Bartoks Blick in das neue Jahrhundert

12.1.2022. Bartoks (1881 – 1945) „Konzert für Orchester“ verbreitet eine hoffnungslose Melancholie, ist aber sehr stark in seiner Wirkung. Erwähnt wurde es hier schon in über 40 Artikeln:

https://luft.mind-panorama.de/?s=konzert+f%C3%BCr+orchester&x=8&y=7

Es entstand mitten im Krieg, 1943, und Europas Städte lagen damals in Trümmern. Doch Bartok war schon weiter, weil er sich innerlich fort entwickelt hatte. Nach seinem Tod interessierte sich die Filmmusik dafür. 1961 wurde ein Gletscher in der Antarktis nach ihm benannt, 1989 ein Asteroid im Weltraum. Er mischte seine Klänge mit ungarischer Volksmusik. 1937 verbot er deutschen und italienischen Radiosendern, seine Werke aufzuführen. 1939, kurz vor dem Kriegsausbruch, emigrierte er nach Amerika und starb dort. Er wurde beigesetzt in New York.

Seine Musik trifft genau die düstere Stimmung vor hundert Jahren. Die österreichische Monarchie mit dem Märchenkaiser Franz Joseph war zusammengebrochen, und in Russland wurde der letzte Alleinherrscher erschossen. Zar Nikolaus II. (1868 – 1918). Sein Reich bekam eine völlig neue Form der Regierung. Alle brüchigen Werte des 19. Jahrhunderts verschwanden, auch die mächtige Romantik, auf deren Höhepunkt Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) folgende Zeilen schrieb: „Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort. Und die Welt fängt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.“

Das war auch die Zeit Richard Wagners, aber er sprengte alle Grenzen. Erklärt wird das im Kapitel „Die Deutung der Symbole“, mit bisher 155 Beiträgen.

Seitdem hat sich die Welt technisch weiter entwickelt, aber der Rest der Welt hat sich nicht geändert. Die Dimensionen und Perspektiven der Erkenntnis. „Die Gesetze der Mystik“ sind hier ein eigenes Kapitel. Die Mystik ist das Geheimnisvolle an sich, aber das gesamte Universum funktioniert nur nach Regeln und Gesetzen, deren Verletzung bestraft wird, manchmal erst nach längerer Zeit, aber sicher. Weil das nicht ernst genommen wird, entstehen Kriege und Katastrophen, die voraussehbar sind, weil die Vorzeichen und Alarmsignale eindeutig sind, wenn man sie übersetzen kann. Als Kind kann man davon gar nichts wissen, hat aber schon eine Antenne dafür. Blickt man, auch Jahrzehnte später, darauf zurück, entschlüsseln sich viele Rätsel von selbst. Oder es folgt eine Krise nach der anderen. Zur Zeit ist das  besonders heftig, aber Bartoks Musik und seine Wahrnehmungsfähigkeit schauen noch viel weiter. Man muss nur zuhören, und wenn dann Alles so bleibt wie bisher, wird auch die Zukunft genauso.

Eine der besten Aufnahmen von Bartoks „Konzert für Orchester“ entstand unter der Leitung von Fritz Reiner, 1955 in Chicago. Damals schon in Stereo, entfaltet es einen außergewöhnlichen Klang:

https://www.youtube.com/watch?v=clzcGIdMaN0

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