Citizen Kane

14.11.2020. Orson Welles (1915 – 1985) wurde mit einem Schlag weltberühmt, mit dem Film „Citizen Kane“ (Bürger Kane) von 1941. Technisch revolutionär war damals die Tiefenperspektive. Man sah Panoramabilder mit vielen Details, scharf vom Vordergrund bis zum fernen Hintergrund. Dazu rasche Schnitte, die aber nie hektisch wirkten. Eine dramatische Handlung, ohne schreienden Horror, eigentlich langweilig. Aber es war ein, absichtlich nur schlecht getarntes Porträt des mächtigen Zeitungsverlegers Randolph Hearst, der die Details aus seinem Privatleben überhaupt nicht lustig fand. Danach hatte Welles einen Todfeind, der ihm schadete, wo er nur konnte. Sein Genie war zwar nicht zu erschüttern, aber er hatte oft kein Geld für seine unsterblichen, ehrgeizigen Projekte: Zum Beispiel Shakespeares Macbeth und Falstaff und die Kafka-Verfilmung „Der Prozess“. 1958 sollte er im Thriller „Im Zeichen des Bösen“ (Touch of Evil) nur eine Hauptrolle spielen, aber der Star Charlton Heston setzte durch, dass Welles auch die Regie übernahm.

 Aufsehen erregt Welles zuerst, mit dem 1938 von ihm von ihm inszenierten Hörspiel „Krieg der Welten“, das ihn landesweit bekannt machte. Eine erfundene Rundfunk-Reportage, über die plötzliche Landung von angreifenden Außerirdischen in New York, im Stil einer aufgeregten, spannenden Direkt-Übertragung. Viele Zuhörer glaubten das und flüchteten in Panik auf die Straßen. Danach war der Erfinder bekannt.

„Citizen Kane“ beginnt mit dem Tod des steinreichen US-amerikanischen Zeitungsmagnaten Charles Foster Kane, einsam auf seinem pivaten Traumschloss Xanadu, als er gerade eine gläserne Schneekugel betrachtet. Sein letztes, ganz leises Wort vor dem Tod ist „Rosebud“ (deutsch: Rosenknospe). Im ganzen Film löst sich dieses Rätsel um die Bedeutung des Stichworts erst ganz zum Schluss auf, ganz wortlos: Ein hölzerner Kinderschlitten wird beim Aufräumen ins brennende Kaminfeuer geworfen, der den Schriftzug „Rosebud“ trägt. Eine Kindheitserinnerung.

Davor sieht man Kanes ganzes Leben. Seine ehrgeizige, steile Karriere. Die Umstrukturierung und Neuausrichtung seiner eigenen Tageszeitung begleitet er mit einer offenen Absichtserklärung. Darin sichert er zu, er wolle die Bürger- und Menschenrechte seiner Leser immer verteidigen und eine Zeitung machen, die wahrheitsgetreu und unabhängig von finanziellen Unternehmerinteressen berichtet. Die Zeitung, der „Inquirer“ (Untersucher), wird in den folgenden Jahren zur auflagenstärksten Zeitung New Yorks. 

Durch die aufwändigen Perspektiven und Lichtwirkungen, den Wechsel von Dokumentarstil und märchenhaften Motiven, ist der Film sehr suggestiv. Orson Welles hatte selbst auch viele andere Projekte, stellte sie aber aus Geldmangel, zeitweise jahrelang zurück oder gab sie auf. Er spielte dafür in vielen wichtigen Filmen anderer Regisseure mit, sorgte dabei für Qualität selbst in kleinen Nebenrollen.

Hier wird Kunst zur Realität. Und umgekehrt. Die phantastischen Träume des reichen Unternehmers begleiten, als zweite Ebene, die realen Lebensbilder des Erfolgsmenschen und seine Geheimnisse, die selbst, trotz hartnäckiger Nachforschungen, nicht erkannt und gelöst werden.

In der Wirklichkeit passiert das oft. Schlecht ist es nur dann, wenn damit Betrügereien vertuscht werden, die ahnungslosen Opfern schaden. Licht ins Dunkel bringen die immer noch fehlenden Computerprogramme, die nicht nur Datenberge sammeln, sondern sie auch bewerten, deuten und aufklären. Das ist längst kein technisches Problem mehr, aber eine Frage der Organisation, der angewendeten Methoden. Dabei darf niemals über das Ziel hinausgeschossen werden. Eine übertriebene Totalüberwachung verletzt alle gut bekannten Freiheitsrechte, die unsere Verfassung garantiert und gehört nicht in unseren Staat. Die Technik erleichtert das immer mehr, aber sie darf nicht missbraucht werden. Spuren davon gibt es genug. Nur hinschauen muss Jeder selbst, und dann nicht die Augen schließen. Dazu soll auch dieser Artikel beitragen.

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