103 Kilometer bis Wuppertal

22.1.1022. Münster und Wuppertal sind 103 Kilometer voneinander entfernt. Dort ist das Ruhrgebiet, dessen Kohlenbergwerke einmal das Kraftzentrum der deutschen Industrie waren, auch im Zweiten Weltkrieg, durch die Stahlfabriken. Die Arbeit als Bergmann war unbeliebt, aber sie musste erledigt werden. Anfang der Sechziger Jahre kamen dafür die Gastarbeiter vom Mittelmeer, die auswandern wollten. Und ein naher Verwandter fuhr täglich in die Kohlegruben. Bis es ihm reichte. Als Frührentner verdiente er noch weniger, und er war stolz darauf, dass seine  Ehefrau „nur Hausfrau“ war, also nicht in einem Supermarkt arbeitete. Sie hatten immer weniger zur Verfügung, die Hoffnung auf eine Erbschaft verwandelte sich in einen begrenzten Abfindungsbetrag, und dann brach der Kontakt ganz ab.

Aber Wuppertal liegt nur 26 Kilometer von Düsseldorf entfernt. Während meiner Ausbildungszeit, von 1972 bis 1974, fanden dort oft Lehrgänge statt. Zum Stichwort Düsseldorf gibte es hier noch 8 andere Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=d%C3%BCsseldorf&x=13&y=15

Düsseldorf ist immer noch eine Finanz-Zentrale, und abends kam man mit dem Auto schnell dort hin. Also in der Freizeit. Am Rhein war auch ein weltweit bekanntes Modezentrum, mit den schönsten Menschen der ganzen Umgebung. Außerdem die Altstadt, die fast nur aus Bierlokalen bestand. Ein Geheimtipp war der „Golfstrom“, weil es dort heiß zuging und ständig neue Gesichter durch die Türen kamen. Gäste, die sich auch gern Münster anschauen wollten. Im Winter 1980 war es draußen so kalt, dass in der Stadtmitte der große Aa-See zufror und Jeder auf der Eisplatte herumwandern konnte. Das ist sogar eine Szene aus der aufwändiger Ausstattungs-Oper von Giacomo Meyerbeers (1791 – 1864) „Der Prophet“, die Richard Wagner zunächst bewunderte und dann mit der Bemerkung ablederte: „Ein Effekt ist eine Wirkung ohne Ursache.“ Erster Akt: „Lager der Wiedertäufer an einem zugefrorenen See in der Nähe von Münster . Einige Bäuerinnen und Bauern kommen mit Pferdeschlitten, andere auf Schlittschuhen über den See, um den Täufern Waren zu verkaufen. Es folgt eine etwa 16-minütige Balletteinlage“.

Das muss man wohl nicht gesehen haben. Aber die echten Wiedertäufer sorgten für große Unruhe. Ihre Tragödie ist hier das Thema von 16 Artikeln:

https://luft.mind-panorama.de/?s=wiedert%C3%A4ufer&x=9&y=11

Sie waren eine eigene Glaubensgemeinschaft, die mit Zwang und Hinrichtungen herrschten. Am Ende wurden sie vertrieben, ihre drei Anführer vor dem historischen Rathaus am Prinzipalmarkt in Stücke gerissen. Zwang hat eine begrenzte Lebensdauer. Offiziell ist er aus vielen Staaten verschwunden, aber es gibt ihn in verkleideter Form. Im Internet ist das unübersehbar, aber die Gesetze werden nur lückenhaft angewendet. Am schwierigsten ist es bei den „Gesetzen der Ökonomie“, zu denen es hier ein eigenes Kapitel gibt, mit über 800 Beiträgen. Beim Geldverdienen werden raffinierte Methoden angewendet, die ein normaler Mensch gar nicht versteht. Aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Je mehr Informationen sich verbreiten, desto besser wird auch ihre Bewertung. Was im Jahr 1536 geschah, als die Wiedertäufer besiegt wurden, ist einerseits Vergangenheit und heute nicht mehr denkbar. Aber die Situationen haben sich nur angepasst, die Methoden müssen aus der Gegenwart noch endgültig verschwinden. Alte Bilder kann man übersetzen. Mit der „Deutung der Symbole“ lassen sich viele Vergleiche ziehen. Das Ziel ist erst in der Ferne zu erkennen, aber täglich wird es deutlicher erkennbar. Und der Weg dorthin gehört zum Ziel. Und ist auch kein Rätsel mehr.

Das Largo aus Vivaldis „Winter“ ist ein Spiegelbild der Jahreszeit, die sich verändert und besonders stark empfunden:

https://www.youtube.com/watch?v=xc_yKk0k5XE

Das Bild mit dem zugefrorenen See in Münster stammt von 1980:

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