Das Garibaldi-Denkmal

23.9.2020. Das Garibaldi-Denkmal gibt es in München noch nicht. Aber wo könnte es stehen? Natürlich vor dem italienischen Konsulat, einem Altbau in der Mohlstraße, im vornehmen Bogenhausen. Typischer für das Volk, also die hart arbeitende Bevölkerung, wäre eine Pizzeria oder ein Eiscafé. Nicht zu vergessen den Platz, den Conny Froboess unsterblich machte, mit dem Text: „Zwei kleine Italiener, am Bahnhof, da kennt man sie. Sie kommen jeden Abend zum Schnellzug nach Napoli.“ Das sang sie 1962, in einem nachgebauten Eiscafé. Hier erlebt man das Original-Video des Lieds in Farbe, aus der Zeit, als die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen:

https://www.youtube.com/watch?v=OpfJEo3LXF0

Giuseppe Garibaldi (1807 – 1882) erkämpfte 1860 die Einheit von Nord- und Süditalien. Es war eine politische, geographische Vereinigung. Offen ist immer noch die ökonomische, also auch die soziale Einheit und die Beseitigung vorhandener Ungerechtigkeiten.

Der reiche Norden wird dominiert von der Industrie, von gut verdienenden Weltfirmen wie Fiat. Oder Delikatessen von Ferrero mit der Piemont-Kirsche. Ode Chianti aus der Toskana. Dazu kommen die kulturellen Metropolen wie Florenz, Venedig und Rom, die viele zahlende Besucher anlocken. Das römische Parlament verteilt alle Gelder, auch die eigenen Subventionen des Landes-Haushalts und die Millionen-Zuschüsse aus der Europäischen Gemeinschaft. Doch nicht Alles findet seinen Weg zu den dringendsten Empfängern im Süden, verdampft spurlos, unterwegs zum heißen Mezzogiorno (Mittagsland), wo die ärmsten Regionen sind.

Südlich von Neapel wird es ganz heiß und trocken. Die Landwirtschaft kämpft gegen eine übermächtige preiswerte Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Rinder und Schafe brauchen zwar viele bepflanze, wertvolle Weideplätze in den abgelegenen Gegenden, schaffen aber keine hohen Einnahmen.

Das lässt sich zwar ganz anders machen, aber es geschieht nicht, weil die Schalthebel weit weg, in der Hauptstadt geblieben sind. Es gibt ein aktuelles Video der drei jungen Tenöre, „Il Volo“ aus dem südlichen Matera, da singen sie in massgeschneiderten schwarzen Anzügen „Ave Maria“, im römischen Senat, dem italienischen Parlament wo auch alle Gesetze beschlossen werden. Die Zuhörer, die höchsten Spitzenpolitiker, sind überwiegend alt, rühren sich kaum. Sie haben Alles überstanden, auch die überlange Herrschaft der unverwüstlichen Super-Partei „Democrazia Christiana“ seit 1946. Hier kann man den letzten Auftritt der drei jungen Tenöre von „Il Volo“, mitten im Parlament sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=Jwo_tg1KFxc

Der kurze, vierminütige Film ist typisch für die Situation im ganzen Land. Die jungen Leute wollen zwar arbeiten, aber es gibt nicht genug freie Plätze, dafür eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit, die Spannungen und Gesetzesverstöße ermuntert.

Deshalb sind vor sechzig Jahren die ersten Gastarbeiter abgehauen. In Deutschland bekamen sie einen anständigen Lohn, die Familien blieben aus Kostengründen oft zu Hause, bekamen aber zuverlässig, regelmäßige Geldübwerweisungen aus Deutschland, mit denen man auch im Süden eigene Wohnhäuser bauen konnte.

Allerdings waren längst die echten Neidhammel da, wollten wertvolles, erdbebensichees Land mit aller Gewalt für sich selbst. Manchmal gab es dabei Tote oder ausdauernden Psychoterror. Jeder örtliche Bürgermeister heisst dort wörtlich „Sindicato“. Seine Gemeinderäte und sonstigen Freunde nennt man „Syndicat“. Im Deutschen ist das auch ein Fachwort für organisiete Machenschaften, für sonstige saubere Projekte und Erfolge.

Ein besonders schockierender Fall aus der Basilicata wird schon seit 2005 auf folgender Webseite ausführlich dokumentiert:

http://www.uricchio.de/

In den ganzen Jahren hat sich trotzem nichts Wichtiges verbessert. Die Hauptstadt Rom ist weit weg und auch in vielen anderen Fällen schwerhörig, weil dort sehr alte und von der eigenen Arbeit erschöpfte Politiker arbeiten. Ein besonders geschädigter Ort wird in dem Crosslink oben genannt, heißt Pomarico und liegt in der ärmsten Region Basilicata, genau an der Grenze zum benachbarten Kalabrien. Dort könnte auch in Zukunft das bisher nicht existierende Garibaldi-Denkmal direkt vor dem Rathaus stehen, für bessere Zeiten. Nicht weit entfernt ist die Stadt Matera, wo der Schriftsteller Carlo Levi vor siebzig Jahren ein deutliches Buch über die altbiblischen Zustände schrieb. Die Bewohner von löcherigen Felsenhöhlen aus der Steinzeit bekamen, kurz danach von der Regierung gute Neubauwohnungen. Sie wussten nicht, was die Badewannen bedeuteten und pflanzten dort Blumen an.

Der schlecht behandelte Ort Pomarico, über den auf der verlinkten Webseite oben ausführlich berichtet wird, könnte ein ermutigendes Beispiel für die Zukunft werden. Das Wort eignet sich als exklusiver, geschützter Markenname, wie der teure Delikatess-Schinken aus Parma. Die Einwohner, also die Pomaricaner (Pomaricani), können sich den Begriff genau so schützen lassen und in das amtliche Handelsregister eintragen. Wenn die Konkurrenz das nicht beachtet, wird es ganz teuer für sie: Geldstrafen, Entschädigungszahlungen, Bruch des Markenrechts werden vor dem Europäischen Gerichtshof verhandelt und finanziell vergoldet. Doch erst einmal muss Jemand den Markenschutz beantragen. Wenn es ein ganz Fremder ist, hat er glücklicherweise Pech gehabt. Cognac darf man auch nicht jeden Weinbrand nennen, sondern nur den aus der französischen Stadt Cognac. Aber beeilt euch, trotzdem ! Derneue Markenname Pomarico ist unbezahlbar, und er taucht zum ersten Mal heute, in diesem Artikel auf. Das allein dokumentiert die aktuelle Rechtslage und schützt schon vor Raubrittern.

Was kann die neue Marke Alles bieten? Das, was in der Region möglich ist. Wein. Käse. Orangen. Rinderprodukte. Exklusive Mode von erfolgreichen, bisher ubekannten Designern. Gut zahlende Computerfabriken, die nicht an einen festen geographischen Standort gebunden sind. Und noch viel mehr, über das jeder Betroffene selbst nachdenken kann.

Mein eigenes Urheberrecht bei diesem Thema spende ich für die Region. Das lässt sich schnell regeln. Eine einzige, bereits erreichbare Vertrauensperon reicht dafür aus.

Gestern kam aus dieser Richtung Gelächter. Weil ich gern das Gedicht von Garibaldi zitiere, mit dem nach drei Minuten Mascagnis Mezzogiorno-Oper „Cavalleria Rusticana“ (Bauernehre) durch eine menschliche Stimme im sizilianischen Dialekt ergänzt und vertieft wird, zu Beginn mit den Worten: „Wer gab dir das Gesicht?“ Sinngemäße Antwort: Die Mutter und die Familie. Das ganze Land.

Hier kann man die Oper vollständig anschauen (nur 71 Minuten) :

https://www.youtube.com/watch?v=Oc58cIExp_U

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