Wer hat die Kokosnuss geklaut?

12.9.2020. „Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ Das ist ein Lied aus Walt Disneys Verflmung des „Dschungelbuchs“ von 1967. Damals sangen die Klassenkameraden das immer wieder, wie ein Schulchor. Die Rätselfrage hört man, wenn die Menschenaffen (Orang Utans) im Film bemerken, dass ein unbekannter Dieb ihr tägliches Lieblingsgericht geklaut hat.

Hier kann man über den Diebstahl lachen. Aber sonst ist damit der Spass vorbei. Wer im Kaufhaus einen Kugelschreiber klaut, wird behandelt wie jeder andere Ladendieb. Zur Weihnachtszeit sah ich vor vielen Jahren, wie ein gut gekleidetes Ehepaar das Büro des Hausdetektivs verließ. Ihre nicht bezahlten Einkäufe hatten bereits zwei uniformierte Polizisten in der Hand, mit Weihnachtstüten zum Transport der Festgemeinde.

Materielle Dinge kann man ersetzen. Aber in der Musikbranche wurden früher auch Schlagermelodien geklaut. Ein Komponist schmähte seinen Kollegen Johannes Brahms verächtlich, „Das ist Beethovens Erbe.“ Gemeint war zum Beispiel eine Melodie aus der Ersten Sinfonie, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Beethovens „Freudefunken“ hat, dem brüderlichen Chor aus dessen letzter Sinfonie.

Nachweisbar ist das schwer. In anderen, schlimmeren Fällen gelingt es gar nicht. Die Gesetzesbücher werden immer dicker und unverständlicher. Daran verdienen Gutachter und Anwälte, aber die Urteile bleiben fehlerhaft. Dabei sind sie auf wenige Hauptgedanken zu verkleinern und erst dann gründlich anzuwenden: Verbot der bekanntesten Straftaten. Das gibt es schon seit zweitausend Jahren, ist aber seitdem so umständlich zerpflückt und kleingehackt worden, dass Jeder daraus nehmen kann, was ungefähr noch passst, obwohl es unvollständig ist, versteckte Lücken hat oder falsche Bewertungen.

Gerade die neuesten technischen Entwicklungen treffen oft auf Gleichgültgkeit, anheizende Schadenfreude und Hilflosigkeit. Beleidigungen in sozialen Netzwerken wie Facebook werden wegen ihrer täglichen Überfülle von der überlasteten Polizei nicht immer ernst genommen. Dabei reichen einzelne Musterprozesse mit saftigen Strafen und Entschädigungszahlungen für derartige Fälle und schrecken wegen ihrer öffentlichen Breitenwirkung die schlimmsten Trittrbrettfahrer ab, gegen die sich auch größere Gruppen mit gemeinsamen Sammelklagen kostensparend wehren können. Bei überwiegend klaren Erfolgsaussichten kassieren Anwälte gern erst erst nach dem Prozessende, wenn sie erfolgreich waren und nur danach ihr Honorar berechnen.

Die Welt besteht ja nicht nur aus Zank und Streit, aber diese kostenlosen Hinweise können zeitverschwendenden Ärger schon im Voraus verhindern. Das schafft viel Platz für wichtigere Dinge.

Alte Freunde, die sich zwanzig Jahre lang bewährt haben, sollte man auch dann nicht vergessen, wenn sie in schlechte Gesellschaft geraten sind.

Nicht nur in Spanien haben Volksvertreter ihre Wähler betrogen und mit juristischen Tricks ausgeraubt. Im Hamburger Raum gibt es eine kleinstädtische Firma, die mit exklusiven Knebelverträgen ihre Kunden an sich geklammert hat, dazu mit günstigen Krediten als Zugaben, deren zwei Mal unterbrochene Rückzahlung den Geiern eine sofortige gerichtliche Zwangsversteigerung erlaubt. Dabei werden auch private Grundstücke weit unter Wert verkauft und landen beim Räuber. Eine bekannte Sängerin hat für ihren Ehemann eine Bürgschaft über zwei Millionen Euro unterschrieben. Ihr ganzes Erspartes war weg, als ihr Mann dann auch noch als Unternehmer eine Bruchlandung hinlegte und sie für den Schaden haftete. Sie beging später Selbstmord. Mancher hat nicht die Kraft, sich aus einem Sumpf selbst herauszuziehen.

Bei Loriots „Weinprobe“ lallt die abgefüllte Kundin, „Und das ist Alles umsonst?“ Der ebenfalls zugedröhnte Weinverkäufer antwortet nur, „Der Herbst hat auch noch seine schönen Tage !“

Karl Valentin sagte, „Die Menschen sind gut. Aber die Leute sind schlecht.“ So pauschal stimmt das nicht, aber Valentin hat in seinen kurzen Filmauftritten und langen Kinofilmen meistens für angenehmes, schallendes Gelächter gesorgt. Zum Beispiel: „Zum Thema wurde bereits von Allen etwas gesagt, aber noch nicht von Jedem.“ Wer endlose Firmenbesprechungen mit viel Geschwätz nicht mag, kann diesen Satz nicht vergessen. Oder nach drei Stunden selbst an die Teilnehmer richten. Manchmal verkürzt das die verschwendete Zeit.

Karl Valentin schrieb über die „alten Rittersleute“ und ihre Gewohnheiten ein gutes Lied:

https://www.youtube.com/watch?v=Wa-7MoovFRY

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