluss der Apokalypse: Nach dem Jüngsten Gericht folgt die Gemeinschaft aller Seligen mit Gott, bis an das Ende aller Tage.

Diesen Auszug habe ich vor acht Jahren in einem anderen Blog bearbeitet. Hier kann man das lesen:

„Einen Saal sehe ich, heller als die Sonne“

https://btpersp.wordpress.com/?s=Saal+heller+Sonne

Die Wirkung dieser Kirche: Keine Überfülle an protzendem Gold und Schmuck wie zur Barockzeit. Die bescheidene, sparsame Ausstattung regte die Phantasie an.

Das Genie Sigmund Freud irrte völlig beim Thema Religion. Er schrieb einen klugen Aufsatz über „Die Zukunft einer Illusion“. Aber schon imTitelsteckte der Fehler. Von dieser Materie hatte er keine Ahnung. Kaum Interesse hatte er auch an der gewaltigen Bandbreite der Musik,obwohlsie ein Spiegel der Psyche ist. Der große Analytiker hatte dazu keinen Zugang. Das überschritt selbst den „Teller-Rand“ seines gewaltigen Horizonts. Er hatte dafürkeine Antennen.

Vom mächtigen „Allvater“ hört man auch in der Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss. Im Text heißt es:

„Es gibt ein Reich, wo alles rein ist… Du schöner, stiller Gott!
Du wirst mich befreien. Bei dir wird Ariadne sein.“

Am Besten hat das die unvergessene Lisa della Casa gesungen. Es gibt davon sogar eine Filmaufzeichnung. Hier ist der Crosslink:

https://www.youtube.com/watch?v=oxtuyQ13DuI