Das Militär 1969

19.9.2020. Im Jahr 1969 gab es noch eine allgemeine Wehrpflicht. Wer nicht gesundheitlich geeignet war, wurde verschont, konnte zwar als ablehnder Wehrdienstverweigerer befreit werden, musste dafür aber in Krankenhäusern oder Altersheimen arbeiten. Ganz schlau war der Wechsel nach Westberlin. Dort, mitten in der feindseligen DDR, gab es kein deutsches Militär. Die drei Siegermächte England, Frankreich und vor allem die Sowjetunion überwachten mit ihren Streitkräften die ganze Stadt.

Weil die strenge Außenpolitik im Ostblock zu immer stärkeren weltweiten Spannungen führte, gab es,seit Hitlers Tod im April 1945, im friedlichen Westberlin immer wieder Krisen und gefährliche Spannungen. Für den extremen Notfall stand die westliche Bundeswehr bereit und übte den Ernstfall, gemeinsam mit den starken Verbündeten im Nordatlantik-Pakt (NATO. ) Der gemeinsame Nachrüstung-Beschluss vom 12.12.1979 verstärkte die bisherige, bereits überlegene Kampfkraft. Trotz der ständigen Demonstrationen von organisierten Friedens-Bewegungen gab Helmut Schmidt nicht nach, der von 1974 bis 1982 Bundeskanzler war. Er wusste von streng geheimen Plänen des Ostblocks, in einem Überraschungsangriff ganz Westeuropa zu überrollen und zu besetzen. Seine Entschlossenheit machte die Schwächen des Gegners immer sichtbarer. Wegen der riesigen immer mehr anschwellenden Ausgaben für Militär und Geheimdienste blieb immer weniger Geld übrig, für den großen Rest des Lebens. Für die Finanzkraft der Industrie und für die private Zufriedenheit der Bevölkerung in allen eng verbündeten Block-Staaten, bis 1989 Alles völlig zusammenbrach.

Im Juli 1979 lernte ich, als befristeter Wehrpflichtiger für achtzehn Monate, ein paar westdeutsche Kasernen hautnah von innen kennen. Es gab eine faire Behandlung. Man konnte sich über Schikanen und Willkür beschweren. Das Klima war kameradschaftlich, nur einzelne Tyrannen tobten ihre unverschämte Herrschsucht aus. Bei den Panzergrenadieren sorgte eine teure Neu-Anschaffung für dauernden Ärger. Dar damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß aus München versorgte die ganze Truppe mit dem Modell HS 30. Das hatte zwar einen exklusiven Rolls-Royce-Motor aus England, fiel aber oft aus und musste dauernd in die Werkstatt. Eine kräftige Heizung gab es im Winter nur für den Fahrer. Die vierköpfige Besatzung stand im eiskalten Zugwind, weil es überhaupt kein Dach gab. Strauß überstand Alles, bis er sich mit dem erfolgreichen Nachrichtenmagazin SPIEGEL aus Hamburg so zerstritt, dass er selbst stürzte. Am 26. Oktober 1962 ließ er den Chefredakteuer Rudolf Augstein wegen Landesverrats verhaften, bestritt aber vor dem Parlament, dass er das selbst veranlasst habe. Diese offensichtliche Unwahrheit konnte ihm zweifelsfrei nachgewiesen werden. Er musste als Verteidungsminister zurücktreten und scheiterte mehrmals als neuer Kanzler-Kandidat, weil das wachsame Nachrichtenmagazin ständig im Detail peinliche Enthüllungs-Geschichten über ihn verbreitete und trotzdem keinen Prozess verlor.

Als Kanzler-Kandidat eilte Strauß auch am 26.9.1980 zum Tatort, als ein schweres Attentat auf das Münchner Oktoberfest mehrere Schwerverletzte und Tote forderte. Strauß beschuldigte sofort radikale Gruppen aus dem extrem linken politischen Spektrum. Spuren der Täter führten jedoch in die Gegenrichtung, in militante Kampforganisationen wie die Wehrsportgruppe Hoffmann. Die Ermittlungen wurden immer wieder aufgenommen, aber dann ergebnislos eingestellt.

Ohne Militär kann kein Staat überleben, aber man darf nichts überteiben. Materielle Waffen wie Panzer oder Flugzeuge kosten viel Geld, verlieren aber immer mehr an Bedeutung. Immer wichtiger wird die Strategie, die Organisation der Gegenwehr. Das geht nur über Daten, und die Computerprogramme werden immer besser. Falsch ist eine übertriebene Menge. Wenn die Datenspeicher überquellen, entsteht erst einmal Chaos. Wie man die besten Methoden und Abläufe wirkungsvoll organisiert, wird in Zukunft über Sieg oder Niederlage entscheiden, sogar bei der möglichen Zerstörung wichtiger Industrieanlagen, medizinischer Versorgung und der Produktion von Lebensmitteln.

Dort gibt es Lücken, die immer wieder in den Medien thematisiert werden, aber anscheinend noch existieren. Die grenzenlose Verbreitung solcher Meldungen kann Niemand verhindern.

Aber es gibt Gegenmittel. Sie müssen noch stark verbessert werden. Sie heißen Transparenz, Nachprüfbarkeit und Verbote, dazu wirkungsvolle Strafen, die alle wichtigen Staaten gemeinsam beschließen und in kurzer Frist durchsetzen. Das schließt, in überschaubarer Zeit, alle Lücken. Aber das dringende Tempo, ohne nutzlose Übertreibungen und Machtmissbrauch, ist noch viel zu langsam. Dieses Problem können Alle gemeinsam lösen.