Afrikas Energie

6.9.2021. Südamerika ist genau so wichtig wie Afrika, aber ein eigenes Kapitel für jeden großen Kontinent schadet der Übersichtlichkeit. Politisch sind die beiden Erdteile  sehr unruhig, aber das ist hier kein aufgeregtes Aktionsblatt, sondern erklärt nur Zusammenhänge. In Guinea, an der afrikanischen Elfenbeinküste,  wurde der Präsident Alpha Condé jetzt gestürzt, aber die Einzelheiten habe ich noch nicht einmal angeschaut. Wieder ist die ganze Welt völlig überrascht, aber man muss noch nicht einmal herumsuchen. Die Ursachen sind immer die gleichen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist bitter arm. Sie ist unzufrieden. Die Gründe und  Ursachen dafür wiederholen sich auch, weltweit. Vor zwei Jahren sprach ich mit ein paar jungen Afrikanern aus Angola. Eigentlich waren sie sehr schweigsam, aber Einer meinte nur: „Unser Land hat eine kommunistische Regierung.“

Das muss man eigentlich auch nicht wissen, aber einzelne Wörter, Assoziationen erzeugen automatisch offene Gedankenbrücken. Der Kommunismus ist seit 1990 abgesürzt, als Michail Gorbatschow, Jahrgang 1931, die Berliner Mauer kippte. Danach brach der ganze Ostblock zusammenbrach, die Methoden waren auf dem Rückzug oder sind in kleinere Staaten abgewandert. Die starke Unruhe in einigen afrikanischen Ländern hat zwar noch ganz andere Ursachen, löste aber jahrelange, gewaltsame Bürgerkriege aus. Vor  vielen Jahren sprach ich mit dem deutschen Einsatzleiter von Bundeswehrsoldaten, die in einem anderen afrikanischen Land endlich für Ruhe sorgen sollten. Einzelheiten hat er nicht erzählt, aber ausdrücklich auf sein „Dienstgeheimnis“ hingewiesen, das ihn zur strengen Verschwiegenheit gegenüber Fremden verpflichtete. Das gilt auch für Ärzte, Anwälte und alle Staatsbeamten, gegenüber Privatfirmen und Privatpersonen.

Mir war das sowieso bekannt, und Diskussionen darüber sind überflüssig, weil es sich um ein zentrales Fundament in jedem Rechtsstaat handelt, das Ungerechtigkeiten und Fehler verhindert.  Wir haben dann ein paar Bier zusammen getrunken.  Aufgefallen war er mir nur deshalb, weil er die ganze Zeit allein an der Theke saß, aber sehr wachsam alle anderen Gäste beobachtete. Dann habe ich ihn einfach angesprochen, und die folgende Unterhaltung lief in bester Stimmung ab. Zu lachen war dabei nicht viel, denn er sprach offen über seine starke Angst vor dem riskanten Einsatz. Wenn man das ernst nimmt und darauf antworten kann, entspannt  sich die ganze Situation. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört, hoffe aber, dass es ihm gut geht.

Selbstverständlich ist leider auch das nicht, aber hier wird keine Tagespolitik kommentiert, für die unsere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zuständig ist, die sich gern vor Fernsehkameras zeigt und Ansprachen hält. Zu hören war noch nichts davon, dass unser Grundgesetz allen Soldaten nur solche Einsätze erlaubt, die zur direkten Verteidigung unseres eigenen Staatsgebiets notwendig sind. Kämpfe hat es dabei auch noch nicht gegeben, aber sie hätte das erwähnen müssen. Unsere Verfassung hat das bereits 1949 genau so geregelt, nachdem Deutschland im Zweiten Weltkrieg als alleiniger Haupt-Verursacher eines europaweiten Angriffskriegs bezeichnet wurde und die dafür verantwortliche Regierung in Nürnberg zum Tode verurteilt wurde. Später wurde die gesetzliche Todesstrafe sogar ganz abgeschafft, weil Nachkriegsdeutschland zum weltweiten Vorbild für ein unglaubliches, ökonomisches „Wirtschaftswunder“ wurde. Es machte die ersten Gastarbeiter von den beliebten Reisezielen am Mittelmeer zu einer großen Familie von  Einwanderern, auf die heute Niemand mehr verzichten will. Sie haben ihre alten Traditionen mitgebracht, für die sie weltberühmt sind, auch die weniger bekannten. Zum „Wirtschaftswunder“ gibt es hier schon über 30 Beiträge:

https://luft.mind-panorama.de/?s=wirtschaftswunder+&x=18&y=16

Auch die Chinesen sind, natürlich überall in Afrika,  auf wichtigen Einkaufstouren unterwegs. Ein Manager aus Peking erzählte mir, dass dort auch das Privatleben längst viel lockerer abläuft. Kürzlich hat ein alter Freund aus dem europäischen Süden darüber geklagt, dass die ganze Welt sich zum Negativen verändert habe. Er konnte das genau begründen, aber dann habe ich ihm nur ein paar kurze Stichwörter genannt, die man täglich auch hier findet: Änderung der eigenen Denkmethoden. Entdeckung von realistischen Problemlösungen. Das erzeugt auch Lebensfreude, wenn es draußen stürmt und hagelt. Ein solches  Ziel kann man nicht an einem Tag erreichen, aber der Weg dorthin ist auch schon das Ziel. Diese chinesische Weisheit ist schon 2.500 Jahre alt, aber sie gilt immer noch.

Die chinesischen Soldaten haben damals schon viele Schlachten für ihre herrschenden Kaiser gewonnen.  Aber ganz oben steht immer die Strategie, die Methoden. Unsterblich dabei ist der General Sun Tsu, dem hier schon 30 Artikel gewidmet sind:

https://luft.mind-panorama.de/?s=sun+tsu&x=13&y=12

Sun Tsu schrieb ganz einfache Sätze, deren Inhalt oft gar nicht beachtet wird: „Das Ziel des Kriegs ist nicht der Sieg, sondern der Frieden.“ Wer nimmt das überhaupt ernst?

Das alte China und die deutsche Operette passen eigentlich gar nicht zusammen. Aber Franz Lehar (1870 – 1948) schrieb das „Land des Lächelns“, und Sandor Konya sang 1961 daraus, mit dem richtigen Tonfall, „Von Apfelblüten einen Kranz“ :

https://www.youtube.com/watch?v=V_KKPVZ255Y

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