Das Erwachen

5.11.2020.Das Aufwachen ist etwas Alltägliches. Aber es geschieht unterschiedlich. Wer morgens um sieben Uhr am Arbeitsplatz sein muss, geht sieben Stunden vorher schlafen, dann sind die inneren Batterien eigentlich wieder aufgeladen. Schichtarbeiter müssen manchmal morgens um zwei Uhr beginnen, gehen deshalb auch am frühen Abend schlafen. Manchmal ist das jeden Tag eine andere Zeit. Der Körper will keine ständigen Änderungen seiner Gewohnheiten, darum ist es gewöhnungsbedürftig, klappt aber in vielen Berufen. Kürzlich rief mich ein Säufer an, der wegen des weltweiten Lockdowns zur Zeit keine Arbeit hat. Er wusste mit der gewonnenen freien Zeit nicht viel anzufangen, wollte auch nicht dem Alkohol die ganze Zeit schenken und fand an den leeren Biertheken auch seine gewohnten Stammgäste nicht mehr. Da er ein lebensfroher, eigentlich sehr ernsthafter Mensch war, hatte er jetzt Probleme, die Andere sowieso nicht haben. Aber das ist kein Grund für Schadenfreude. Die dramatische Verringerung der Kontakte erzeugt auch neue Ideen.

Der Spielraum dafür ist groß. Wenn der vorgeschriebene Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird, dann gibt es noch viele Möglichkeiten. Jeder muss selbst darauf kommen, aber im Internet gibt es viel interessante Angebote. Natürlich auch unseriöse. Und das wird immer deutlicher: Sie hinterlassen Spuren. Die Welt wird sauberer, nicht weil die Menschen besser geworden sind. Aber sie kennen die Strafen. Oder lernen sie kennen. Der Kern ist immer der Gleiche. Der Dekalog. Gottes zehn Anweisungen. Jeder kennt sie. Das Verbot zum Lügen, stehlen, morden, betrügen, verleumden und berauben. Die Habgier. Die Hemmungslosigkeit.

Hörte man das, in den schon seit vielen Jahren immer leerer werdenden Kirchen, war es langweilig. Weil oft eine leere Phrase nach der anderen verkündet wird. Einschläfernde Wiederholungen, ohne praktischen Wert. Aber sie sind das Fundament unserer universalen Weltordnung, immer schon. Auch als es noch gar keine schriftlichen Gesetze gab. Juristische Literatur ist meistens langweilig, weil da alle Möglichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten breit durchgekaut werden, in einer komplizierten Sprache für Eingeweihte.

In der Realität gilt etwas ganz Anderes: Schon als Jugendlicher hat man Erfahrungen, die in einer Werte-Skala gespeichert werden. Verstöße dagegen fallen rasch auf. Und die Verursacher. Wenn sie sich raffiniert tarnen, kann man ihre Auffälligkeiten bemerken und entschlüsseln. Den nötigen Verstand dazu hat nicht Jeder, denn sonst wäre die Kriminalstatistik leer. Aber das macht nichts, wenn Computerprogramme gebaut werden, die nicht nur Daten sammeln. Sondern sie auswerten. Ihre Häufigkeit. Die geographische Lage. Die erwischten Täter. Das Alles geschieht längst. Aber es fehlen noch ein paar Gewürze. Konkrete Zahlen. Die Motive. Ihre Ursachen. Dann ist man schon fast am Ende der Aufklärung. Weil Gesetze für Alle gelten, muss man die Auswertungen geographisch erweitern. Auf eine Stadt. Eine Region. Einen Staat. Und andere Staaten.

Korrekte Vergleichszahlen ergeben sich aber nur aus Umrechnungen. Gesamtzahl, geteilt durch Einwohner. Dann sieht man sofort, auch in unterschiedlichen Staaten, warum sie krank sind. Und wer dafür verantwortlich ist. Nämlich nicht die Opfer. Dazu muss man nur die gleichen Werte ermitteln, für vergangene Jahrzehnte, die Veränderungen.

Daraus ergeben sich wirkungsvolle Lösungen. Es liegt offen auf der Hand, wo das nicht geschieht. Viele Schwätzer kann man zwar abwählen, aber sie tun besonders freundlich, für Alle. Angeblich. Aber das Ergebnis ihres Handelns stimmt nicht. Es ist negativ.

Beruflich hatte ich oft mit solchen Zuständen zu tun. Sonst wäre es nur Gerede. Aber bei Wiederholungen von schlechten Arbeitsabläufen sind, vor Allem die Namen der Beteiligten ganz unwichtig. Sie müssen sich ändern oder abgelöst werden. Meinungsumfragen auf der Straße sind oft wirkungslos, weil sie keine gezielten Fragen stellen. Genauso unverbindlich sind die Ergebnisse. Wertlos.

Computerprogramme sind erst einmal die Sache von Technikern. Das bin ich nicht. Aber ich weiß, wie sie funktionieren. Oder auch nicht. Das wollen die Nutznießer gar nicht wissen. Zum schlechten Betriebsklima aus Intrigen, Mobbing und Psychoterror kommen dann noch die Störungen, die Bremsversuche für einen machbaren Erfolg, der sich in der Realität spiegelt, in den schlechten Jahresbilanzen. Außerdem schadet die Verärgerung der zahlenden Kunden, die am zerbröckelnden Laden gar nichts bewirken. Bei der Umwandlung von schwerfälligen Staats-Behörden in Privatfirmen kann man das genau studieren.

Werden dabei Fehler gemacht, ist die allmähliche, unvermeidliche Pleite schon fest vorprogrammiert. Wird jedoch eingespart, ohne die zuverlässigen Mitarbeiter nutzlos zu belasten, dann sieht man es auch in den Zahlen. Nicht nur am Jahresende. Das ist täglich machbar, ohne dass man ständig vor den Tabellen sitzt. Eine gute Entwicklung setzt sich von selbst durch, weil die Mehrheit das so will. Das kann man laufend feststellen und darauf reagieren.

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