Wertvolle Kinofilme

12.1.2015. Filme gibt es wie Sand am Meer. Aber sie werden immer schlechter: Banal. Oberflächlich. Laut wie verpuffende Knallfrösche.

Technische Effekte dominieren, also Wirkungen ohne Ursache. Die Münchner Filmhochschule hat einen guten Anteil daran, weil es zwar viele Bewerber gibt, aber wenige große Begabungen. Die spätere Nachfrage in der Branche ist begrenzt, also machen viele mit, die später eigentlich nicht mehr gebraucht werden, auch Drehbuchautoren und Schauspieler.

Von dort nach Hollywood entflogen ist zum Beispiel Regisseur Roland Emmerich. Er macht lärmende,  technisch perfekte, oberflächliche  Kinofilme mit inhaltlichem Mittelmaß.

Dabei können Filme alle Möglichkeiten der Phantasie und Symbolsprache ausschöpfen, Bilder zeigen, die an das Innerste rühren.

Um die alten Urkräfte der Symbolik zu wecken, kann der Film viele Elemente einsetzen: Schauplätze, Handlung, Musik, Text, Tanz, Licht und Farben.

Alles muss gut aufeinander abgestimmt sein und darf sich nicht gegenseitig erschlagen.

Ein sparsamer, zurückhaltender Einsatz der mächtigen Kräfte der Magie kommt oft mit Andeutungen aus, die sich verbinden und verstärken, so wie die Handzeichen eines Zauberpriesters ausreichen, um bei einem feierlichen Ritual eine innere Bewegung der Beteiligten auszulösen.

Dazu reichten in der Antike einfache Musikinstrumente und rhythmische Gesänge, die auch große Menschenmassen anregten, so wie es später den fanatischen Diktatoren auf Parteitagen gelang, mit aufheizender Musik aus Lautsprechern, Massenaufmärschen und dem Geschrei politischer Parolen, deren primitives Stakkato oft den Beigeschmack zwanghafter Dummheit hatte.

Verstand und Geist wollen behutsam behandelt werden, sonst versperren sie sich den eingehämmerten Botschaften und lösen gegenteilige Reflexe aus.

Die Meister der Filmkunst waren Magier, die eine starke innere Bewegung auslösten,

auch in der

„Tiefe des Unterbewusstseins“ .

http://luft.mind-panorama.de/category/5-in-der-tiefe-des-unterbewusstseins/

Naheliegend wäre es, dass die enge Verbindung von Bildern, Sprache, Farbe und Musik solche starken Wirkungen erzeugt. Aber allzu oft werden die einzelnen Elemente und ihr Zusammenspiel nicht gut umgesetzt.

Kunst kommt von Können, nicht vom Wollen, denn sonst hieße es “Wunst”. Leider gibt es zu viele “Wünstler”.

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Wer liefert die Maßstäbe, die Vorbilder für wertvolle Filme? Der folgende Überblick ist natürlich unvollständig, wäre aber eine Möglichkeit, anhand von Musterbeispielen das Thema weiter zu vertiefen.

1. Der deutsche Stummfilm, Nachkriegsfilme

Meister wie Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau haben hier zeitlose Werke geschaffen. Eindringliche, “sprechende Bilder” voll suggestiver Kraft auch ohne Farbe, die sich in das Gedächtnis einbrannten.

Fritz Lang: Nibelungen, Metropolis, Dr. Mabuse.

Friedrich W. Murnau: Nosferatu, Faust, Der letzte Mann.

Helmut Käutner: Große Freiheit Nr. 7, Ludwig II., Der Hauptmann von Köpenick

2. Alfred Hitchcock, Luis Bunuel

Hitchcock: Geheimnisvolle Geschichten, deren Fundament Sigmund Freuds Tiefenpsychologie ist. Geistreiche Dialoge, faszinierende Schauplätze,  eindringliche Lichtwirkungen, dramatische Schnitte ohne Hektik. Und die Musik von Bernard Herrmann.

Bunuel: Los Olvidados. Ein Elendsviertel in Mexiko, dessen Figuren mythische Größe zeigen.

3. Der Neorealismus

Vittorio de Sica (“Fahrraddiebe”)

Damiano Damiano und Francesco Rosi beleuchten die schlangenartigen Untiefen und verborgenen Netzwerke der Gesellschaft.

4. Monumentalfilme

Bei den optisch überwältigenden Klassikern verbindet sich ein riesiger Aufwand mit schlüssigen Handlungen, vor einem historischen, wissenschaftlich überpüfbarem Hintergrund:

Quo Vadis, Ben Hur. El Cid. Cleopatra. Meuterei auf der Bounty.

David Leans eindrucksvolle Filme, in denen Sprache, Bilder und Musik  sich gegenseitig steigern: Die Brücke am Kwai. Lawrence von Arabien. Doktor Schiwago. Ryans Tochter.

5. Klassische Western

John Ford erzählte in seinen Western große Gleichnisse, die in einem eigenen Universum spielten, sich aber auf viele andere Bereiche übertragen lassen.

Fred Zinnemann setzte Maßstäbe mit “Zwölf Uhr mittags”.

6. Komödien mit Tiefgang

Bilder Wilder, “Manche mögen’s heiß”. Stanley Donen, “Charade”.

7. Literaturverfilmungen.

Eine Vorlage wird nicht pedantisch im Detail reproduziert, sondern gut nachempfunden.

Oliver Twist und Doktor Schiwago, von David Lean. Die Herrin von Thornhill, von John Schlesinger.

8 Opernverfilmungen

Die Umwandlung von Klängen und Texten in starke Bilder.

Jean-Pierre Ponnelle, “Carmina Burana”. Zeffirelli, “La Traviata” und “Otello”. Francesco Rosi, “Carmen”.

9. Einzelfälle

Manchen Meistern gelingen nur einzelne Geniestreiche.

John Milius, Conan der Barbar, 1. Teil, Charles Laughton, Die Nacht des Jägers.

Inspirationen bieten auch

“Verzauberte Orte”

http://luft.mind-panorama.de/verzauberte-orte/