Wo ist der Klang ?

21.6.2019. Draußen an einer Autobahnraststätte hört man vor Allem groben Motorenlärm. Niemanden stört das, weil es dazugehört und sich nicht ändern lässt. Anders ist es, wenn man sich konzentriert. Naturlaute wie das Rauschen des Waldes oder das Heranbrausen von Ozeanwellen haben die Zuhörer schon immer angeregt und ihre Phantasie entzündet. Auf Island glaubte man vor zweiausend Jahren, dass sogar die stummen Felsblöcke von Geistern (Trollen) bewohnt waren, die auf das Leben des Menschen Einfluss nahmen. Die Naturwissenschaften haben diese Ideen entzaubert und sie zum Teil auf physikalische Formeln reduziert, die sich in Experimenten prüfen und wiederholen lassen.

Vor Beginn eines Klassischen Konzerts stimmen die Musiker ihre Instrumente. Sie folgen einem festgelegten Grundton und messen daran, ob das Ergebnis ein reiner Klang wird. In diesen kurzen Augenblicken ist Jeder für sich allein. Es klingt wie ein riesiges Durcheinander. Eine Kakophonie, also ein Missklang. Erst wenn das Konzert beginnt, schaut jeder in die Noten und versucht, sie handwerklich korrekt zu spielen. Das kann sehr langweilig sein. Denn die aufwändigste Musik besteht nicht nur aus den Zeichen der Tonleiter. Der Dirigent, den Manche nur als wirren Händefuchtler wahrnehmen, hat bei den vorhergehenden Proben auf andere Elemente geachtet: Die Geschwindigkeit. Die Lautstärke einzelner Gruppen. Die Mischung der Klangfarben. Die Hervorhebung starker Passagen. Wenn das gelingt, klingt das Stück immer wie neu.

Der Klang ist auch ein wichtiger Teil der Kommunikation. Welche Worte Jemand verwendet und ihre Betonung können eine völlig unterschiedliche Wirkung erzeugen. Geschrei wendet sich an Sklaven, die selbst nicht denken sollen. Solche Zeiten sind eigentlich längst vorbei. Aber auffällige Formen des Dialogs gibt es nicht nur in gesprochener, sondern auch in schriftlicher Form und beim elektronischen Informationsaustausch. Durch die Wortwahl. Satzlänge. Verwendung schwer verständlicher Fremdwörter oder die Euphemismen. Das sind Wörter, die schön und freundlich klingen, aber das Gegenteil bedeuten. Das deutet hin auf Falschheit, Heuchelei und hinterhältige Absichten.

Die leeren Phrasen in lagatmigen politischen Reden haben nur ein Ziel: Harmonie vorzutäuschen, um missbrauchte eigene Macht zu stabilisieren und zu verlängern. Wer das nötig hat, bricht seinen Amtseid, der in der Verfassung unseres Landes so lautet: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widme. “ Pustekuchen. Die Wirklichkeit sieht oft ganz anders aus. Das zeigt allein der verschwenderische Umgang mit der Flüchtlingsfrage, die sich im Kern nach Meinung führender Politiker auf illegal Eingereiste längst reduziert hat. Die Falschbewertung blockiert aber noch jahrelang Milliardengelder im Staatshaushalt, die bei sozial schwachen Einheimischen (Rentner, Arbeitslose usw. ) an den richtigen Stellen überhaupt gar nicht erst gelandet sind.

Wenn etwas nicht gut klingt, gehört es entweder dazu. Zum Beispiel das natürliche Schreien eines kleinen Kindes. Oder es sind keine Experten am Werk. Die Münchner Philharmonie am Gasteig ist ein riesiger Holzkasten ohne irgendeine Installation, die den Klang fördert. Zum Beispiel fehlen Querbalken in luftiger Höhe, optisch passende Rillen in den Wänden, Zwischenwände über den Zuhörer-Sitzen. Berühmte Dirigenten wie Leonard Bernstein haben sich abfällig über die monumentale Halle geäußert. Jetzt muss sowieso Alles renoviert werden. Und angeblich hat man sogar einen berühmten Akustiker engagiert. Solche Leute wirken auf die Raumgestaltung ein, setzen sich persönlich auf jeden Besucherplatz und berechnen frühzeitig, wie das Ergebnis klingen soll. Warum erst jetzt?

Modest Mussorgsky entfesselte in „Eine Nacht auf dem Kahlen Berg“ alle dämonischen Elemente des großen Orchesters. Walt Disney fand dazu in seinem Zeichentrickfilm „Fantasia“ aus dem Jahr 1940 angemessene Bilder:

https://www.youtube.com/watch?v=SLCuL-K39eQ