Signalfarben in der Dämmerung

7.1.2020. Die stärksten Signalfarben sind weiß und rot, je nach Umgebung. In der dunklen Jahreszeit sind möglichst helle Autoscheinwerfer wichtig. Gleichzeitig sieht man die Alarmfarbe rot noch deutlicher als sonst. Ist sie zu hell, wirkt es aufdringlich und verliert seine Wirkung. Die Blätter der Weihnachtsrosen sind gedämpft und gemütlich. Genauso der gleiche Farbton an den Wänden traditioneller Pausenräume in Theatern.

Die Wirkung von Farben registrieren auch Tiere. Es handelt sich also um einen sehr alten Reflex. Mischt man weiß und rot, sieht man das zur Zeit oft bei verschenkten Gücksschweinen, zum Jahreswechsel. Wenn ein solches Glückssymbol sehr klein ist, gehört es in die Geldbörse und sorgt für gute Laune. Steht es vierzig Zentimeter breit auf einer Theke, soll es die Gäste zum Geldausgeben bringen. Wenn daneben eine langstielige weiße Rose steht, bedeutet das Reinheit und Ehrlichkeit. So war es letzte Woche tatsächlich zu sehen, ist aber längst weggeräumt.

In der Erinnerung bleibt so etwas nur, wenn es als originell empfunden wird. Zu knallige und zu viele Farben in einem Raum vergisst man schnell, vor allem, wenn der Rest des Ladens, das Angebot und die Freundlichkeit, vor einem zweiten Besuch abschreckt.

Ein sehr altes Farbsign ist auch der rote Chinalack. Wenn man ihn erhitzt, kann man damit Briefumschläge verschließen und mit einem persönlichen Metallsiegel aufbruchsicher gegen Neugierige machen, außerdem garantieren, dass drinnen ein Original und keine Fälschung ist. China hat auch seit seiner Neugründung als Volksrepublik im Jahr 1949 das flammende Rot in seiner Staatsflagge.

Dabei ist es fazinierend, die aktuellen Verönderungen dort zu verfolgen. Lange hat das Riesenreich sich gegen viele andere Staaten abgeschottet. Mit strenger Lenkung des Staates ergaben sich später große Fortschritte. Mittlerweile ist das Land führend auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet, wo es auf der ganzen Welt diskret Auslandskontakte nutzt, um über Lizenzen oder Käufe seine Stärke zu vergößern.

Letzte Woche sah man eine TV-Dokumentation, wie China die Armut im eigenen Land bekämpft. Immer wieder wurde dabei der Ministerpräsdent bei seinem persönlichen Engagment gezeigt. Die Regeln für Verbesserungen sind allseits bekannt, werden aber in vielen Staaten nicht angewendet, weil dabei vererbte Besitzstände in Frage gestellt werden. Die wichtigsten Prinzipien sind die Belohnung, das Recht auf Gewinn für Fleiß und ordentliche Arbeit. Die Ausgabe der dafür fälligen Steuern für Gemeinschaftsprojekte, auch Freizeiteinrichtungen, Schulen. Dann die Verbesserung strukturschwacher Agrar-Regionen durch Ansiedlung neuer Produktionsmöglichkeiten, die vom geographischen Standort unabhängig sind, zum Beispiel die gesamte Elektronikbranche. Und nicht zuletzt die soziale Unterstützung der Regionen, die aus eigener Kraft noch zu arm zur Selbsthilfe sind. Nicht indem man riesige Finanzmittel mit der Gießkanne verteilt, sondern durch geprüfte Projekte, deren Erledigung von Experten überwacht und im Internet von Jedem auf neue Chancen und Verbesserungen überprüft werden kann. Möglichkeiten dafür gibt es genug.

Eine der intensivsten natürlichen Farben ist das Abendrot. So heisst auch der Schluss der „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss. Der Text handelt vom Ende des Tages, aber auch vom Abschied, der nicht mehr sein muss als der Beginn eines neuen Zeitabschnitts.

https://www.youtube.com/watch?v=vXOnr46obh4