Versalzene Suppen – Das Derblecken

22.2.2016. Übermorgen überträgt das Regionalfernsehen wieder den jährlichen Starkbieranstich am Nockberg. Im Publikum sitzen kostenlos eingeladene Spitzenpolitiker, was ja ganz normal ist und andere, die sich für prominent halten. Der Biss an der Sache ist, dass auf der Bühne erfahrene Kabarettisten diese Gäste derblecken, das heißt verlachen und verspotten. Selbst bayerische Schwergewichte wie Horst Seehofer und Markus Söder müssen dazu mindestens süß-sauer lachen, auch wenn es ihnen schwerfällt. Wer gar nicht erwähnt wird, ärgert sich besonders.

Das Derblecken ist aber auch noch etwas Stärkeres: Die Hassmaschine Internet mit ihrer vermeintlichen Anonymität ist oft Tummelplatz von Cliquen mit hoher krimineller Energie, die in sozialen Netzwerken ihre Opfer verleumden, beleidigen oder sogar bedrohen. Der ganze Spuk ließe sich leicht  bekämpfen, aber angesichts der Überfülle der Beteiligten erklären sich die Ermittlungsbehörden oft für überfordert. Dabei reichen ein paar exemplarische Musterprozesse in Einzelfällen, die konsequent aufgeklärt und in öffentlichen Gerichtsverhandlungen bestraft werden. Die abschreckende Wirkung wäre enorm. Denn die vorhandenen Strafgesetze enthalten die gesetzlichen Konsequenzen vom Schadenserstz bis zu Geld- oder Haftstrafen.

Die Rückvefolgung elektronischer Spuren wird immer leichter und schneller. Wenn sie außerdem mit anderen Erkenntnismethoden verbunden wird, geht es noch besser, zum Beispiel bei der Erstellung von  Täterprofilen mit sprachlichen Auffälligkeiten, die sich wiederholen. Oder bei Rückschlüssen auf den geographischen und kulturellen Hintergrund der Täter. Die wissenschaftliche Spurenauswertung (Forensik) hat eine noch viel breitere Palette an Möglichkeiten, die aber selbstverständlich Fehleinschätzungen nicht ausschließt, vor allem, wenn üppig honorierte Gutachter  mit kryptischem, absichtlich verrätselten Fachchinesisch zu genau den falschen Erkenntnissen kommen, die ihre Auftraggeber erwarten. Vor allem, wenn Fachärzte und Psychologen dabei beteiligt sind.

Das Derblecken spielt sich in allen Bereichen ab. Wenn Konzerne von Führungskräften geleitet werden, die schwere Fehler machen, dann gerät die ganze Firma mit ihren Mitarbeitern in Gefahr. Bekannte Beispiele der letzten Zeit sind der Weltfußballverband FIFA und die manipulierten Abgasmessungen bei Volkswagen.

Viele Elemente der sichtbaren Realität sind umgeben von anderen Dimensionen, unter denen weitere Ebenen, Tiefenschichten aktiv sind. Mit technischen Instrumenten kann man sie nicht messen, aber ihre Wirkung erkennen. Dazu gehört die magische Wand, die Angriffe direkt auf den Verursacher zurückprallen lässt. Unterschätzen sollte man auch nicht die Macht der Verwünschung, deren Energie gestärkt wird durch die ewigen Gesetze des Universums.

Manchmal sind es auch ganz einfache Sätze. Immanuel Kant (1724 – 1804) nannte es den Kategorischen Imperativ: „Handle stets so, daß dein Willen jederzeit die Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung werden könnte.“

Friedrich Ludwig von Sckell (1750 – 1823) war der leitende Planer des Englischen Gartens in München. Dort erinnert an ihn eine Statue mit der Inschrift „Der Staub verweht. Der Geist besteht.“

Rousseau, Montesqieu und andere haben mit ihrer Gedankenraft im Jahr 1789 die mächtige französische Monarchie hinweggefegt, Der Einfluss guter Ideen ist zeitlos, unsterblich und befördert den Fortschritt der Menschheit.

Mozart (1756 – 1791) ist schon über zweihundert Jahre tot. Aber seine außerordentliche Musik lebt, wie alle große Kunst. Selten gespielt wird seine „Waisenhaus-Messe“. Bei den Salzburger Festspielen 2012 entstand eine Filmaufzeichnung. Das italienische „Orchestra Mozart di Bologna“ spielte temperamentvoll auf, die vier Solisten aus südlichen Ländern verstärkten den guten Eindruck, zusammen mit dem hoch renommierten Arnold-Schönberg-Chor aus Wien. Dirigent Claudio Abbado(1933 – 2014) war ein Spezialist für die musikalischen Meisterwerke von Rossini bis Verdi. Aber hier versenkt er sich in die Gefühlstiefe von Mozarts Frühwerk, das vermutlich 1768 entstand, als der Komponist zwölf Jahre alt war. Hier kann man das miterleben:

https://www.youtube.com/watch?v=fXyUMx5IWKE

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