Das Lied von der Erde.

5.1.2021. Gustav Mahlet (1860 – 1911) ist bekannt vor Allem durch seine großen Sinfonien, so wie auch Ludwig van Beethoven. Beide haben eine völlig unterschiedliche Klangsprache, mit der Beethoven berühmt wurde. Mahler hatte lange Zeit große Schwierigkeiten damit, aber er meinte: „Meine Zeit kommt noch.“ Und das stimmt. Heute sind seine Sinfonien selbstverständlicher Teil der großen Konzertprogramme. Dabei setzte er auch auf das einmalige Instrument der menschlichen Stimme. In der zweiten, dritten, vierten und vor Allem in der achten „Sinfonie der Tausend“, wo er alle Superlative übertrifft. Beethoven ergriff solche Möglichkeiten erst in seiner letzten, der Neunten Sinfonie mit dem großen Schluss-Chor „An die Freude“. In Schillers Text heißt es: „Brüder, über dem Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen. Alle Menschen werden Brüder.“ Das sind Ideen der Freimaurer, bei denen Beethoven und Schiller auch Mitglieder waren.

Die Freimaurer arbeiten diskret. Im Internet und in alten Büchern findet man aber Alles über ihre Gedanken. Auch das, was sie öffentlich nicht sagen wollen. Bei der Gründung der Vereinigten Staaten (USA) trug Präsident George Washington eine Festuniform der Freimaurer. Ihre Spuren findet man überall in der Geschichte, wo Wichtiges passierte. Rätsel und Gerüchte gehören dazu. Aber auch die kann man lösen.

Sie respektieren alle Weltreligionen, als Zeichen des „Allmächtigen Baumeisters Aller Welten“ (ABAW). Auch alle ernsthaften Glaubensgemeinschaften. Gustav Mahler war Jude und leitete die Wiener Staatsoper. Vor Allem setzte er energisch durch, dass sämtliche Werke von Richard Wagner dort ungekürzt aufgeführt wurden, was damals gar nicht so selbstverständlich war. Der junge Hitler war als armer Mann häufiger Stammgast auf den preiswerten Stehplätzen dort und meinte anerkennend, „Wenn doch alle Juden so wären wie der!“

In seinem Todesjahr 1911 war Mahlers letzte Großtat das „Lied von der Erde“, nach alten chinesischen Gedichten, in der unvergleichlichen „Nachdichtung“ von Hans Bethge. Seit gestern besitze ich dieses Buch in seiner vollständigen Fassung. Es ist immer noch frei lieferbar. Die Texte übersetzen nicht nur einfach die Originale, sondern empfinden sie meisterhaft nach. Nut ein Beispiel, das auch Mahler an den Beginn seines großen Spätwerks setzte: „Das Firmament blaut ewig, und die Erde wird lang und fest stehen – und aufblühen im Lenz. Du aber, Mensch, wie lange lebst denn du? Nicht hundert Jahre darfst du dich ergötzen, an allem morschen Tand auf dieser Erde.“

Beim ersten Durchblättern der Bethge-Texte ist man tief bewegt von seinen sprachlichen Möglichkeiten. Die Originale verstehe ich nicht, aber sie werden wohl auch so sein: Landschaften in Verbindung mit starken philosophischen Ideen. Viele entstanden in der Hochblüte der Tang-Dynastie.

Am 20.12.20 habe ich darüber einen Artikel geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/die-wunder-der-tang-dynastie/

Die chinesischen Kaiser wurden im letzten Jahrhundert für immer vertrieben, und Mao Ze Dong gründete 1949 seine kommunistische „Volksrepublik“. Als Staatsform gibt es die Volkrepublik immer noch, aber nach Maos Tod hat sie sich innerlich völlig verwandelt. Die Chinesen sind auf der ganzen Welt unterwegs, um zu lernen und die besten Sachen für ihr Land einzukaufen: Auch ganze Fabriken, und einzelne Städte wie das malerische Hallstatt in Österreich wurden originalgetreu kopiert und in China wieder aufgebaut. Im letzten Frühjahr ergab sich zufällig ein kurzes Gespräch mit einem ihrer Bürger, in einem Münchner Traditionslokal. Er lachte freundlich, als ich ihm nach ein paar Sätzen sogar sagen konnte, in welcher beruflichen Branche er eine Führungsposition hatte. Das hat er zwar deutlich bestritten und musste das auch. Aber er war nicht verärgert und hat mir sehr freundlich nachgewinkt. In anderen Fällen geht das schief. Seltsame Figuren mögen es gar nicht, wenn sie schnell durchschaut werden. Aber das nützt ihnen nichts, wenn sie auch noch auffällige Meinungen vertreten und sonst auch schnell erkennbar ist, wo sie hin gehören. Ich bleibe dabei immer höflich und zurückhaltend, habe aber trotzdem erlebt, was versteckte, heimliche Verärgerung auslösen kann. Schlecht für den Gesamteindruck, denn er empfiehlt klare Distanz oder das Wegschauen, was solchen Leuten selbst aber schwer fällt.

Derartige Auffälligkeiten werden ein fester Bestandteil der neuen Kriminalistik, die noch stärker mit Computerprogrammen arbeitet. Aber das darf nur im Rahmen unserer Verfassung von 1949 geschehen, mit Respekt vor der garantierten Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und dem freien Zugang zu Informationen, im Internet. Also nachprüfbar und transparent. Selbstverständlich gehört dazu auch der Schutz der Privatsphäre. Privatpersonen und Privatfirmen haben in fremden Privatbereichen überhaupt nichts zu suchen, und selbst dem Staat sind dabei sehr enge Grenzen gesetzt, deren Missachtung zu einem sofortigen Hausverbot an den Arbeitsplätzen und zur endgültigen Entfernung aus dem Dienst führen muss.

Mahlers „Lied von der Erde“ ist auch ein Lied von der Freiheit der Gedanken, von der Freude am Leben, der Trauer und dem Abschied, mit dem es endet. Hans Bethges Nachdichtung: „Er stieg vom Pferd und reichte ihm den Trunk des Abschieds dar. Er fragte ihn, wohin er führe und auch warum es müsste sein. Er sprach: Wohin ich gehe? Ich wandere in die Berge und suche Ruhe für mein einsames Herz.“

Die beste Aufnahme des „Lieds von der Erde“ entstand unter der Leitung von Otto Klemperer, mit den Stars Christa Ludwig und Fritz Wunderlich. Sie singen sehr textverständlich und voller Emotionen. Das zu Beginn schon entfesselte Orchester klingt durchsichtig, und man hört deutlich die einzelnen Solo-Instrumente. Eine Sternstunde der Musikgeschichte:

https://www.youtube.com/watch?v=DQ7FW4fly9Y

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