Am stillen Herd, in Winterszeit

11.2.2021. Holz ist vielseitig. Für Häuser und Kirchen wurde es aufwändig verarbeitet und war dann eine reich geschmückte Sehenswürdigkeit. In den großen mittelalterlichen Ritterburgen, die dicke Steinmauern hatten, wurde mit wertvollem Brennholz nur ein einziger Raum beheizt, wo sich am Kaminfeuer dann alle Bewohner trafen, um dort die Abende gemeinsam zu verbringen. Sie hatten sich viel zu erzählen, für das im Sommer keine Zeit war, weil schwere körperliche Arbeit den Alltag beherrschte. Nur wer reich war, konnte sich selbst eine Ritteburg leisten. Mit wenigen Worten gelang es Richard Wagner, eine solche Stimmung einzufangen: „Am stillen Herd, in Winterszeit, als Haus und Hof mir eingeschneit: Ein altes Buch, vom Ahn‘ (Großvater) vermacht, das gab mir da zu lesen: Herr Walther von der Vogelweide, der ist mein Meister gewesen.“ Diesen Walther gab es tatsächlich (1170 – 1230), im Hochmittelalter reiste er durch Süddeutschland, schrieb eindrucksvolle Gedichte über den Alltag damals und sang sie vor dem Kaminfeuer.

Über sein Leben ist fast gar nichts überliefert, aber der Münchner Historiker Siegfried Obermeier (1936 bis 2012) schrieb trotzdem eine umfassende Biographie, nur aufgrund von Walthers eigener Texte und Erwähnungen über ihn, bei seinen Kollegen. Ein spannendes Buch, weil es sich alle Phantastereien verkneift und nur die vielen Spuren auswertet. Das geht so sehr ins einzelne Detail, dass man heute noch darüber staunt, über achthundert Jahre später. Die Forscher kamen früher aber schneller an ihre Grenzen. Heute ist sogar das Leben der ägyptischen Pharaonen ganz genau bekannt, zum Beispiel die Regierungszeit von Echaton, 1351 – 1336 v. Chr. Um so erstaunlicher ist es, dass es immer noch ungelöste Fälle gibt, wie das Fernsehpublikum aus der beliebten Kriminalserie „Aktenzeichen XY“ weiß. Der Grund dafür sind Alltagsrätsel, deren Fakten einfach nicht bekannt werden. Aber auch Informationslücken, weil Methoden angewendet werden, die stark verbesserungsfähig sind. Hier findet man sie hier oft, nicht nur unter dem Stichwort „Elektronik“, das bereits 209 eigene Artikel enthält und auch direkt unter diesem Text zu finden ist. Das Wissen dafür kann sich Jeder selbst aneignen, aber es geschieht nicht. Seit Jahren unterhalte ich mich darüber, auch mit Zufallsbekannten. Sie haben manchmal eine lange Beruferfahrung, können aber auch nicht Alles wissen, wie jeder andere auch. Doch Spezialwissen kann manchmal sehr einseitig, veraltet und begrenzt sein.

Das macht auch nichts, aber die Sache hat noch viel mehr Verwandte. Bequemlichkeit. Arroganz. Und falsche Traditionen. („Das haben wir immer schon so gemacht.“) Allein dieser Satz ist im ganzen Berufsleben weit verbeitet, vor Allem unter Führungskräften. Das führt zu Falschbewertungen und Fehlentscheidungen. Für große Firmen ist das nur eine Treppenstufe, bis zum vaussehbaren Konkurs. In der Politik werden damit ganze Staaten auf ein Armutsniveau gedrückt. Ein gutes Gegenbeispiel dafür ist das deutsche Wirtschaftswunder, nach dem letzten Weltkrieg 1945. Die damaligen, immer noch gültigen Erfolgsrezepte sind im Internet offen zugänglich. Sie wurden weltweit bestaunt, aber einfach nicht nachgemacht. Deshalb haben Städte mit großem Wirkungsbereich wie Berlin und München auch so viele fleißige Einwanderer. Aber das ganze Schiff hat seinen Anker verloren und sein Steuerrad.

Kapitäne gibt es Viele, und immer mehr machen den Mund weit auf. Der neueste Modeschrei sind Video-Konferenzen. Das spart endlich die viel zu vielen Fahrt- und Übernachtungskosten, zusammen mit der unvermeidlichen Zeitverschwendung.. Aber man sieht immer die gleichen Gesichter, deren Meinungen man täglich, ausführlich anhören kann, wenn es keine Fernbedienungen zum Umschalten gäbe und vernünftige Köpfe, die noch selbst nachdenken. Aus alten Filmen kann man Viel lernen, auch wie man gute oder spannende Themen verarbeitet. Noch wertvoller können Erinnerungen sein, die nicht nur beim roten Sonnenuntergang am Meer, immer kräftiger werden. In der Kinderzeit erlebt man viele Eindrücke, die man lange gar nicht versteht. Dagegegen gibt es zwei Methoden: Selbst lernen und den Horizont erweitern. Und Vergleiche. Fast Nichts passiert nur ein einziges Mal. Aber es verändert sich, hat neue Farben oder Ursachen. Wichtige Kennzahlen, Parameter, sind offen zugänglich. Aber man darf nur die Wichtigsten konzentriert bearbeiten, der Rest ist Sache fleißiger Mitarbeiter, ohne die kein Unternehmen Erfolg hat. Nur sie erzeugen Wirkungen, leider nicht immer nur gute.

Die Gesamtbilanz der Gegenwart ist allgemein bekannt. Traurig. Natürlich wird das Tageslicht immer heller. Frühlingsbeginn ist am 20. März. Am 15. Februar, also in vier Tagen, ist Rosenmontag, sonst der Höhepunkt des närrischen Faschings. In München fand das früher in den Stammlokalen statt, die ihre Glasfenster mit festen, blickdichten Holzplatten gesichert hatten. Drinnen gab es überhaupt keine Möbel, sondern nur offene Stehplätze, Bier und eine heiße Gulaschsuppe. Alles war voll besetzt, aber zur Straße hin abgesperrt, verriegelt. Wer schon mittags auftauchte, blieb niemals lange allein. Zum ersten Mal gibt es das, in diesem Jahr, überhaupt nicht. Vieles wird sich deshalb noch ändern, weil der Staat und seine meisten Bewohner immer weniger Einnahmen haben. Das wirkt sich auf das Gesamtbild aus. Früher gab es dann Kriege oder soziale Unruhen. Aber solche Rezepte sind wirkungslos. Nur ein verändertes Denken hilft, das auch praktisch umgesetzt wird, aber ohne Druck und übertriebene Überwachung. Denn das schadet den Staaten noch mehr. Ungerechtigkeiten verschärfen sich. Auch die Raffgier und die Betrügereien. Und die Hinterhältigkeit. Davon gab es, bis zum Ende des letzten März immer mehr. Ganz neu ist jetzt das Stichwort „Open Lux“, für riesige Finanz-Betrügereien in Europa.

Internet-Zitat: „Aus einer Analyse des seit 2019 bestehenden Transparenzregisters des Großherzogtums Luxemburg geht nun hervor, dass intransparente Firmenstrukturen dort nach wie vor nicht die Ausnahme sind: Nur bei der Hälfte der rund 140.000 im Land gemeldeten Firmen, Fonds oder Stiftungen sind die wahren Eigentümer bekannt. Drei Viertel der luxemburgischen Firmen, die Angaben zu Eigentümern machen, gehören demnach Ausländer aus 157 Ländern, darunter rund 4600 Personen aus Deutschland. Das Vermögen der im Großherzogtum beheimateten Holdingfirmen belief sich 2018 und 2019 auf mindestens sechs Billionen Euro. Schätzungen zufolge entgehen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union jedes Jahr mehr als 20 Milliarden Euro durch Steuervermeidung.“

Alle Beteiligten haben eigene juristische Abteilungen und Anwälte, sind also bekannt, auch bei ihren zahlreichen Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Kunden, die über Nacht abspringen. Außerdem gibt es viele Gesetze und Strafen, in abschreckender Höhe. Trotzdem passieren solche Fälle. Weil einige noch funktionieren. Die Vereinfachungsmethoden zur besseren Aufklärung sind vorhanden und werden in vielen Berichten, auch in den bekanntesten Medien, leicht verständlich erklärt, sind aber noch nicht überall bekannt. Das wird sich ändern. Aber das Wichtigste ist eine tatsächliche Änderung der Denkmethoden. Niemand kann darauf verzichten.

.