Borisov

1.4.2021. Borisov ist ein russischer Familienname. Am 20.8.2019 entdeckte der Amateur-Astronom Gennadi Borisov auf der Krim einen bisher unbekannten Kometen. Er wurde untersucht. Es handelt sich um einen Besucher aus dem interstellaren Raum: Ein Komet, der vor Millionen Jahren aus seinem eigenen Sonnensystem ausgestoßen worden war. Messungen ergaben, dass die Polarisation des von der Gas- und Staubhülle des Kometen reflektierten Lichts stärker ist als bei Kometen unseres Sonnensystems. Woher der Himmelskörper tatsächlich kam, ist bis heute unklar.

Weil wissenschftliche Messungen bereits viele Rätsel gelöst haben, ist der Komet Borisov etwas ganz Besonderes. Er existiert, wird aber unser Sonnensystem auch wieder verlassen. Das geht bis an die Grenze aller bisherigen Entdeckungen im Weltraum, lässt aber auch offen, ob solche Überraschungen sich noch wiederholen, also bisher nicht voraussehbar sind. Jetzt kann die Phantasie auf Hochtouren geraten. Wahrsager und Zukunftsdeuter haben noch mehr Hokuspokus zu bieten, auch wenn gar nichts dahinter steckt.

Die Wahrscheinlichkeit für neue Sensationen ist gering, denn sonst wären seit Jahrhunderten alle Nachrichten voll davon. Und ob Jemand mit einem neuen Kometen etwas anfangen kann, wissen nur die Chefredakteure. Denen geht aber schon seit dreißig Jahren die Puste aus, weil ihre Arbeit von elektronischen Nasen übernommen wird, die Jeder zum Suchen und Finden benutzen kann. Auf dem Arbeitsmarkt werden viele Berufe einfach verschwinden, die heute noch zum Alltag gehören. Wer darüber noch erschrickt, lebt vielleicht schon auf dem fernen Planeten, zu dem Borisovs Heimat gehört. Es gibt dieses Sonnensystem, aber Niemand kennt es. Vielleicht arbeitet dort überhaupt Niemand mehr. Kein Wunschziel. Maschinen erledigen auf der Erde bereits die meisten körperlichen Arbeiten, sie lassen sich dreidimensional kopieren. Aber nur, wenn denkende Menschen die Konstruktionspläne zeichnen und realisieren. Viele haben gar keine Lust mehr darauf, sondern wollen nur noch genießen. Und damit kippt die Waage um. Das Gleichgewicht wackelt. Krallenfinger kriechen aus der Dunkelheit und mischen sich überall ein.

Aber es gibt trotzdem unbekannte Planeten, die ganz nahe sind. Im Gedächtnis, den Erinnerungen. Den Traumbildern, die oft rätselhaft wirken, aber entziffert werden können. Sie enthalten eine Energie, die auch die Realität verändern kann. In der Vergangenheit schafften das oft nur Einzelne, aber sie setzten sich durch. Die Namen sind sehr bekannt, aber wichtig ist nur das Ergebnis.

1969 sang Peter Sarstedt ein Lied, das Fragen nach dieser unbekannten Welt stellt: „Wohin gehst du, wenn du nachts allein bist?“ Es handelt von den Äußerlichkeiten eines Luxuslebens, glaubt aber nicht, dass das Alles ist:

https://www.youtube.com/watch?v=HqgCnjJVfSg

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