Am Chinesischen Turm

8.8.2021. Den Chinesischen Turm in Englischen Garten habe ich schon jahrelang  nicht gesehen, weil er ein beliebtes Ziel für die Touristen aus aller Welt ist. Im Sommer 1980 war ich zum ersten Mal als Besucher dort und habe über das große, damals einmalige  Gelände mit den kiometerweiten Naturlandschaften gestaunt. Rundum ist ein großzügiger Biergarten, der keine Nachbarn hat. Also konnte man so lange Bier trinken wie man wollte. Taxis warteten direkt vor dem Haupteingang, und dann ging es weiter bis zum frühen Morgen, zu den überfüllten Theken ganz  in der Nähe oder von dort nach Hause.

Am 7.4.21 habe ich einen Beitrag dazu geschrieben. „Offene Biergärten“ :

https://luft.mind-panorama.de/offene-biergaerten/

Zum Chinesischen Turm ging man auch mit vertrauten Freunden oder lernte dort neue kennen. Das letzte ist nur ein Einziges Mal passiert und hat dann zwanzig Jahre überstanden. Ein Rekord. Der Grund für die Fehlerquote war, dass hochpozentige Nahrung nicht automatisch hochgeistige Gespräche erzeugt. Oder ganz direkt: Es waren viele Idioten unterwegs, falsche Schlangen oder Raubvögel, die kein Geld für Flüssignahrung hatten, aber neugierige Ohren, flinke Finger und Blicke wie diebische Elstern. Die beliebten Massenaufmärsche der angeblichen Prominenten aus Film und Fernsehen fanden dort gar nicht statt, obwohl sie sonst an vielen anderen Plätzen herumliefen, zum Beispiel am Gärtnerplatz, damit sie dort, mit schwarzen Sonnenbrillen getarnt, exklusiv unter sich blieben. Auch das hat sich verändert.

Sie sind immer weniger geworden, nur ihre Nachfolger treten  in Massen auf, die nicht sehr verlockend sind, weil Kleidung und Getränke sich immer ähnlicher werden, auch ihre Bezahlung, weil zu viel Konkurrenz gleichzeitig auf der Jagd ist.  Die märchenhaften Traumberufe schmelzen einfach weg, in allen beliebten Modebranchen. Da gibt es auch Wünsche, die Niemand erfüllen darf, weil es verboten ist. Wer in einem solchen Irrgarten mit vielen Sackgassen landet, weint manchmal heimlich, wenn Keiner dabei zuschaut.

Von solchen hochmotorigen Aktivitäten habe ich mich immer fern gehalten, aber es war unvermeidlich, dass man oft zuschauen musste, wenn in den überall bekannten Stammlokalten alle Tische besetzt waren oder die Gesichter dahinter, stundenlang auf wohltätige Spender warteten. Zu lachen gibt es da gar nichts, denn hinter den gebrauchten Masken liefen schwere Tragödien ab. Offen geredet wurde darüber nur ganz selten, aber die Sprache und die Auftritte senden Alarmsignale, auch die anderen Solisten.

München hatte einmal den Spitznamen „Deutschlands heimliche Hauptstadt.“ Viele glauben immer noch daran, wundern sich aber über ihre eigene Traurigkeit. Über deren Ursachen gibt es hier schon viele Artikel. Schwierig ist es, damit umzugehen, sie gehören aber zur Alltagsrealität. Ein alter Bekannter hat vor ein paar Jahren Pech gehabt, aber  versteht immer noch nicht, dass er schon als Zehnjähriger Situationen erlebte, die bis heute eine starke Wirkung haben, weil Niemand sich um die Ursachen kümmert, nicht etwa mit leeren, frommen Worten, sondern mit Methoden, die völlig zulässig sind: Analysen. Bewertungen. Veränderungen. Dafür braucht man keinen teuren Unternehmensberater, sondern Hinweise, die hier ständig zu finden sind. Es reicht aber nicht, sie nur zu lesen, wenn sie nicht eine Einheit werden mit dem persönlichen Denken und solchen Erfahrungen, die viel zu oft unbemerkt bleiben.

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