Sindbads siebte Reise

24.10.2019. „Sindbads siebte Reise“ ist ein altes orientalisches Märchen aus 1001 Nacht und der Titel einer amerikanischen Verflmung des Stoffs vor siebzig Jahren. Damals gab es noch keine Computertricks. Die lebensechten Ungeheuer wurden von Hand gebastelt und bewegt, danach Bild für Bild einzeln aufgenommen, sehr zeitaufwändig. Das Ergebnis ist heute noch sehenswert, weil die tanzende Skelette, der böse Zauberer und die anderen Wunderfiguren mit viel Phantasie und Einfühlungsvermögen gestaltet wurden.

Im wirklichen Leben sind Märchen nur dann erwünscht, wenn sie vorher als Spass angeküdigt werden. Der vor zweitausend Jahren hoch angesehene Begriff des Märchenerzählers gilt heute eher als Beleidgung, gegen die aber Niemand klagt, wenn es gute Gründe für den frechen Lügner gibt, nicht noch weiter in seinem ganzen Bekanntenkreis aufzufallen, und weil die Gerichte für solche Nebensachen überhaupt keine Zeit haben, wenn sie sich monatelang mit dem Fall Kachelmann beschäftigen, der trotz aller publizistischen Donnerschläge am Ende nur eines war: Eine luftgefüllte Seifenblase, die aber viel Schaden anrichtete. Hier hätte die Staatsanwaltschaft das Verfahren sehr früh einstellen müssen und die Gerichte eine Prozesseröffnung sofort ablehnen können. Stattdessen bekam die zeitunglesende Öffentlichkeit ein ausdauerndes Schmierentheater mit vielen Mitwirkenden zu sehen. Immerhin hat das Nachrichtenmagazin „Spiegel“, das für knallharte politische Reportagen bekannt ist und nie eine Wettervorhersage abdruckte, für den Wettermoderator Kachelmann zwei Seiten spendiert, auf dener er laufend und unzensiert seine Wetterkommentare abgeben kann. Ein bekannter Münchner Gastwirt sagte mir kürzlich: „An der Sache war nichts dran, aber sie hat ihn ruiniert.“ Die Details kann Jeder im Internet nachlesen.

Derartige Katastrophen sind keine Ausnahme, sondern passieren viel zu häufig, weil das Fachwissen oder die Intelligenz der wirklich Schuldigen unentschuldbare Lücken hat.

In Gelächter aufgelöst hat sich allerdins eine aktuelle Märchenerzählung, die ganz anders hätte enden können. Das Wort „Zottelbär“ ist eigentlich so harmlos wie das Wort „Teddybar“. Ich hatte diesen Witzbegriff gegenüber einem flüchtigen Bekannten gebraucht und damit den markanten Gesichtsschmuck seines Begleiters gemeint, dem übrigens eine ganz andere originelle Lösung dafür eingefallen war, sein Gesicht unvergesslich zu gestalten. Leider wurde das weitergequatscht , und die Einmischung von außen bewirkte, dass statt früherer Gespräche über die Vielfalt der Musik nur noch finstere Blicke geschleudert wurden. Dagegen kann man eigentlich nichts machen. Aber es gibt das alte Lied, „Sag beim Abschied leise Servus.“ Diese eine Wort habe ich ausprobiert, zunächst aber nur finsteres Schweigen geerntet. Die Wiederholung bracht immerhin ein mürrisches „Habe die Ehre“ als Echo. Das bedeutet auf Hochdeutsch, „Schön, wenn du gehst.“ Aber es hat wohl auch Nachdenken ausgelöst und die Erinnerung daran, dass man sich vor der Einmischung durch Dritte eigentlich gut verstanden hat. Und schon am nächsten Tag hat man sich wieder angeschaut, zwar noch nicht miteinander geredet, aber diesmal wirkte das Zauberwort „Servus“ doch. Ein freundlicher Blick folgte und auf bayrisch „Pfüat di.“ Das heißt auf hochdeutsch, „Behüt dich Gott.“ Im Dialekt klingt das normaler und wird sehr häufig gebraucht, aber eben nicht für Jeden.

Hier singt das alte Lied der unvergessene Wilhelm Strienz. Im Text heißt es auch: „Es gibt jahraus, jahrein einen neuen Wein – und neue Liebeleien.“ :

https://www.youtube.com/watch?v=lVQo3AfIAHQ