Archetypen aus der Urzeit

16.10.20320. Die bisherigen Artikel zur „unsichtbaren Weltuhr“ waren nur Zwischenstationen. Dabei haben sich verschiede Aspekte vertieft, die zwar schon angesprochen wurden, aber noch nicht umfassend. Völlig erledigt werden kann das gar nicht, denn es handelt sich um eine Fortentwicklung, die kein Ende haben kann, aber mehr Klarheit bringt.

Die zehn Hauptwerke Wagners sind auf der ersten, oberflächlichen Ebene nur Märchengeschichten und alte Sagen. Das ist aber auch der Stoff für die frühesten Menschheitserinnerungen, auf der materiellen, sichtbaren Ebene, heute eher bedeutungslos, etwas für Kinder.

Darunter steckt die tiefere Dimension der Archetypen, wie sie auch im Zentrum des Denkens von C.G. Jung (1875 – 1961) standen. Er hat die Lehre von Freud weiter entwickelt, indem er in den alten Bildern eine starke psychische Energie entdeckte und deutete. Er nannte das die Archetypen, also Ur-Bilder aus dem Gedächtnis der Menschheit. Ich habe früher diese Denkmethode für spekulativ gehalten, denn sie ging über die materiellen Fakten weit hinaus. Das nennt man aber auch, respektvoll, Transzendenz. Das geistige Überschreiten von gewohnten, bisher zuverlässigen Erfahrungen.

Die haben ausgespielt. Es gibt mittlerweile so viele Neu-Entwicklungen, die aber oft gar nicht erkannt und ausgewertet wurden. Das ist einmal eine Sache der Erkenntnis, zum Anderen die Basis für gute, berechtigte Gewinne. Wenn sie nicht missbraucht werden für Macht und Herrschsucht, also gegen den Dekalog verstoßen, die zehn Gespräche mit Gott über seine Weltordnung, die Zehn Gebote. Verstößt man dagegen, geht Alles schief und richtet Schaden an. Je länger, desto schlimmer. Das ist auch hier ein Dauerthema.

Aus der Frühgeschichte ragt zunächst der Pharao Echnaton (1351 – 1336 v. Chr.) heraus. Er kannte nur einen Gott, Aton, die Sonne. Mit dem Auszug der ägyptischen Gefangenen in ein anderes Land, beginnt der Exodus. Unterwegs übergibt Gott in einem brennenden Dornbusch die Zehn Gebote an den Anführer Moses (ägyptisch: Musa). Alles ist im Alten Testament notiert. Erwartet wird danach immer ein Messias, ein gottähnlicher Erlöser von allen Problemen, auf dem Weg in das verlorene Paradies. Aber nicht anerkannt wurde zunächst Christus, sondern sogar wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Das Kreuz war schon bei den nordeuropäischen Kelten bekannt, als Zeichen des Numinosen, derjenigen Signale Gottes, die für den Menschen erkennbar sind. Christus ist die wichtigste, zentrale Figur im Neuen Testament. Über ihn berichten, weitgehend übereinstimmend, die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Der Letzte ist auch der Verfasser des letzten Buchs der Bibel. über den Weltuntergang, die Apokalypse. Als fünften Evangelisten bezeichnet man seit seiner Wieder-Entdeckung Johann Sebastian Bach (1685 – 1750). Und Albert Schweitzer nennt ihn sogar den „Anfang“. Alpha und Omega sind für Schweitzer auch Anfang und Ende der Musik. Mit Omega, dem letzten Wort, ist ausdrücklich Richard Wagner gemeint.

Seine Botschaft übermittelte am großartigsten sein eigener Enkel Wieland, der das Innere der Werke glanzvoll zum Leuchten brachte. Nach seinem Tod übernahmen in der Festspielstadt andere Kräfte die Macht.

Meine Artikel zu diesem Thema beginnen mit der „unsichtbaren Weltuhr“ und behandeln, anschließend alle grenzenlosen Bereiche des menschlichen Denkens. Die gesamte Themen-Übersicht findet man schnell, rechts auf dieser Seite.

Verkürzt auf ein einziges Stichwort, geht es darin um die Deutung aller Zeichen, die das menschliche Leben begleiten. Das hat einen Anfang, aber gedanklich kein Ende. Der persönliche Freund von Christus, zu dessen Lebzeiten, Johannes lässt in seiner Apokalypse die ganze bisherige Welt untergehen, aber es kommt danach eine neue, die alle Fehler der Vergangenheit mildert oder sogar auflöst.

Das ist keine Utopie, eine „Sehnsucht nach dem Unerreichbaren“ sondern bereits ein erkennbarer Teil der Wirklichkeit. Die gerade zitierte Sehnsucht ist auch der Titel eines Buchs von Anja Silja, die alle großen Wagnerrollen, auf der ganzen Welt sang. Sie war die Lebensbegleiterin von Wieland Wagner und hat nach seinem frühen Tod, schon am 17.10.1966, nicht mehr in Bayreuth gesungen, dort aber auch keine Feindschaften angeheizt, im Gegenteil. Morgen ist der 17.10, also ein Gedenktag für Wielands geniale Versuche, das Innerste der Werke seines Großvaters in unvergessliche, tief wirkende Bilder zu verwandeln. Sie sind in eindrucksvollen Fotos erhalten, die man im aufwändigen Bildband von Till Haberfeld überreich findet, über den „Revolutionäre und Visionär des Musiktheaters“. Das großartige Buch habe ich bei meinem Abschiedsbesuch von Bayreuth, letztes Jahr im Wahnfried-Museum entdeckt. Seitdem hat es einen Ehrenplatz.

.Hier findet man einige Videos und Berichte über Wielands Lebenswerk:

https://www.bing.com/search?q=wieland+wagner&form=ANNTH1&refig=19972de58c6d480a96326ee5964ba1bd&sp=1&qs=LS&pq=wieland+wagner&sc=8-14&cvid=19972de58c6d480a96326ee5964ba1bd

Ich versuche oft, auch auf dieser Webseite, das Verständnis für Wieland zu erweitern, weil er viele aggressive Kritiker hatte. Wenn sie ernst zu nehmen waren, hat er ihre Texte sogar in den offiziellen Programmheften abgedruckt. Das Wertvollste ist ein Jahr nach seinem Tod entstanden, im Jahr 1967. Es war in fabrikneuem Zustand zu bekommen, in einem Antiquariat. Sein Bruder und Nachfolger Wolfgang Wagner, hat die angemessene Gestaltung geleitet. Wieland mochte dessen Inszenierungen nicht. „So kann man das doch nicht machen “ hat er, nicht nur einmal gesagt. Aber Wolfgang (1919 – 2010) übernahm die Festspielleitung, sorgte für finanzielle Stabilität, bei der juristischen Überleitung der Familien-Firma in eine gemeinnützige Stiftung, bis zu seinem eigenen Tod am 21.3.2010, vor über zehn Jahren. Anschließend gab es auf dem Grünen Hügel eine neue Lohengrin-Inszenierung von Hans Neuenfels, mit Lohengrin als unsinniger Versuchsleiter, in einem Labor mit riesigen Ratten. Ich habe das auch gesehen, ertrug den Abend aber nur, weil Andriss Nelsons die Musik bewundernswert leitete, wie einen Märchentraum. Also so wie es gemeint war.

Die Überzeugung wird immer deutlicher, dass die Wagnerwerke eine universale Energiequelle sind, aber nicht immer gut behandelt werden. In den Goldenen Jahren 1951 bis 1966 hat man nur deshalb viel Erfolg gehabt, weil ein Meister dort die Festspiele geleitet hat. Wenn man das nicht schafft, wird Alles langweilig. Genaue Informationen dazu gibt es in den Besucherzahlen, den verkauften Karten und dem Aufenthalt der Gäste. Diese Werte findet man in den Zahlen der Hotelübernachtungen, Gastronomie – während der Festspielzeit im Juli und August. Daraus kann man eindeutig, eine positive oder negative Tendenz ablesen, auch durch Meinungsumfragen und Auswertungen der professionellen Beobachter. Auch die Aufenthaltsdauer der Besucher und die Einnahmen des Einzelhandels, während der Dauer des Spielplan-Angebots. Das sind klare Hinweise für die Zukunft.

Einfach so, vor Allem nur viel Geld verdienen, geht schon lange nicht mehr. Aber man kann das Angebot erweitern, für das ganze Jahr. Wenn im Festspielhaus zur Zeit, aus den bekannten Gründen, gar keine Vorstellungen stattfinden, dann kann man auf der Bühne auch die guten Aufzeichnungen früherer Jahre anbieten, auf einer großen Leinwand, mit guter akustischer und optischer Qualität. Material dafür gibt es genug.

Das kostet – vergleichsweise – nicht viel , stabilisiert aber die Höhe der gesamten Einnahmen, die insgesamt besser werden, auch für die anderen Nutzer im Handel, in der Gastronomie. An vielen Stellen lässt sich die Altstadt aufwerten, durch vorsichtige Rekonstruktionen, zum Beispiel beim früheren Künstlerlokal „Eule“, früher an den Wänden übervoll, mit den vielen Sänger-Fotos, seit der ersten Eröffnung der Festspiele, im Jahr 1876.

Die ganze Sache ist es wert, aber nicht beschränkt auf fünf Wochen im Sommer und die materiellen, finanziellen Aspekte. Sonst wirkt der Zauber überhaupt nicht.

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