Christopher Marlowes Auferstehung

4.11.2020. Der Name Christopher Marlowe ist für Viele unbekannt oder eine Randerscheinung. So etwas kann sich ändern. Marlowe war ein Zeitgenosse des Theater-Genies William Shakespeare. Seine Identität ist, seit fünfhundert Jahren, ein lebhafter Diskussions-Stoff. Mittlerweile gib es derart viele Spuren, die sich öffnen lassen wie undurchschaubare Labyrinthe. Vor Allem die Bildersprache der Symbolik, die Entschlüsselung von falschen Fährten und absichtlichen Irrwegen führt zu einer sicheren Erkenntnis: Marlowe ist identisch mit dem Dichter Shakespeare.

Vorgestern habe ich dazu einen ausführlichen Artikel geschrieben:

„Die Weltformel – Shakespeare Sonette“

https://luft.mind-panorama.de/die-weltformel-shakespeares-sonette/

In Kurzform: Marlowe ließ seine eigenen Dramen vom damals bekannten Theaterdirektor Shakespeare aufführen, am Londoner „Globe“- Theater (Welt-Theater). Er selbst jedoch schrieb nur, unter mehreren, zunächst wechselnden Pseudonymen, als Hausautor des Theaters. Sein größter Fehler: Unter seinem eigenen Namen, Marlowe, verfasste er mehrere politische Kampfschriften, die für Unruhe sorgten. Man verdächtigte ihn sogar, einen Anschlag auf die Königin zu planen. Doch Elisabeth I. schützte und förderte ihn, besuchte gern seine Dramen. Sie hat eine eindeutige Empfehlung hinterlassen, auch handschriftlich. („Man kann ihm vertrauen“.)

Marlowe war sogar ein enger Freund von Thomas Walsingham, der ein Vetter des allwissenden Geheimdienst-Chef war, und Marlowe soll sogar selbst als Agent aktiv gewesen sein. Zum Verhängnis wurden ihm seine anderen politischen, sehr unvorsichtigen Texte: Er leugnete offen, als Atheist, die Existenz Gottes. Deshalb und wegen Häresie (Gotteslästerung) geriet er immer mehr in das Visier des Erzbischofs von Canterbury, der zielstrebig einen Prozess gegen ihn vorbereitete, mit dem üblichen Ziel einer Verbrennung, als Ketzer. Kurz vorher kam es jedoch in einem Wirtshaus zu einer Messerstecherei, bei der Marlowe angeblich getötet wurde.

Das war vermutlich nur vorgetäuscht. Die Königin musste ja reagieren, sie konnte ihn, in seiner Situation auch gar nicht schützen, aber sie verbannte ihn nur ins Ausland, für den Rest seines Lebens. Ihr Vater, Heinrich VIII. , war bereits an Grenzen gegangen. Er brach mit dem Papst in Rom und gründete eine eigene, anglikanische Staats-Kirche. Mit deren Leitern musste er vorsichtig umgehen. Und seine Tochter, Elisabeth I. auch. Es gab keinen anderen Ausweg: Marlowe musste aus London, wo er sehr bekannt war, verschwinden. Zunächst nach Frankreich.

Vermutlich lebte er danach im norditalienischen Verona und schickte von dort aus ständig neue Stücke an das Londoner-Globe-Theater, das von einem Anderen, dem wohlhabenden Theaterdirektor William Shakespeare, erfolgreich geleitet wurde. In dessen Geburtsort, Stratford Upon Avon, steht auch ein geheimnisvolles Grabdenkmal:

Wikipedia: „Vermutlich kurz nach Shakespeares Tod, wurde in der Seitenwand der Kirche eine Gedenkbüste errichtet, mit einer lateinischen Inschrift, von einer bis heute unbekannten Person.“ Der Text: „Bleib stehen, Wanderer. Warum gehst du so rasch vorbei? Lies das, wenn du kannst: In diesem Monument liegt Shakespeare, – mit dem, dessen rasche Natur starb, dessen Name das Grab verbirgt. Sieh Alles, was er geschrieben hat.“

Gemeint ist damit Marlowe. der diesen verschlüsselten Text vermutlich selbst schrieb und aus dem Exil nach London sandte.

Man kann die Überfülle von spannenden Details zur „Marlowe-Theorie“ im Wikipedia-Lexikon nachlesen, aber auch, dass angesehene traditionelle Experten bis heute nichts davon halten. Ganz klar: Weil sie mit veralteten Methoden arbeiten. Das ist auch ein Hauptproblem der heutigen, allgemeinen Kriminalistik, die viele falsche Gutachten und gerichtliche Fehlurteile ausgelöst hat.

Zum Thema Shakespeare und auch in den meisten Texten seiner unsterblichen Meisterwerke habe ich schon viel gelesen, seit meiner Schulzeit. Aber jetzt fließen die früheren Informationen über Marlowe und den Theaterdirektor Shakespeare logisch zusammen. Das gewaltige Panorama erweitert sich, als hätte man einen Blick in das Universum geworfen.

Von Marlowe gibt es nur ein einziges, deutliches Porträtbild, das ihn als 21jährigen Studenten zeigt. Davon besitze ich seit gestern eine große Farbkopie, die einen Ehrenplatz bekommt. Er schaut den Betrachter so hellwach und aufmerksam an, als wollte er mit ihm sprechen. Und das macht er ja auch, durch seine unsterblichen Texte.

Der Fall Marlowe ist also gelöst, nach fünfhundert Jahren voller Spekulationen und Vermutungen. Sein Porträtbild sollte bei den leitenden Polizisten in Sichtweite stehen. Ungelöste Fälle werden in Zukunft immer seltener, weil das gründliche Datensammeln zuerst die Computer übernehmen und speichern. Entscheidend ist danach aber die richtige Auswertung. Das können sogar einfache, leicht zu bedienende Programme, wenn sie richtig aufgebaut sind. Nach dem Speichern aller wichtigen Daten können sie sekundenschnell ungeklärte Fälle auswerten. Fünfhundert lange Jahre, wie im Fall Marlowe, sind dafür nicht mehr notwendig. Und die nachprüfbare Treffsicherheit ist bald, gar nicht noch mehr steigerungsfähig. Wenn die Daten stimmen.

Experten als wissende Alleinherrscher sind dabei nur Zeitverschwendung. Gerade wenn die vielen Quellen sich widersprechen, kann man ihre Substanz überprüfen. Die „Marlowe-Theorie“ kennt zwar viele Vermutungen, aber man kann sie bewerten. Elektronische Programme müssen zu jedem wichtigen Detail nur Schulnoten vergeben, von Eins (Sehr Gute) bis Sechs (Ungenügend). Daraus ergibt sich eine endgültige Trefferquote. Natürlich können nur Menschen dazu das letzte Wort sprechen. Aber das ist dann nicht mehr schwer.

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