Zar Peter der Große – Chowantschina

27.10.2015. Zar Peter der Große ( 1672 – 1725 ) sorgte in Russland für wichtige Reformen, war aber auch ein strenger Herrscher. Mussorgskys gewaltige Oper „Chowantschina“ handelt von der tückischen Verleumdung der Moskauer Fürsten Chowansky als Staatsverräter. Sie wurden von Zar Peter hingerichtet. Die Oper endet  mit einer mystischen Vision der gleichzeitig verfolgten Altgläubigen..

Rücksichtslose Alleinherrscher gab es seit der Zeit der ägyptischen Pharaonen vor fünftausend Jahren, bis hin zu den europäischen Despoten Hitler und Stalin vor siebzig Jahren. Wegen Missachtung der Menschenrechte verurteilten die Siegermächte nach dem Kriegsende  führende Nazi-Verbrecher in Nürnberg zum Tode.

Nach ihrem Untergang  bekam Deutschland eine freiheitliche Verfassung, mit garantierten Rechten zur Unverletzlichkeit der menschlichen Würde, der Privatsphäre, der freien Meinung.  Grundgesetze gelten für alle Staatsbürger, natürlich auch, wenn sie im Ausland aktiv sind. Aufsehenerregende Skandale der letzten  Jahre zeigten, dass die Verfassung  nicht mehr so ernst genommen wird. Das sind keine schützenswerten „Staatsgeheimnisse“, wie Bundeskanzlerin Merkel ahnungslos verkündet, denn die Missachtung von Verfassung und Strafgesetzen richtet sich gegen die Bevölkerung und darf nicht vertuscht werden. Bewiesen wurde aber mit den Skandalen auch, dass im elektronischen Zeitalter des Internets die Gesetzesverstöße noch jahrelang später  im Detail rekonstruiert und aufgeklärt werden können – so wie die Manipulation der Abgaswerte bei Volkswagen, die rechtswidrige Ausspähung von Bundesbürgern mit 42.000 Suchbegriffen (Selektoren), die Bestechungen beim Weltfußballverband FIFA, wo Spitzenfunktionäre mittlerweile hinter Gittern sitzen.

Was bleibt, ist der Reichtum des menschlichen Innenlebens.

Mussorgskys Zaren-Oper „Chowantschina“ rührt an die Abgründe der menschlichen Psyche. Eine exemplarische ältere Aufführung aus dem Marinsky-Theater in St. Petersburg verzichtet auf überflüssige Aktualisierungen. Man sieht Bühnenbilder im Panorama-Stil der russischen Maler des 19.Jahrhunderts, die farbenprächtigen historische Prachtgewänder verstärken die Atmosphäre. Dazu schallen machtvoll orgelnde russische Bass-Stimmen in drei Hauptrollen, außerdem russisch-orthodoxe Chöre. Die Stimmen  werden unterlegt von einer dunklen, dämonischen Musik, mit majestätischen Gong- und Paukenschlägen, schallenden Posaunen und einem tiefen Streicherklang. Es zeigt sich, dass der bedeutende Dirigent Valery Gergiev  an die emotionalen Tiefen dieser Musik rührt, an Trauer und Melancholie, die starke Motoren sind zur Auflösung von Verstimmungen und Spannungen, wie die reinigende Kraft der Alpträume.

Diese glanzvolle Aufführung aus Russland gibt es zwar als DVD, aber nicht vollständig im Internet. Die Verfilmung der Wiener Staatsoper unter Claudio Abbado ist orchestral leider etwas zu glatt geraten, bietet aber Weltstars als Sänger auf der Höhe ihrer Kunst.

Hier kann man das vollständig hören:

https://www.youtube.com/watch?v=X7JUbJWSKrY

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