Colonia Dignidad

5.11.2021. Als ich zwölf Jahre alt war, freute sich ein Klassenkamerad auf dem Gymnasium begeistert darüber, dass seine Eltern mit ihm nach Chile auswandern wollten. Endlich weg aus der Kleinstadt! .Südamerika, das klang nach Dschungel-Abenteuern und viel Abwechslung. Erst Jahre später kam die volle Wahrheit heraus: Er nannte damals nur den unbekannten Namen Paul Schäfer, später wusste es die ganze Welt: Sie waren in der „Colonia Dignidad“ gelandet, der „Kolonie der Würde“. Schon das Wort Kolonie war von vorgestern, heute sind das selbständige Staaten. Und die „Menschenwürde“ gehört zu den Garantien unseres Grundgesetzes von 1949. Die Wikipedia schreibt:Die Colonia Dignidad ist ein befestigtes Siedlungsareal in Chile, das von einer christlichen Sekte von Auslandsdeutschen[2] bewohnt wird. Sie wurde durch die unter anderem während der PinochetDiktatur begangenen Menschenrechtsverletzungen weltweit bekannt. Die 30 Quadratkilometer umfassende Colonia Dignidad wurde im Jahr 1961 von dem Deutschen Paul Schäfer gegründet. Sie liegt ca. 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile, im Gemeindegebiet von Parral.“

Wie man der Wikipedia und anderen zuverlässigen Quellen entnehmen kann, war das Lager ein Folterzentrum. Nach außen hin war alles adrett und ordentlich, wie es früher als vorbildlich galt. Das Innenleben war beherrscht von Zwang und Gewalt, fast dreißig Jahre lang. Mehrfach waren auch Besucher des Auswärttigen Amts aus Deutschland anwesend. Dafür entschuldigte ich der damalige Bundesaußenminister, der jetzige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch für die passive Tatenlosigkeit seiner Behörde. Das deutsche Grundgesetz verpflichtet alle Staatsbürger, auch im Ausland sich an dessen Gesetze zu halten. Passiert ist trotzdem nichts,

Jetzt ist der ganze Spuk, der reale Horror verschwunden..Wikipedia: „Am 24. Mai 2006 wurde Schäfer von einem chilenischen Gericht des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 25 Fällen für schuldig befunden und zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren und Zahlungen von insgesamt 770 Millionen Pesos (über 1 Mio. Euro) an elf Jugendliche verurteilt.“ Vier Jahre später ist Schäfer gestorben.

Diesen Fall noch einmal aufzurollen, bringt erst einmal gar nichts. Rückgängig machen lässt sich auch nichts. Für ihren Arbeitseinsatz bekamen die Opfer kein Geld. Ob sie Entschädigungen bekommen haben, kann Jeder selbst herausfinden. Das Problem dabei ist, dass für vorsätzliche oder grob fahrlässige Fehler seiner Mitarbeiter der Staat voll haftet. Er muss von den Verursachern sogar Schadensersetz verlangen, keine gekürzten Entschädigungen. Und damt wird der Fall aktuell und allgemein interessant. Ein ähnliches Kapitel findet man hier, unter der Überschrift „Der Bayreuther Fall Mollath“ :

https://luft.mind-panorama.de/category/1-a-bayreuths-unsichtbare-weltuhr/1c-der-bayreuther-fall-mollath/

Auch dabei kann sich Jeder über die Details selbst informieren. Der Skandal ging jahrelang voll durch die Presse und alle Informationsmedien. Die Beschuldigungen gegen Mollath brachen restlos zusammen. Er hatte private Schwarzgeldgeschäfte gemeldet, bekam dafür keine Belohnung sondern eine menschenverachtende Strafe. Am 20.10..21 schrieb ich dazu den Artikel  „Persönliche Geschenke“. Zitat: „Da die Justiz Mollaths Schwarzgeldvorwürfe gegen seine eigene Ehefrau niemals  umfassend untersuchte, gab es außerdem Spekulationen, Mollath sei Opfer einer Intrige zur Vertuschung dieser Vorgänge geworden – insbesondere seit ein 2012 öffentlich gewordener Revisionsbericht der Bank Unregelmäßigkeiten feststellte, die Mollaths Vorwürfe bestätigten, soweit sie nachprüfbar waren. 2018 erhob Mollath Schadenersatzforderungen gegen den Freistaat Bayern, die im November 2019 nach einem Vergleich zu einer Entschädigung von zusätzlich 600.000 zu bereits 70.000 vormals erhaltenen Euro führten.“

Diese Webseite beschäftigt sich auch mit den Methoden der Kriminalistik, die von Computern immer besser genutzt werden. Trotzdem sind laufend solche Fehler zu beklagen, die durch Informationslücken oder falsche Auswertungen verursacht werden. Das sind keine Pauschalurteile. Die Arbeit der Polizei und der Gerichte ist anstrengend und hochwertig, aber es darf nicht zu sochen Fehlern kommen wie bei der Colonia Dignidad und vielen anderen.

Das ist auch eine Perspektive für die Zukunft, die sich relativ schnell erfüllen lässt.

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