Das Ende der Weltreisen

13.3.2021. Als in den Ozeanen die ersten Lebewesen der Erde auftauchten, passten sie sich an das Wasser an. Die Raubtiere tarnten sich, mit ganz unauffälligen Formen und Farben. Die Harmlosen wurden besonders bunt oder furchterregend, um ihre Fressfeinde abzuschrecken. So entwicklten sich viele unterschiedliche Rassen, durch Mutation, die Veränderung ihrer äußeren Form. Doch was sich bewegt, will noch mehr. Also gingen die Tiere ans Land. Zunächst als Amphibien, die in beiden Elementen leben konnten. Zur Zeit der Saurier, vor etwa 252 Millionen Jahren, entstanden die ersten Vögel, die noch ihren Zeitgenossen sehr ähnlich waren. 1861 fnd man im bayerischen Solnhofen die Knochen eines fast vollständig erhaltenen Exemplars und konnte daraus Rückschlüsse auf sein Aussehen ziehen.

So steigerte sich die Besiedlung und Nutzung der Erde, in ihren ausgefallensten Formen. Charles Darwin (1809 – 1882) reiste sogar mit einem Forschungsschiff zu den Galapagos-Inseln in Südamerika. Er untersuchte dort die Vögel und kam zu dem Ergebnis, dass ihr unterschiedliches Aussehen von ihrer natürlichen Umgebung und Anpassung abhing. Ihm wurde unterstellt, er habee behauptet, dass der Mensch vom Affen abstammt. Tatsächlich handelt es sich nur um eine einzelne Entwicklumngslinie neben vielen anderen.

Das Reisefieber steigerte sich mit den großen Weltreisen der Entdecker, vor vierhundert Jahren. Kolumbus bekam den Auftrag seines Königs, das Märchenland Indien zu finden. Stattdessen entdeckte er Amerika, das auf dem Seeweg viel weiter entfernt war.

Im letzten Jahrhundert übernahmen Flugzeuge den Transport. Der Massentourismus schaffte immer höhere Rekorde. Gleichzeitig wurde das Reisen billiger, weil die Konkurrenz größer wurde. Vor einem Jahr wurde das Alles auf Sparflamme heruntergefahren. Und die alten Zeiten kommen nicht zurück. Wer etwas erleben will, hat unendlich viele andere Möglichkeiten. Sogar die reisefreudigen Politiker haben umgeschaltet auf Videokonferenzen und sparen damit sogar Übernachtungskosten. Auch sonst hat der Massentourismus viel Attraktivität verloren, weil er austauschbar geworden ist. Bei den Übernachtungskosten und bei den Reisezielen. Zwar haben die alten Städte ihre unverwechselbaren Eigenarten, aber das Angebot hat sich vereinfacht. In den Stadtzentren gibt es immer mehr Ladenketten, die auf allen Kontinenten gleich aussehen.

Das Äußerliche wird langweiliger. Der Gesprächsstoff auch. Viele haben sich daran gewöhnt und schwatzen einfach stundenlang. Oder machen die Arbeiten, die man in jeder anderen Stadt genauso machen kann. Doch der Bedarf sinkt. Für die Grundbedürfnisse der Nahrung und Kleidung gibt es reichlich Angebote. Alle Andere kommt auf den Prüfstand. Lohnt es sich noch? Seit einem Jahr haben die Angebote sich stark reduziert. Das wird sich verbessern. Aber nicht mehr in den gleichen Größenordnungen.

Der ganze Arbeitsmarkt schrumpft. Und die grauen Nebelzonen, die dunklen Schattenbereiche auch. Es werden immer mehr Menschen keine Wunschberufe mehr bekommen. Neid und Habgier schwellen an. Aber auch da gibt es klare Grenzen. Die müssen auch sein, weil Ungerechtigkeiten alle Spannungen steigern. In Zukunft werden immer mehr Karten auf den Tisch gelegt, vom Besitzer oder von der Justiz. Sogar das Internet hat grenzenlose Möglichkeiten, sich Weltreisen zu ersparen, weil die Daten immer genauer werden. Wer dabei herumtrickst, hält das auf Dauer nicht durch. Denn die Bewertungen, die Fehler und deren Ursachen sind frei zugänglich.

Wirkliche Hilfe bringt nur eine Änderung des Innenlebens. Weil sehr Vieles sich in der Außenwelt abspielt, kann das sehr schwierig sein, ist aber unvermeidlich. Die Spuren werden immer leichter erkennbar. Und wer nicht mitmacht, gehört zu den Verlierern. Die Mehrheit weiß das nicht. Aber Informationen werden auch das ändern.

Wie man ganz weit weg sein kann und trotzdem sich selbst ganz nahe, hat Anton Dvorak (1841 – 1904) gezeigt. 1893 schrieb er in Amerika seine „Sinfonie aus der Neuen Welt“. Berühmt ist vor Allem der langsame zweite Satz, das Largo. Hier dirigiert Herbert von Karajan:

https://www.youtube.com/watch?v=UfqwfgqmVPU

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