Das Beste vor 34 Jahren

15.5.2022. Die ältesten Freundschaften in München sind deshalb  34 Jahre alt, weil sie im ersten Jahr entstanden. Meistens zufällig, mittags im Gedränge am Marienplatz oder spätabends, in den Bierlokalen, die immer auch den Zweck hatten, Einsame miteinander zu verknüpfen. Das konnte sehr schnell vorbei sein, und meistens war das gut so. Im November 1988 stand plötzlich eine unbekannte Person neben mir und ging nach fünf Minuten, ohne Gruß. Eine Stunde später war es ein Uhr früh, in der Nähe waren überfüllte Lokale an der Blumenstraße, und plötzlich kam eine Hand aus der anonymen Menge, die  sich, eine Stunde vorher, noch nicht einmal verabschiedet hatte. Daraus wurde eine Freundschaft, mit gutem und schlechten Wetter, aber zuverlässig. Manchmal muss ich mir dann anhören, wie dumm ich bin. Widerspruch zwecklos, jeder Mensch hat seine eigenen Spezialgebiete, in denen er Meister ist. Das kann sich ergänzen, und dann ist das Ergebnis gut. Selbstverständlich ist das nicht, das Gegenteil ist viel öfter unterwegs, aufdringlich. lügt und betrügt. Deshalb will ich mit den meisten Menschen von 1988 überhaupt nichts mehr zu tun haben.

Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass die meisten Denkmethoden, die hier offen erklärt werden, dem Rest der Welt völlig unbekannt sind. Das ist nur deshalb schade, wenn es sich um leitende Köpfe handelt, die mit ihren Entscheidungen grenzenlose finanzielle und menschliche Schäden verursachen können, oder bei Gutachten große Lücken zeigen, die in Gerichtsprozessen zu falschen Urteilen führen. Niemand weiß Alles, kann aber seine eigenen Informationsfehler erkennen und beseitigen. Wer dabei hilft, ist ein Freund, auch wenn dieses Wort viel zu oft verraten und verkauft wird.

In der ganz großen Politik ist das ein Heilmittel ohne Apotheke.  Dazu gibt es hier ein ganzes Kapitel, direkt unter diesem Text. Wenn an den wichtigsten Schalthebeln in einer Firma die falschen Personen sich breit machen, geht der ganze Verein unter, auch wenn das jahrelang dauert. Die Alarmzeichen sind von Anfang an erkennbar, werden aber oft nicht gesehen oder ernst genommen.

Gestern bekam ich eine Anfrage nach einer Vorstellung in der Oper, die schon seit 2015 erfolgreich ist. Aber es gab nur noch Restkarten, im Januar ist noch Platz genug. Mich interessiert das nur deshalb nicht, weil ich seit zehn Jahren kein Musiktheater mehr besucht habe. Die Gründe sind vielen Musikfreunden bekannt, aber auch sie vermisse ich nicht. Vor zwanzig Jahren, im August 2000, habe ich an den ersten Musik-Diskussionen im Internet teilgenommen, das reicht bis heute, und die Gesamtsituation hat sich nicht verbessert. Trotzdem schreibe ich gern über das Thema, ohne dabei kalten Kaffee aufzuwärmen. Es lässt sich nicht ändern: Im Internet findet Jeder die besten Inszenierungen aller Zeiten, in einer technischen Qualität, die sich kaum noch übertreffen lässt. Das gilt auch für Kinofilme,  zu denen es hier ein eigenes Kapitel gibt.

Früher war ich schockiert, wenn Mitwirkende, die Niemand kennt, ihre Maske fallen ließen. Unvergesslich, aber meistens nicht empfehlenswert. Die besten waren immer offen für Gespräche und haben dabei niemals erwartet, dass man ihnen gehorsam nach dem Mund redet, sondern eine eigene Meinung hat, die sich auch begründen lässt. Ein besonders angenehmer Herr ließ sich danach nur noch aus einer Entfernung von 300 Metern sehen, und nachgelaufen bin ich ihm nicht. Auch er hatte ein Smartphone, dessen  Mikrofon offensichtlich eingeschaltet war und im Internet mitgehört weren konnte. Geheimes gab es dabei niemals, aber es war kein Einzelfall, dass viele Gespräche nicht mehr fortgesetzt wurden, weil sie unerwünscht waren, dort, wo selbst die steilsten Berge noch nicht ihre schönsten Gipfel zeigen. Mein Wunsch ist es, dass dieser Unsinn aufhört, genauso wie jeder schlechte Film. Ich vermisse einige Menschen,  trauere aber Niemandem hinterher. Wer Zeit hat, in alle 46 Kapitel hier nur einmal hineinzuschauen,  versteht sowieso schon lange, wie das gemeint ist.

Mitte Mai hat das Jahr noch keine Halbzeit, bewegt sich aber immer schneller darauf zu. Das ist ein Lebensrhythmus, der im  ganzen Universum funktioniert. Gestern gab es hier den Artikel „Die nächsten Jahresbilanzen“:

https://luft.mind-panorama.de/die-naechsten-jahresbilanzen/

Zitat: „Vor zwanzig Jahren war ich mit einem Münchner Journalisten befreundet. Wie trafen uns fast nur in der Staatsoper, weil er auch ein leidenschaftlicher Opernfreund war. Er war so oft da, dass er sich nur billige Karten leistete, während ich seltener auftauchte. Bei der Verärgerung über eine schlechte Inszenierung freute  er sich, wenn ich ihm eine gute Karte im Parkett überließ. Außerdem förderte er das Opernhaus finanziell, war dort den wichtigsten Mitarbeitern gut bekannt. Premierenfeiern zu besuchen, war kein Problem, und einmal nahm er mich mit. Das war im Oktober 2000. Ein paar Jahre später ist er leider verstorben, und unser letztes Telefonat werde ich nie vergessen. Inhaltlich war es für Fremde unwichtig, hatte aber einen persönlichen Wert.“

Auch das ist ein Prinzip, dessen Wert finanziell nicht berechnet werden kann. Aber es gilt.

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