Aus Westfalen in die Welt

6.4.2021. Verglichen mit München und Bayern, ist Westfalen nur tiefe Provinz. Doch das täuscht. Im Süden beginnt gleich das Ruhrgebiet, vor hundert Jahren , mit den Großstädten Duisburg und Gelsenkirchen das Zentrum der deutschen Industrie und Stahlherstellung in Kohlefabriken. In den Sechziger Jahren ging das zu Ende. Vorher kamen aber noch die Gastarbeiter vom Mittelmeer und blieben. Die Städte wuchsen zusammen, auf der Karte sehen sie aus wie eine einzige Mega-Stadt. Und weiter südlich ist das Rheinland. Im Jahr 800 war es der Höhepunkt des Mittelalters, als der Papst in Aachen Karl den Großen zum Kaiser krönte. Er war Herrscher des mächtigen Frankenreichs. Übrig geblieben davon ist Frankreich als eigener Staat und drei Regionen in Nordbayern.

Bevor man jetzt ins Uferlose kommt, geht man zurück an den Anfang. Im flachen Münsterland und seiner offiziell so genannten „Provinzialhauptstadt“ Münster habe ich die ersten 38 Lebensjahre verbracht. Dort lässt es sich leben. Diee ganz große Welt ist weit weg, dafür lernt man die Schätze der kleineren Dimensionen umso besser kennen. So ist es wohl überall in der Provinz, in anderen Staaten spricht man von Regionen. Manchmal ist das ein sehr trauriges Kapitel, wenn die Leute gar nicht merken, wie sie hereingelegt werden. Aber das passiert ja nicht Tag und Nacht oder drängt sich in den Vordergrund. Achtzig Prozent der Erinnerungen sind gut. Ich vermisse viele Menschen, die dort einmal sehr nahe waren, auch die flachen Landschaften mit den vielen Bauernhöfen und den Schmuckstücken aus der Geschichte.

Seit über dreißig Jahren zieht aber dort überhaupt nichts mehr zurück. Das Leben hat sich auseinander entwickelt. Es hatte weniger Sensationen, das war sowieso besser, wenn man nachdenken will oder etwas Neues lernt. Doch das Pech gehört auch dazu. Nach dem Zerbrechen einer achtjährigen Partnerschaft, was bei den Meisten noch viel schneller abläuft, will man die gewohnten Winkel erst einmal nicht mehr sehen. Und weil auf dem Urlaubsweg nach Italien, München immer eine gute Zwischenstation war, landet man dort. Andere gehen nach San Francisco oder New York. Oder zum Züchten von Ananas in Alaska. Das war einmal ein witziger Spruch des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (1915 – 1988). Ihm fielen ständig solche Sprüche ein. Er war ein Original. Von der Mehrzahl der heutigen Politiker kann man das überhaupt nicht sagen. Aber seit gestern ist Ostern vorbei, jetzt blüht die Natur trotzdem immer mehr, und es gibt auch Nachrichten, wo man nicht aus dem Fenster schaut, sondern auf gute Ideen kommt.

Ein Hauptprinzip ist der Vergleich der Vergangneheit mit der Gegenwart. Das lässt sich in Ziffern darstellen, wenn man sich auf die Hauptsachen beschränkt und nicht im Chaos unterwegs ist. Verknüpft man die Ziffern, ergeben sich Veränderungskurven. Zeigen die nach oben, laufen die Alltagsabläufe gut. Zeigen sie nach unten, kann man die Ursachen feststellen und verändern. Doch so einfach ist das leider nicht. Die härtesten Steine im Beruf waren die leitenden Bremsklötze und ihre faulen Freunde. Die ökonomischen Erfolge eines Staats sind mit Diagrammen öffentlich für Jeden zugänglich. Auch zur Auswertung ganz leicht. Eigentlich. Egal, mit wem man spricht, in Jubelstimmung ist fast Niemand. Nicht nur wegen der Einschränkungen und Verbote, sich in Stammlokalen zu treffen oder in beliebte Urlaubsländer zu reisen. Da gibt es noch ganz andere Ursachen. Hier werden sie laufend thematisiert, aber ohne nutzloses Gejammer oder langweilige Reden vor Kameras und Mikrofonen. Über Ostern war es draußen noch kühl, aber sonnig. Also waren auch Menschenmassen unterwegs, die Niemand verjagt hat. Beides geht gleichzeitig: Die Vorsicht und die Realisierung von Aktivitäten. Auch dafür gibt es aktuelle Beispiele, doch noch nicht genug. Das zu verbessern, ist möglich. Wie das geht, wird man hören und sehen.

Festliche Barockorchester hatten noch vergleichsweise wenige Instrumente. Wenn es besonders feierlich zuging, wurden Pauken und Trompeten eingesetzt, um ihre Wirkung zu erhöhen. Händel (1685 -1759) gelang dabei ein Meisterwerk. Am 17.7.1717 erklang seine Wassermusik auf der Londoner Themse und begeisterte damit König Georg I. Leopols Stokowski schuf 1961 eine Studio-Aufnahme, in der man auch diese Stimmung spürt:

https://www.youtube.com/watch?v=hA8yb_MH6bM

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