Das Studium 1971

20.9.2020. Nach Abitur und Bundeswehr musste erst einmal das übliche Studium her. In Münster, Sommersemeste 1971. Da war man nicht allein. Die Pflichtvorlesungen waren überlaufen. Als Abschreckung hatte die Universität ganz neue „Propädeutische Seminare“ erfunden, also sinnlose Vorbereitungskurse, Pflichtübungen für Deutsch und Englisch, die ja in den vorherigen neun Jahren unvemeidbare Hauptfächer waren. Zu lernen waren jetzt althochdeutsche Vokabeln, die Niemand brauchte. Und große Wagenladungen mit englischer Grammatk, die man genauso lange kannte. Erwünscht war wohl eine drastische Verringerung der zu hohen Studentenzahlen. Der freie Arbeitsmarkt hatte damals schon seine Grenzen, auch für elitäre Akademiker. Die Rechnung ging auf. Vorher waren leider finanziell notwendig: Drei Monate als Ferienarbeiter, zur Bezahlung des Alltags. Danach noch drei Monate in einem Industriebüro, um neue Vorräte aufzubauen. Dann reichte es endgültig. Im November 1971 gelang der endgültige Einstieg in das geregete Berufsleben. Eine große Behörde, zunächst drei Jahre Ausbildung als Sachbearbeiter.

Auch das war viel zu lang, denn nach der Prüfung musste man selbst sehen, wie aktuelle juristische und ökonomische Probleme täglich zu lösen waren, die vorher gar nicht behandelt wurden. Das klappte im Lauf der Jahre immer besser, aber immer deutlicher wurde auch die träge Unbeweglichkeit für die wichtigsten Arbeitsabläufe, die bei Änderungsversuchen heftige Widerstände auslösten, ausgerechnet an den Führungsplätzen, die nur zur Optimierung, zur Verbesserung da waren, aber die zu lange gewöhnten, bequemen Traditionen nicht antasten wollten.

Da muss man sich arrangieren, anpassen, aber das Betriebsklima verrottete. Das ist lange her. Details sind uninteressant, aber die Systemathik ist aktuell.

Der kurze Sommer als Student brachte viel freie Zeit, zum Kennenlernen der Leute und ganz anderer Wissensgebiete. In Münster sagt man trocken, „Watt mutt, dat mutt.“ (Was sein muss, muss sein.) Oder: „In Münster regnet es. Oder die Glocken läuten.“ Oder: „Man kann sich als Fremder in der ganzen Stadt nicht verirren, sondern an den vielen Kirchtürmen orientieren.“

So stimmte das zwar auch nicht, aber dahinter steckten jahrhundertelang überlieferte Erfahrungswerte. Am Ende kamen siebzehn Jahre zusammen. Die Langeweile gehörte dazu, aber auch Erlebnisse und Eindrücke, die erst viel später begreiflich wurden.

An der Universität gab es genug davon. Aber hier kann man sich auf ein paar Beispiele beschränken. Heute allerdings muss das nicht sein.

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