Im Schatten der Flüchtlingskrise

25.10.2015. Valery Gergiev ist einer der bedeutendsten russischen Dirigenten unserer  Zeit und seit kurzem Chef der Münchner Philharmoniker. Vor seinem Amtsantritt sagte er in einem Interview zur aktuellen westeuropäischen Flüchtlingskrise: Es komme ihm so vor, als ob ein großer Plan dahinter stecke. Ein Plan?

Gergiev ist zwar mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin befreundet, hat aber keinerlei politische Ambitionen. Tatsache ist, dass seit ein paar Tagen russische Militärflugzeuge in Syrien eingreifen, um die dortige Assad-Regierung zu unterstützen. Aus diesem Syrien kommen sechzig Prozent der jetzigen Flüchtlinge nach Deutschland oder versuchen, über Italien, Griechenland und die Türkei, hier aufgenommen zu werden. Die deutschen Behörden sind mit einer menschenwürdigen Lösung der jetzigen Flüchtlingskrise völlig überfordert. In den überbelegten Unterkünften steigen die Aggressionen und auch bei der besorgten einheimischen Bevölkerung ringsum. Ergebnis ist eine riskante Destabilierung der politischen Situation und eine Schwächung der Staatsfinanzen.

Cui bono? Wem nützt es? Jedem, der in dem Durcheinander für Ordnung sorgen will. Ist das der Plan?

Bisher waren die Vereinigten Staaten die Weltmacht Nr. 1, führend auch bei dem Sieg über Hitler-Deutschland im Jahr 1945.  Auf jeder Banknote mit dem Wert von einem US-Dollar liest man, „Novo Ordo Seclorum.“  Das heißt: Neue Jahrhundert-Ordnung. Oder: Eine große Welt-Regierung für den Rest der Welt. Das Ziel der Weltherrschaft gab es schon in allen Epochen der vergangenen Jahrtausende, auch schon  im Römischen Weltreich, das bis nach Nordeuropa reichte. Nach dem verlorenen Vietnamkrieg vor fünfzig Jahren hat der amerikanische Einfluss in einigen Staaten nachgelassen, auch in Westeuropa.  Dramatische Krisen wie die jetzt immer noch über Ungarn und Österreich heranströmenden Flüchtlingsmassen könnten das wieder ändern. Aber auch der russische Präsident Putin träumt von vergangener Größe. China, Indien, Pakistan entwickeln sich mittlerweile zu eigenen, selbstbewusten Großmächten, die sich nicht mehr von anderen Staaten bevormunden lassen wollen.

Doch Macht und viel Geld sind nur zwei vergängliche  materielle Triebkräfte des Menschen. Und – wie alles auf der Welt – an  die Verfassungen und Strafgesetze gebunden. Nicht nur auf dem Territorium der einzelnen Länder, sondern für sämtliche Aktivitäten der Staatsbürgern im Ausland.

Musik spiegelt das Innere, die Emotionen, die körperlose Psyche. Wenn Valery Gergiev  russische Musik zum Klingen bringt, ist er ganz davon erfüllt. Vor allem die Meisterwerke seines Landsmanns Mussorgsky bringt er zum Glühen und weckt Assoziationen an verschneite Landschaften, melancholische Winter, orthodoxe Kathedralen mit bunten Zwiebeltürmen und rührt an die Fähigkeit des Menschen, in der Dunkelheit zu träumen und Hoffnung zu finden.

Auch bei Anton Bruckners 7. Sinfonie gelingen Gergiev ähnliche Wirkungen. Er leitet hier das Marinsky Orchestra St. Petersburg:

https://www.youtube.com/watch?v=F6B0x1TNOJs