Tabula Smaragdina

8.6.2016. Weit fern von hier sind lang vertraute Menschen. Und doch ganz nah. Durch den Gedankenaustausch vieler Jahre. Kürzlich saßen wir entspannt auf weißen Seeterrassen, neben hohen, grün umrankten Säulen. Schiffe legten an und zogen weiter dorthin, wo wir früher oft verweilten In der Ferne findet man Vertrautes, nur das Äußere verändert sich. Ob in Londons großen Parks, in den Alleen am Wiener Prater oder in Arabiens Wüsten.  Nichts ist völlig unbekannt. Der Lebenskreis gleicht einem Rad, einem Ziffernblatt, das immer wieder seinen Anfang trifft und neu beginnt.

Das wolkenlose Sonnenlicht heute Mittag dämpft nicht nur die Schatten, sondern leuchtet auch Halbdunkel aus, vertieft die Perspektive, öffnet den Horizont auf ein weites Panorama. Bleibt man selbst unbeweglich, erkennt man immerhin den Wandel der Umgebung immer schärfer. Was der Verstand nicht sofort nachvollzieht, wird aufbewahrt in der Erinnerung und kehrt zurück mit anderen Erfahrungen. Manchmal so scharf und klar wie Fotobilder, die viel später neu bewertet werden. Alles wird übersichtlicher aus der Distanz. Die Nebensachen fallen weg wie Herbstlaub.

Vor viertausend Jahren tauchte die Tabula Smaragdina auf, die Tafel aus Smaragd. Dort heißt es: „Was klein ist, entspricht dem Großen. Was unten ist, findet man auch oben. Und umgekehrt. Das ist ein ewiges Wunder des Einen.“ Mit dem Einen war Gott gemeint. Die inhaltlichen Vergleiche entsprechen der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass im Makrokosmos und im Mikrokosmos, wo sich die ganz großen und die ganz kleinen Dinge abspielen, viele Abläufe gleich sind. Der organische Aufbau der Elefanten ist den biologischen Regeln der kleinen Säugetiere in vielen Details verwandt.

Das heißt: Alle Phänomene lassen sich Systemen zuordnen. Findet man Auffälligkeiten, Regelabweichungen, ist man auch schon den Ursachen auf der Spur. Entweder sind das natürliche Varianten in der Entwicklung. Oder hinter den vermeintlichen Zufällen stecken Absichten. Wem nützt das? Mit der Frage kommt man meistens weiter. Alles Dunkle sammelt sich in Schalen voller Gift, erkennbar an den Wirkungen.  Manchmal nur für  Wenige, öfter noch für ganze Länder, wenn Regierungen Schaden stiften. Gekaufte oder auch missbrauchte Macht, unbewegliche  Unfähigkeit und Dreistigkeit verdunkeln Alles, was die Welt belebt. Die Organisation Greenpeace enthüllte vor ein paar Tagen die Dokumente eines streng geheimen Handelsabkommens. So werden Rätsel sichtbar, durchschaubar, lassen sich einordnen  und bewerten. Verschlossene Türen öffnen sich.

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900):.“Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden muss.“ Damit ist gemeint, dass der Mensch nicht bequem auf seinen bisherigen Erfahrungen ausruhen soll. sondern Veränderung und Weiterentwicklung braucht. Oder wie es der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow vor 26 Jahren formulierte, angesichts des unausweichlichen, kurz bevorstehenden Untergangs der ostdeutschen DDR. Deren uneinsichtigen Vorsitzenden Erich Honecker mahnte er: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Das gilt nicht nur für die Politik, sondern für alle Bereiche.

Gedanken durch starke Gefühle zu verstärken, war das Hauptthema der Romantiker. Der bedeutendste war Joseph von Eichendorff ( 1788 – 1857). Zu einem seiner Gedichte hat Richard Strauss eine ausdrucksvolle  Musik komponiert. Der Text ist eine Rückschau auf das Leben: „Im Abendrot“.

„Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand:
Vom Wandern ruhen wir beide
Nun überm stillen Land.“

Anneliese Rotheberger singt „Im Abendrot“ :

https://www.youtube.com/watch?v=b7LHGtSzQeA

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