You lost that loving feeling

14.9.2020. In den Sechziger Jahren sangen die Righteous Brothers das Lied vom verlorenen Liebesgefühl. Bis heute eindrucksvoll sind bei der Studio-Aufname die akustischen Effekte: Nachhall wie in einer großen Kirche. Donnernde Riesenstimmen. Der Musikproduzent Phil Spector nannte seine Erfindung „Wall of Sound“ (Klang-Mauer). Wie ein Gebirge türmt sich der Gesang, mit überdimensionalem Orchester donnerndem Schlagzeug und Chor. Hier kann man das hören:

https://www.youtube.com/watch?v=uOnYY9Mw2Fg

Das war seinerzeit ein Welterfolg, der aber nichts von seiner Kraft verloren hat. Technische Spielerein, vor Allem die grenzenlosen Experimente mit der Digitalisierung, auch bei Fotos, haben oft eine gegenteilige, abschreckende Wirkung. Kinos mit Dolby-Klang schöpfen gern alle Grenzen aus. Dann ist man froh wenn man nach dreißig Minuten wieder an die frische Luft kommt. Die besten Instrumente sind immer noch die klassischen Naturklänge der Violinen, Flöten, Trompeten und ihrer Verwandten. Da kann man zahllose abgestufte Feinheiten hören, durch den Wechsel der Lautstärke, die Hervorhebung einzelner Mitwirkender, Tempo und Ausdruck, die nur rechnerisch und digitaltechnisch gar nicht möglich sind.

Die echten Gefühle lassen sich durch Plastikpuppen nicht ersetzen. Aber seit Ende März sind alle Konzerthäuser geschlossen. Unvermeidlich ist deshalb die Frage, ob es in Zukunft so weitergehen kann wie bisher. Das klassische Repertoire, das Gesamt-Angebot erweitert sich kaum noch. Aufzeichnungen gibt es in Überfülle. Da muss noch mancher Schluss-Strich gezogen werden. Eine Gefahr für die Arbeitsplätze und für den zukünftigen Nachwuchs, der rechtzeitig jetzt schon nach Altenativen suchen muss.

Musikproduzent Phil Spector wurde 2009 wegen Totschlags zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Vorher schuf er auch die Klang-Effekte bei der „Unchained Melody“ (Entfesselte Melodie). Der auftretende Sänger trägt leider einen rosafarbenen Anzug, zieht aber alle Register der Überwältigung. Die Musik ist von Alex North, der später auch die Musik für den Monumentalfilm „Cleopatra“ komponierte:

https://www.youtube.com/watch?v=IYj2hex99gY

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