Spuren im Sand

28.10.2019. An Wunder glaube ich nicht. Aber es passieren manchmal Dinge, die eine ähnliche Wirkung haben.

Spuren im Sand werden vom Wind ganz schnell verweht und hinterlassen keine Spuren. Fast alle anderen Bewegungen jedoch sind rekonstruierbar. Vor Millionen Jahren verschwanden durch eine Naturkatastrophe mit einem Schlag die mächtigen Dinosaurier. Doch man weiß heute genau, wie sie aussahen, weil Knochenskelette vorhanden sind.

Durch biologische und physikalische Methoden lassen sich heute auch Spuren bei Verbrechen noch jahrelang später wieder sichtbar machen. Das Alles im Detail zu beschreiben, ist hier gar nicht möglich. Aber hinweisen kann man auf unerledigte Mängel, die erstaunlicherweise immer noch aktuell sind, obwohl auch die Genauigkeiten der Technik immer rascher zuverlässige Ergebnisse bringen kann. Wenn das richtig angewandt wird. Die Zeitungen sind aber voll mit Meldungen über Fehlurteile, schlecht geführte Gerichtsprozesse, den unglaublichen Erfolg von compßutergesteuerten Fälschungen und Rufmordkampagnen, die erst nach Jahren oder überhaupt nicht aufgeklärt worden sind.

Zu Beginn jetzt nur der allgemein bekannte Satz, dass Täter vor Allem ihre Spuren verwischen wollen. Das muss nicht erst nach der Katastrophe passieren, sondern kann schon Teil einer raffinierten Planung sein, die jedes Risiko vermeiden will.

Außer den bereits genannten Methoden der wissenschaftlichen Spurenauswertung (Forensik) gibt es da noch viele Erkenntnis-Möglichkeiten, deren Wichtigkeit noch gar nicht oder viel zu wenig erkannt worden ist. Im psychologisch / psychiatrischen Bereich sind viel zu viele unfähige Scharlatane und Schwätzer mit absichtlich schwer verständlichem Wortschatz erfolgreich unterwegs, die aber als Gutachter ganze Existenzen ruinieren können. Oder im Vorfeld von Ermittlungen wird nur einseitig gearbeitet und bewertet, nämlich negativ. Der bekannte Fall Kachelmann ist dafür ein drastisches Beispiel, das ausführlich im Internet nachgelesen werden kann.

Zwar bekannt ist die Möglichkeit, auch kurze Texte auszuwerten, aber das geschieht oft nur oberflächlich. Allein Logik- und Sprachfehler bei einem wortgewandten Zeitgenossen sind Signale dafür, dass in den Auffälligkeiten auch Hinweise auf eine seltsame Wahrnehmung enthalten sein können, die man aber nur nebelhaft versteht, obwohl sie bei genauerem Zuhören leicht entschlüsselt werden können.

Mit entsprechender Erfahrung ist es möglich, in einem unbeschwerten Alltagsgespräch aus der Wortwahl und der Körpersprache der Teilnehmer gar nicht vorher geplante Rückschlüsse zu ziehen, die entweder ein überraschtes Staunen auslösen oder oder sogar Angst, weil man – ganz ungewollt – an Dinge gerührt hat, die eigentlich gar nicht bekannt werden sollten. Ich habe das immer als einen Vertrauensbeweis angesehen und damit auch Freunde gewonnen, die eigentlich im Prinzip sehr misstrauisch sind.

Genau deshalb stimmt die folgende Episode Satz für Satz, wird aber sicherlich Niemanden verärgern, weil sie notwendigerweise verschlüsselt ist.

Kürzlich verspeiste ich in einem bayrischen Wirtshaus eine bescheidene Mahlzeit. Der Gastraum war völlig leer. Die anderen Leute saßen draußen in der Sonne. Plötzlich kam eine Gruppe junger Leute herum und setzte sich neben die Eingangstür, in lockerer Freizeitkleidung. Aus der Situation ergab sich schnell, dass sie noch ein paar Handys in den Jackentaschen hatten, sie aber nicht herausnahmen. Mittendrin saß ein stämmiger Kopf mit pechschwarzen Locken. Die Haarpracht war so überdimensional, dass man sie als Perücke erkannte. Außerdem war seine Augenmuskulatur so dezent gefärbt, dass er auch noch sehr eindringlich blickte. Auffällig war natürlich, dass der Unbekannte als Einziger aus der Gruppe mich mehrmals freundlich angrinste, obwohl wir uns niemals vorher gesehen hatten. Ich kannte ihn nur von italienischen Zeitungsphotos. Das Original hat eine markante Glatze, und die Augen brauchen keine Schminke, weil sie wirklich auch sonst sehr genau hinschauen. Es war auch nicht der überall bekannte Günter Wallraff, weil man ihn auch verkleidet sofort erkennt. Aber diese fünfköpfige Gruppe aus jungen Damen und Herren waren vermutlich auch keine Freizeitbekannten, sondern sie passten einfach auf, dass er nicht belästigt wurde. So etwas mach ich sowieso nicht und bin dann gegangen. Beim letzten Blick zurück schaute er mir wieder freundlich hinterher, hat aber kein Wort gesagt.

Es gabt zwar auch böse Italiener, aber sie gehörten nicht dazu. Nach dieser wirklich geschmackvoll inszenierten Überraschung habe ich dann zum Nachdenken in einer nahen Pizeria ein Glas Rotwein getrunken. Plötzlich klang aus den Lautsprechern des Lokals ein alter Schlager mit einer starken Melodie, dessen Text man – als Ausklang des vorherigen Zufallstreffens – nur ein wenig frei übersetzen muss, um den Zusammenhang zu verstehen. Die erste Textzeile lautet: „No, non sera un avventura.“ Hier bedeutete das: Nein, das ist kein Spiel, kein Märchen, kein Zufall. Eine andere Zeile lautet: „Io son innnamorato sempre in te.“ Gemeint war aber keine romantische Liebe, denn sonst hätte das überhaupt nicht zu diesem Artikel gepasst. Denn die „Ewige Liebe“ kann man auch für ein schönes Land empfinden. Vor Allem, wenn diese Liebe von Wahrheit und Ehrlichkeit handelt und deshalb auch für die Gesetze kämpft.

Diese Art von Liebe hat sogar noch eine Steigerungsform: Die Erleuchtung. Das ist ist die höchste Stufe der Erkenntnis. Es ist auch die mystische Vereinigung mit den Zeichen Gottes, die der Mensch erkennen kann. Die „Unio Mystica“. Der höchste Stellvertreter Gottes lebt im Vatikan. Er hat gar keine Zeit, das hier zu lesen, weil er zur Zeit viel wichtigere Sorgen hat, die er selbst gar nicht mehr allein lösen konnte. Aber dann ist tatsächlich ein Wunder geschehen. Ein Mensch, der privat vielleicht nicht sehr reich ist, aber mit der Energie eines überragenden Verstandes hat es sogar geschafft, hinter die verschlossenen Türen des Vatikans zu schauen. Ich bewundere ihn genauso wie die Charakterstärke des Papstes. Mit ihm persönlich zu sprechen, ist aus geographischen und zeitlichen Gründen gar nicht möglich. Es sei denn, dass ein Wunder geschieht. Und die gibt es in der Realität eigentlich nicht.

Enigma bedeutet „Rätsel“, und so hieß auch eine deutsche Chiffiriermaschine im Zweiten Weltkrieg, mit der man geheime militärische Informationen per Funk versenden konnte. Die damaligen britischen Feinde haben den Schlüssel trotzdem geknackt. Der Engländer Edward Elgar komponierte die „Enigma-Variationen“, in denen eine schwer erkennbare Melodie versteckt ist. Emotional erreifend ist trotzdem der langsame Satz mit dem Titel „Nimrod“. Daniel Barenboim dirigierte das mit seinem West-Eastern Divan Orchester, das aus jungen Palsästinensern und Israelis besteht, am 21.5.2005. Hier kann man das erleben:

https://www.youtube.com/watch?v=6aWJ8IDwo0Y