Auferstehung

4.4.2021. Der heutige Ostersonntag ist das Fest der Wiedergeburt. Diese Idee ist noch viel älter. Die Menschen in der Frühzeit beobachteten die Jahreszeiten. Sie fingen an zu messen. Im Herbst verwelkten viele Pflanzen, auch die, mit denen man die tägliche Nahrung zubereitete. Dann kamen auch noch Frost und Schnee. Die Farbe Weiß hat seitdem auch eine Bedeutung für die Lebensdauer und die Reinheit der Gedanken. So wie den Pflanzen erging es auch allen anderen Lebewesen. Der Zeitpunkt des Frühlingsanfang wurde durch die Messung des Sonnenstandes festgelegt. Wo er auf die Erde auftrifft. Im südenglichen Stonehenge setzte man dort einen großen Kreis mit Steinen (Megalithen) in die Landschaft.

Der Termin für Ostern wird berechnet. Es ist der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also frühestens am 22. März und spätestens am 25. April. Dieses Jahr ist das noch recht früh, und deshalb kälter als in anderen Jahren. Aber immer war das eine ideale Reisezeit. Auch für Tagesausflüge in das Hochgebirge, das sich an keinen Kalender hält, außer bei den Pflanzen. Doch Ostern bedeutet viel mehr als eine Ortsveränderung. Der Glaube an die Wiedergeburt ist das Zentrum vieler Religionen. Siddharta Gautama (563 – 483 v. Chr.) gründete den Buddhismus. Er lehrte, dass der Mensch so oft wiedergeboren wird, bis er innerlich rein ist und sich wieder mit dem Universum vereinigt, aus dem er gekommen ist.

Fast fünfhundert Jahre später wurde Christus denunziert, angezeigt und hingerichtet. Am Ostersonntag stand er von den Toten wieder auf. So berichtet es die Bibel. Die alte Geschichte ist voller Kraft, aber viel mächtiger sind die Ideen, die sich danach auf der ganzen Welt verbreiteten. Es entstanden auch Fehler. Glaubenskritiker wurden als Ketzer gewaltsam verfolgt und umgebracht, wie die ersten Christen. Aber vor fünfhundert Jahren wehrten sich einzelne Denker dagegen. Ihnen sind hier einzelne Artikel gewidmet: Martin Luther. Girolamo Savonarola. Christopher Matrlowe, der später unter dem Pseudonam William Shakespeare weltberühmt wurde. Die Liste der Opfer kann Jeder mit Suchmaschinen selbst finden.

Ein Weltprinzip ist der Dualismus. Die Gegensätzlichkeit von zwei Prinzipien. Tag und Nacht. Sommer und Winter. Düstere Epochen auf der Welt wurden von glücklicheren abgelöst. Nach der frühen Hochkultur im Alten Ägypten wurden am Mittelmeer die Griechen und Römer immer mächtigen. Doch nach dem Tod von Christus wurde seine Denkweise immer mehr verbreitet und immer stärker. Die römischen Raubzüge in ganz Europa wurden gleichzeitig schwächer, und im Jahr 800 n. Chr. wurde Karl der Große im Aachener Dom zum Kaiser gekrönt, vom Papst persönlich. Der Höhepunkt des Mittelalters. Siebenhundert Jahre später war auch das vorbei. Die Renaissancezeit danach war, wörttlich, dem Thema der „Wiedergeburt“ gewidmet. Einzelne Köpfe widersprachen der herrschenden Staats-Meinung. Die genauen Messungen der Wissenschaft erweiterten den Horizont noch mehr. Seitdem gab es einen technischen Erfolg nach dem anderen. Bis heute.

Seit einem Jahr herrscht Krisenstimmung, aber die neue Zeit meldet sich schon. Jeder kann sie bemerken. Allein schon in den Menschenmassen, die jetzt wieder unterwegs sind, in der Natur. Und manchmal sind es Kleinigkeiten, die Zeichen setzen.

Am 12.9.2020 gab der italienische Bariton Leo Nucci, Jahrgang 1942, ein Konzert in Piacenza. In der Mitte hörte man Verdis „Nabucco“-Chor über die Gedankenfreiheit. Danach den Schluß-Chor aus Beethovens Neunter Sinfonie, mit Schillers Text über die Freude.

Die beiden Melodien kennt Jeder. Im Text heißt es bei Verdi:

„Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen,
lass dich nieder auf Hängen und Hügeln.“

Schiller: „Freude, schöner Götterfunken, wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum. Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen.
Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur.
Blumen lockt sie aus den Keimen, Sonnen aus dem Firmament,
Aus der Wahrheit Feuerspiegel lächelt sie den Forscher an.“

Ein Teil der Mitwirkenden bei diesem Konzert in Piacenza trug vor der Beethoven-Hymne schwarze Corona-Masken. Es war ein Zeichen der Ermutigung, weiterzumachen, jeder auf seine Art:

https://www.youtube.com/watch?v=65RR1LRz8zY

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