Sta‘ senza pensier‘

17.5.2017. .Sta‘ senza pensier‘. Frei übersetzt: „Hör auf, nachzudenken.“ Schade. Denn ohne nachzudenken, bewegt sich gar nichts mehr. Resignation. Stillstand. Das Gegenteil des Fortschritts

Der seltsame Satz stand in großen Buchstaben auf dem T-Shirt des temperamentvollen Besitzers einer beliebten Pizzeria. Vor was hatte er resigniert?  Vermutlich vor der Situation, in der er lebte. Auf meine Frage antwortete er sogar, „Wenn du nachdenkst, bekommst du Probleme.“

Das kann schon sein, gilt aber nicht allgemein. Heute blühte die Natur in voller Farbenprcht, unter einem wolkenlosen, tiefblauen Himmel. Und jemand, den ich gar nicht näher kenne, sagte zu mir, „Ti amo“ (Ich liebe dich). Das ist das Gegenteil des Unbeweglichen. Denn so etwas entwickelt sich nur langsam. Oder gar nicht. Und mehr war auch nicht, außer einem flüchtigen Wiedersehen, nach Monaten. Und doch. Da war noch etwas Anderes, Stärkeres.

Zufälle – gibt es nicht. Gestern Mittag stieg gleichzeitig aus der Straßenbahn eine Person, ein Opernspezialist, mit dem es in den letzten Monaten schon lange Gespräche gab, in einem einfachen Arbeiterlokal, bis wir uns dann aus den Augen verloren. Dieses Mal landeten wir an den nahen Außentischen einer Bäckerei-Filiale, haben uns fast zwei Stunden konzentriert unterhalten und Telefonnummern ausgetauscht.

Auch das ist zunächst eine unwichtige Banalität, bis der Inhalt eines Zufallstreffens sich immer mehr auflädt, wie eine Batterie. So wie kurz danach, am Harlachinger Authariplatz, im Café Hölzl, wo ein anderer Gedankenaustausch sich steigerte, was auch nicht jeden Tag gelingt.

Dann, heute Mittag, ein alter Mann, früher Besitzer eines sehr bekannten Kontaktlokals, der gern aus seinen Einnerungen erzählt. Später ein Freund, seit fast dreißig Jahren. Und dann die am Anfang dieses Artikels beschriebene Szene. Insgesamt eine Überfülle von Details, die geordnet und analysiert werden können. Und dann bewegt sich etwas. Nicht immer, aber Alles hinterlässt digitale Spuren.

Sogar die alten Musik-Partituren sind voll davon. Die Noten lassen viele Möglichkeiten der Gestaltung zu.

In Puccinis Spätwerk „Il Tabarro“ (Der Mantel), das die Hoffnungslosigkeit eines Pariser Arbeitviertels ausmalt, gibt es einen musikalischen Höhepunkt, der die Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens beschreibt. Die grandiose Musik ist allerdings dramatisch, voll emotionaler Kraft, also der Energie, die das Leben antreibt und den kosmischen Signalen aus dem Universum.

Mario del Monaco singt „Hai ben ragione“

Hai ben ragione. M meglio non pensare,
piegare il capo ed incurvar la schiena.
Per noi la vita non ha più valore, ed ogni
gioia si converte in pena.
I sacchi in groppa e giù la testa a terra!

https://www.youtube.com/watch?v=IOal9PGIzVw

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