Bauwerke der Ewigkeit

29.10.2020. Vollkommenheit ist ein Ideal, das in der Realität oft beschädigt wird, aber als Ziel nicht zerstörbar ist. Die Ziffer Zwei enthält die beiden Elemente der Fläche, Länge mal Breite. Das gilt für jedes Fundament. Für die Basis. Die statisch belastbare Tragfläche. Mit der dritten Dimension, der Höhe, ergibt sich daraus die klassische Basis für einen viereckigen Würfel oder für ein rechteckiges Gebäude. Wenn man die Vier verdoppelt, ist es eine Acht. Das Zeichen der Ewigkeit. Eigentlich das Ziel jeder guten Architektur. Ein Bauwerk für die Ewigkeit.

Das war einmal. 1919 entstand, als sogenannte Weimarer Kunstschule, die öde Epoche des Bauhauses, gleich nach der Zerstörungswut des Ersten Weltkriegs. Das stärkste optische Symbol des 20. Jahrhunderts. Die Heimat des vermeintlichen Fortschritts, der Avantgarde. Wikipedia-Lexikon: „Die ursprünglichen Intentionen von Henry van de Velde und Walter Gropius . waren, die Kunst von der Industrialisierung zu lösen und zu emanzipieren. Damit bildeten sie einen Gegenentwurf zur Ästhetik des Historismus, in der kunsthandwerklich entwickelte Ornamente durch industrielle Massenproduktion seriell kopiert wurden. Mit der Rückbesinnung auf das gestaltende Handwerk war die Absicht damit verbunden, eine neue Formensprache zu entwickeln, die dem industriellen Herstellungsprozess gerecht wird. Ein Leitbild des Bauhauses war, die Architektur als Gesamtkunstwerk mit den anderen Künsten zu verbinden. In der Architektur hat sich das modulare Bauen nicht nur bei Industrieanlagen, sondern auch bei der Schaffung günstigen Wohnraums, zum Beispiel in Satellitenstädten von Megametropolen durchgesetzt.“

Ja, leider. Nachdem die Fliegerbomben des Zweiten Weltkriegs bis 1945 alle deutschen Großstädte zerstört und nur noch Trümmerwüsten hinterlassen hatten, begann das Bauhaus seinen Triumphzug der massenhaften Gleichmacherei. Noch heute entstehen an den Stadträndern der Großstädte und in den alten Wohnvierteln die Monumente des Bauhauses. In gesichtslosen Trabantenstädten, die sich ziellos herumtreiben und irgendwo sitzenbleiben, wo sie Jeder sehen muss. Als fluchtbereiter Spaziergänger, beim Wegschauen oder als ständiger Bewohner, der beim Blick aus dem Fenster zu Stein erstarrt, weil er zu viel graues Betongold sieht. In München ist das zum Beispiel der Stadtteil Neuperlach. Der oberbayerische Bauunternehmer Joseph Schörghuber (1920 – 1995) wurde mit solchen Bauten reich. Er kaufte mehrere Brauereien und andere Schätze im Stadtzentrum.

Er schuf den monströsen Arabellapark, weil er die gefühlvolle und schwelgende Oper „Arabella“ von Richard Strauss (1864 – 1949m) liebte. Auch seine Tochter nannte er danach. Arabella singt, in der Oper ein überirdisches Lied, ,“Aber der Richtige, wenn es Einen gibt für mich auf dieser Welt, der wird auf einmal da stehen. Er wird mich anschauen und keine Fragen stellen.“ Sollte man aber doch. Die junge Arabella ahnt aber in ihrem bequemen Wiener Hotelzimmer, was draußen wirklich los ist: „Heute Abend ist der Fasching aus. Heute Abend muss ich mich entscheiden. Da war ein fremder Mensch, heute Vormittag, wie ich hier aus dem Haus gegangen bin. Dort drüben war er, an der Ecke, groß, in einem Reisepelz, und hinter ihm ein Leibhusar . Ein Fremder halt,
aus Ungarn oder aus der Walachei. Der hat mich angeschaut mit großen ernsten, festen Augen. Ich hätte geschworen drauf, dass er mir Blumen schickt!“ Solche Träume werden in dieser Oper märchenhafte Wirklichkeit. Aber auch das monströse Bauhaus.

Es hat sich derart raumfüllend in den Städten ausgebreitet, dass jetzt eine Neubesinnung überfällig ist. Was ist eigentlich schlimm an Ornamenten?

Lange Epochen wurden davon abwechslungsreich dominiert. Das gedankenschwere Mittelalter, vor tausend Jahren, nachdem das riesige römische Weltreich, in seinem maßlosen Überfluss ganz langsam, aber unvermeidlich ausgespielt hatte und politisch zusammengebrochen war. Die grandiosen Bauwerke der diktatorischen Cäsaren stehen aber immer noch. Keine Kriegsbombe hat sie zerstört. In der blühenden Renaissance, im 16. Jahrhundert, ging es sogar um die „Wiederbelebung“ der vermissten, untergegangenen Antike. Danach kamen die überladenen, schwelgenden Zuckergüsse des Barock. Die sehenswerten, stolzen Bürgerhäuser der Klassik im 19. Jahrhundert.

Gleichzeitig entstanden, für die vergänglichen materiellen Gewinne, viele hässliche, riesige, ruß-geschwärzte düstere Fabrikhallen, wo das monoton ratternde Fließband den eintönigen Takt des Arbeitstags markierte. Die Situation der schamlos ausgebeuteten Arbeiter erregte den Zorn von Karl Marx. Nach seinen Ideen entstanden die kommunistischen Weltreiche in Russland und China, ausdrücklich „für die Arbeiter“. Aber gegen den ästhetischen Formenreichtum und die kraftvolle Phantasie, für willenlose menschliche Automaten und Ameisen. Gleichzeitig schuf die künstlerische Romantik Gegenentwürfe, traumhafte Phantasiewelten, als wirkungsvolle Fluchtmöglichkeiten aufzubauen. In Richard Wagners zehn „Gesamtkunstwerken“ strömte das Alles zusammen, in Texten, aufwändigen Ausstattungen und einer Musik, die bis in die fernsten Tiefen der Ozeane eindrang und in die kosmischen Dimensionen des Universums. Dessen Gesetze hat er konzentriert, hoch wirksam, aber nur, wenn dabei gute Künstler mitmachen. Sonst reizen sie zur Langeweile und zum Einschlafen. Die Rache des Universums. Wer dessen Gesetze verletzt, wird unerbittlich bestraft. Man sollte also besser nicht lügen, täuschen, habgierig sein oder morden. In jeder alten Kathedrale sieht man, direkt hinter dem Altar, ein Dreieck mit dem wachsamen Auge Gottes, der Alles sieht, auch in der schwarzen Dunkelheit. Dahinter werden magische, farbig leuchtende Glasfenster als Erstes sichtbar, wenn im Osten die Morgendämmerung beginnt. Das Startzeichen für jeden neuen Arbeitstag, körperlich und geistig.

Organisatorisch gibt es da dringenden Handlungsbedarf. Wenn man die „Gesetze der Ökonomie“ beachtet. Unter diesem Text findet man dazu eine Themen-Übersicht, mit bisher 111 Artikeln.

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