Weiße Nächte in Petersburg

20.8.2020. Die Weißen Nächte im russischen Sankt Petersburg haben diesen Namen bekommen, weil tagsüber die Sonne nur kurz untergeht, bis auf einen Silberstreif am nördlichen Horizont. Eine Gelegenheit zum Feiern, für Besuche von Museen, Kirchen und Freunden. Der Dichter Fjodor M. Dostojewki hat darüber geschrieben. Zeitpunkt sind die längsten Tage um die Sommersonnenwende Mitte Juni, wenn anschließend das Tageslicht monatelang immer schneller verschwindetn. Heute begann in Südbayern der Tag schon zwei Stunden später. Mitte Dezember werden es vier Stunden kürzer sein. Kurz vor Weihnachten ist dann die Wintersonnenwende, in Nordeuropa ein Festtag schon zur Germanenzeit, und danach beginnnen die helleren Tage. So wie der lückenlose Kreis der Jahreszeiten sich immer wieder erneuert, nicht nur in der weißen Blütenpracht des Frühlings.

Petersburg wurde auf Befehl von Zar Peter dem Großen (1672 – 1725) in ein schwer zugängliches, schlammiges Sumpfgebiet gebaut, um für Russland den bisher einzigen, strategisch wichtigen Meereshafen an der Ostsee zu schaffen. Für große Strecken waren Schiffe das wichtigste Transportmittel, und auch Weltkriege wären möglich gesen, wenn der Zar es nur gewollt hätte. Er hat seine Zeit aber lieber für das eigene Land und dessen dringende Reformen verwendet. Italienische Baumeister der Barockzeit hat er ins Land gerufen, und sie schufen in der neuen Hauptstadt Petersburg 2.300 glanzvolle Stadtpaläste, die glücklicherweise auch vor achtzig Jahren, im Zweiten Weltkrieg, niemals bombardiert wurden und offen sind für Besucher.

Peters Nachfolgerin Katharina die Große (1729 1796) prägte die Stadt selbst mit eigener Kraft.

Ihr Name spielte eine ganz andere Rolle, als ich vor einem Jahrzehnt die Sängerin und Ballettänzerin Margot Werner kennenlernte, die 2012 verstarb. Sie saß mit ihrem Ehemann an der Theke eines beliebten Münchner Fischlokals, trug eine teure braune Pelzjacke und eine dazu passende Pelzmütze. Weil zufällig ein Platz neben ihr frei war, begrüßte ich sie unbekannterweise mit den Worten, „Sie sehen aus wie Katharina die Große.“ Lachend meinte sie, „Wenn ich doch nur so viel Geld hätte!“ Aus dieser Nebensache haben sich viele Gespräche mit ihr ergeben. Aus ähnlichen Harmlosigkeiten entstanden jahrzehntelang ganz andere Begegnungen, die kluge Köpfe unauslöschlich im Gedächtnis hinterlassen haben.

Auf eine Autogrammkarte schrieb Marot Werner damals: „Die ich liebe, lasse ich für sich gewähren.“ Ein wichtger Gedanken, aber es ist auch ein Zitat aus Richard Wagners „Walküre“. Zu ihrem Gedenken entstand der Bericht auf einer anderen Internet-Seite, den ich anlässlich ihres Todes schrieb. Hier kann man das lesen:

http://mind-panorama.de/website-tiefer-klang/margot-werner.html

Nach der von Lenin angeführten Oktoberrevolution, der Absetzung und Hinrichtung des letzten Zaren Nikolaus, hieß die Stadt Petersburg von 1924 bis 1991 Leningrad und bekam dann ihren alten Namen zurück. Das Marinski-Theater ist das örtliche Opernhaus. Sein Chef, Valery Gergiev, ist mit Präsident Wladimir Putin befreundet und seit fünf Jahren auch Leiter der stadteigenen Münchner Philharmoniker.

Petersburg wurde vom 8.9.41 bis zum 27.1.44 vom deutschen Militär pausenlos belagert und blockiert. Dabei verhungerten etwa 1,1 Millionen Stadtbewohner. Die Petersburger gaben nicht nach. Der leitende Armeegeneral Georgi Schukow war 1943 auch Sieger der Schlacht von Stalingrad und beendete 1945 in Berlin das Dritte Reich. Hitler beging am 30. April in seiner unterirdischen Reichskanzlei Selbstmord, weil er befürchtete, dass er als Kriegsverlierer und Gefangener in Moskau in einen Stahlkäfig gesperrt und der Bevölkerung überlassen würde, nachdem einen Tag vorher sein italienischer Verbündeter Mussolini in Mailand gelyncht und aufgehängt woren war.

Peter Tschaikowsky komponierte die „Ouvertür 1812“. Sie feiert den damaligen militärischen Sieg Russlands gegen den Eroberer Napoleon. Tiefe russische Melancholie in großer Besetzung. Dazu französische Nationalhymne (Marsellaise) und die triumphale Zarenhymne, die oft von einem Kosakenchor gesungen wird, gleich aber vom ganzen Orchester mit voller Kraft zu hören ist. Das Werk dirigiert Valery Gergiev mit dem Londoner Sinfonieorchester, aufgezeichnet vor vier Jahren auf dem Londoner Trafalgar Square:

https://www.youtube.com/watch?v=bWWFeaBXX,bI

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